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Altersvorsorge : Investments mit dem eigenen Leitbild in Einklang bringen

  • -Aktualisiert am

Betriebliche Altersvorsorge für rund 3800 Mitarbeiter: Eine Herausforderung für die Diakonie Stetten. Bild: SolStock/iStock

Gemeinnützige Organisationen stecken in einem Dilemma: Investieren sie Kapital, sollen die Anlagen einerseits das Vermögen mehren und müssen andererseits den eigenen Ansprüchen gerecht werden. Nachhaltige Fonds bieten die Möglichkeit, beide Ziele zu erreichen.

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          Gemeinnützige Organisationen stehen vor der Herausforderung, Rendite und Nachhaltigkeit in Einklang zu bringen. Die Diakonie Stetten, ein Sozialunternehmen, das rund um Stuttgart eine Vielzahl von Einrichtungen für Menschen mit geistigen Behinderungen und deren Familien unterhält, hat diese Herausforderung gemeistert. Für die eigenen rund 3800 Mitarbeiter legt das Sozialunternehmen das Geld für die betriebliche Altersvorsorge so an, wie es seinem Leitbild entspricht.

          Wertsteigerung ist oberstes Gebot

          So darf der Spezialfonds nicht in Staatsanleihen von Ländern investieren, in denen die Menschenrechte extrem eingeschränkt sind, in denen Kinderarbeit weit verbreitet ist oder die Arbeitsbedingungen der Menschen im Hinblick auf Mindestlöhne, Arbeitszeiten sowie Sicherheit und Gesundheit schlecht sind. Weiterhin sind Aktien von Unternehmen ausgeschlossen, die hochprozentige Getränke oder Militärwaffen herstellen oder nachweislich an menschlichen Embryonen forschen. „Nachhaltigkeit bedeutet für uns zum einen, das Kapital ethisch, ökologisch und sozial einwandfrei anzulegen, und zum anderen, es am Markt so zu investieren, dass der Erhalt und die Wertsteigerung des Geldes so gut wie möglich gewährleistet sind“, sagt Dietmar Prexl, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Diakonie Stetten.

          Da es um die Altersvorsorge der Mitarbeiter geht, und der Erhalt des Kapitals neben den Faktoren Nachhaltigkeit und Wertsteigerung das oberste Gebot ist, kommt bei dem Spezialfonds eine spezielle Werterhaltungsstrategie zum Einsatz, die sicherstellt, dass mögliche Verluste begrenzt werden. Das Anlagerisiko wird damit streng kontrolliert. Transparenz wird dabei großgeschrieben. „Die Fondsmanager berichten uns zweimal im Jahr über die aktuellen Entwicklungen der Geldanlagen“, berichtet Dietmar Prexl.
          Die Diakonie Stetten ist kein Einzelfall. Viele gemeinnützige Organisationen und deren Pensionskassen stehen angesichts des schwachen Zinsniveaus vor dem Problem, dass die Renditen festverzinslicher Anlagen momentan nicht genügen, um das Leistungsversprechen gegenüber ihren Beitragszahlern erfüllen zu können. Gleichzeitig reichen für gemeinnützige Stiftungen die Erträge des Stiftungsvermögens häufig kaum aus, um ihrem eigentlichen Stiftungszweck nachzukommen. Um die Anlageziele zu erreichen, beauftragen sie oft Asset Manager.

          Oberste Pflicht für den Manager ist es, alle Interessen der Geldgeber zu berücksichtigen. Dies betrifft nicht nur das Ziel, stabile und attraktive Renditen zu erzielen, sondern auch den Wunsch, ethische, soziale und ökologische Auswahlkriterien bei der Geldanlage zu berücksichtigen. Halten sich die Verantwortlichen nicht daran, riskieren sie neben der Verletzung ihrer Obliegenheitspflichten auch eine Beschädigung der Reputation des Unternehmens. Man stelle sich allein den Sturm der Entrüstung in den sozialen Netzwerken vor, der beispielsweise durch ein ökologisch zweifelhaftes Investitionsprojekt entfacht werden könnte.

          Nachhaltige Investments im Sinne von ethischen, umwelt- und sozialverträglichen Kriterien und rentable Geldanlagen schließen sich allerdings nicht aus. Im Gegenteil. Das Vorurteil, dass die Konzentration auf nachhaltige Investments Rendite kostet, ist inzwischen widerlegt. So belegt eine Studie der Ratingagentur Scope, dass nachhaltige und ethische Anlagen im Fünfjahresvergleich sogar einen Prozentpunkt mehr Ertrag gebracht haben als herkömmliche Fonds. Auch Untersuchungen der Universität Kiel zeigen, dass nachhaltige Fonds mindestens so gut abschneiden wie ihre konventionellen Pendants.

          Risiken reduzieren

          Der fortschreitende Klimawandel und die zunehmende Ressourcenknappheit spielen dabei eine bedeutende Rolle. Sie erfordern zukunftsträchtige Lösungen. Unternehmen, die dafür die passenden Produkte und Dienstleistungen entwickeln, bringen gute Voraussetzungen mit, neue Wachstumsmärkte zu erschließen. Gleichzeitig steigt mit den wachsenden ökologischen Herausforderungen der Wunsch bei institutionellen und privaten Investoren, mit dem eigenen Anlagekapital einen Teil zur Lösung beizutragen. Zudem können dadurch die Risiken, die sich aus diesem Wandel ergeben, besser identifiziert und reduziert werden.

          Steffen Merker ist Nachhaltigkeitsexperte und Fondsmanager bei der LBBW Asset Management.

          Topmeldungen

          Klimaschutz im Fokus: Die Berücksichtigung ökologischer Aspekte bei der Kapitalanlage kann dazu beitragen, den Lebensraum dieses Eisbären zu schützen. Für Versicherer bieten sich unter anderem Green Bonds an, über die sie in nachhaltige Projekte investieren können.

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