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Verlagsspezial

Alternative : Zugang zu regulierten, geschlossenen Fonds auch für Privatinvestoren

  • -Aktualisiert am

Ein klarer Fokus liegt auf Investitionen in illiquide Anlageobjekte wie Infrastruktureinrichtungen. Bild: SergeyVButorin/iStock

Das Angebot für professionell verwaltete geschlossene Fonds, die nicht nur großen institutionellen Anlegern zugänglich sind, ist sehr eingeschränkt. Jetzt revolutioniert die europäische Fondskategorie ELTIF die Welt langfristig orientierter Sachwertinvestments und Privatmarktanlagen.

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          Prinzipiell sind Investments in nicht-börsennotierte Sachwerte seit jeher ein attraktiver Baustein, um das Portfolio zu diversifizieren und das Risiko-Rendite-Profil zu verbessern. Beispielhaft sind nichtbörsennotierte Unternehmensbeteiligungen einerseits weit weniger von den Stimmungsschwankungen an den Aktienmärkten betroffen. Andererseits sind es nicht zuletzt auch die historischen Überrenditen, welche das Investitionssegment Private Equity insbesondere bei großen, institutionellen Investoren sehr beliebt gemacht haben.  
          Viele Privatanleger haben sich lange Zeit dennoch zu Recht schwergetan, in nicht-börsennotierte Sachwerte- oder Unternehmensbeteiligungen zu investieren. Das ist unter anderem auch der Struktur der entsprechenden Investmentvehikel geschuldet, welche bisher zu diesem Zweck genutzt wurden. Bis zur Neuordnung des Segments durch das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) waren die für Kleininvestoren zugänglichen geschlossenen Fonds allzu häufig eben gerade kein Hort der Stabilität: Eine relativ hohe Kostenbelastung, komplexe Strukturen oder erhebliche Single-Asset-Risiken wie einzelne Schiffe oder Flugzeuge haben gemäß der hier vertretenen Auffassung wiederholt zu herben Enttäuschungen auf Anlegerseite geführt und der Branche einen zweifelhaften Ruf eingebracht.

          Revolution durch European Long Term Investment Funds

          Seit der KAGB-Regulierung ist der Vertrieb von geschlossenen Fonds, die den neuen Anforderungen vollumfänglich gerecht werden, schwierig. Etliche Anbieter sind bis dato vom Markt verschwunden – was zu einer wünschenswerten Bereinigung des Marktsegments beigetragen hat. Doch sind einige kritische Punkte im Bezug zu geschlossenen Fonds auch unter der KAGB-Regulierung nicht ganz ausgeräumt: Die Kostenbelastung bleibt meist relativ hoch, die Transparenz der Strukturen insbesondere bei Dachfondskonstruktionen begrenzt oder das Risiko aufgrund des Investments in ein einzelnes Anlageobjekt immens.

          So überfällig wie begrüßenswert die Neuregulierung des Segments insgesamt auch erscheinen mag – die wahre Revolu­tion der geschlossenen Fonds ist, gerade mit Blick auf den angestrebten Anlegerschutz, anderswo zu verorten: Bei den eigenen europäischen Regeln unterworfenen European Long Term Investment Funds, kurz ELTIF genannt.

          Mit der Fondskategorie wird Privatanlegern ein Vehikel für Sachwert- und Privatmarktanlagen an die Hand gegeben, das durch klar fixierte Anlagegrundsätze, ein hohes Maß an Transparenz, nachvollziehbare Kostenbelastung und einfache Handhabung besticht. Tatsächlich ist der ELTIF unseres Erachtens damit die wohl größte Innovation, um Privatanlegern, aber auch kleineren institutionellen und semi-institutionellen Investoren wie Stiftungen und Family Offices die Tür zur Anlageklasse zu öffnen und eine regulierte Investmentlösung anzubieten.

          Trotz des Ziels, allen Europäern unter gleichen Regeln Zugang zu einem ELTIF zu gewähren, bleibt dieser Zugang dahingehend reguliert, dass eine Investition der Vermögenssituation des Investors angepasst sein muss. Soweit das Finanzportfolio des Privatanlegers nicht die Grenze von 500 000 Euro überschreitet, darf er maximal zehn Prozent seines Finanzportfolios in einen ELTIF anlegen, wobei der anfänglich angelegte Betrag mindestens 10000 Euro betragen muss. Das setzt ein Mindestfinanzvermögen von 100 000 Euro voraus. Somit werden künftig auch wieder Investorengruppen aus dem klassischen Private-Banking-Segment Zugang zu geschlossenen Fonds erhalten. Neben der Zugangsregulierung macht die ELTIF-Verordnung eindeutige Vorgaben zur Portfolio- und Kostenstruktur: Ein klarer Fokus muss auf Investitionen in illiquide, nicht-börsennotierte Anlageobjekte liegen. Sie müssen mindestens 70 Prozent des Fondsvermögens ausmachen. Explizit genannt werden Infrastruktureinrichtungen, Unternehmensbeteiligungen und Fremdkapitalfinanzierungen. Auch Immobilienbeteiligungen sind gestattet, sofern sie beispielsweise dem Bereich der sozialen Verwendung einer Immobilie zuzurechnen sind. Ferner sind auch Investitionen in Sachwerte, wie zum Beispiel Schiffe und Flugzeuge, möglich.

          Angemessenes Schutzniveau durch klare Investitionsregeln

          Anders als bei konzentrierten „Single Asset Fonds“ fordert die ELTIF-Regulierung aber eine Mindeststreuung über wenigstens zehn Direktinvestitionen. Beteiligungsmodelle, die in nur ein Anlageobjekt investieren, sind damit ebenso ausgeschlossen wie Dachfonds-Konstruktionen. Denn auch die Beteiligung an anderen Fonds ist klar begrenzt. Der klare Fokus auf Direktinvestments führt zu einem hohen Maß an Transparenz, der bei Dachfonds nicht gegeben ist. Insbesondere führt dies dazu, dass die Kosten nachvollziehbar sind und doppelte Gebührenstrukturen vermieden werden.

          Das hier geschaffene Regime eröffnet Privatanlegern mithin erstmals einen sehr klar regulierten Zugang zu unterschiedlichen Privatmarktanlagen und somit zu attraktiven alternativen Renditequellen. Privatanleger können damit an langfristigen Wertsteigerungen partizipieren, ohne dass sie auf ein für Privatanleger angemessenes Schutzniveau verzichten müssen.

          Es ist dabei zu bemerken, dass die Kombination von Zugang und klaren, sinnvollen Investitionsregeln unserer Erwartung nach auch bei institutionellen Anlegern auf großen Anklang stoßen wird. Noch ist das ELTIF-Regime recht jung und das Angebot entsprechend übersichtlich. Angesichts der genannten Vorteile ist aber zu erwarten, dass das ELTIF-Universum in den kommenden Jahren deutlich wachsen wird.

          Markus Pimpl ist Senior Vice President im Bereich Client Solutions bei der Partners Group AG, Zug.

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