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Verlagsspezial

: Komfortabel und maximal energieeffizient

Aus alt mach neu: Laut Experten soll es bereits im Jahr 2018 in Deutschland rund 720 000 Smart-Home-Haushalte geben. Bis zum Jahr 2020 soll dann die Millionenmarke geknackt werden. Bild: MartiGarcia/istock/thinkstock

Immer mehr Menschen rüsten ihr Eigenheim zum Smart Home auf. Dabei geht es längst um mehr als technische Spielereien – nämlich um handfeste Vorteile für die Bewohner.

          Hier wird mir angezeigt, wie viele Kilowattstunden unsere Photovoltaikanlage gerade produziert“, sagt Bernhard Beck und zeigt mit dem Finger auf sein Smartphone. „Und das hier ist der aktuelle Stromverbrauch.“ Der 39-Jährige hat sich in Volkach bei Würzburg seinen Traum verwirklicht und ein Eigenheim gebaut. Kein gewöhnliches – sondern ein Smart Home, gespickt mit intelligenter Technik. Sogenanntes „Smart Metering“ sorgt dafür, dass der Hausherr die Verbrauchs- und Erzeugungswerte seines Hauses immer im Blick hat. „Wir beobachten und analysieren die unterschiedlichen Verbräuche, um dann Optimierungen vorzunehmen“, erzählt Beck. „Wir versuchen, das Haus immer energieeffizienter zu machen.“

          Immer mehr Menschen rüsten ihre Wohnung oder ihr Haus zum Smart Home auf. Schätzungen zufolge werden schon im kommenden Jahr etwa 720 000 Smart-Home-Haushalte in Deutschland existieren. Bis 2020 soll die Millionenmarke geknackt werden. Das Interesse an dem Thema ist laut einer Umfrage von LSPdigital enorm: 47,5 Prozent der Deutschen interessieren sich für die intelligente Haustechnik.

          Wer eine Nutzung von Smart-Home-Anwendungen ablehnt, tut das derzeit vor allem aufgrund der vermeintlich hohen Kosten für Anschaffung, Einbau und Betrieb der Anwendungen, zeigt eine Studie des Marktforschungsinstituts Dr. Grieger & Cie. in Zusammenarbeit mit der Smart Home Initiative Deutschland. Als weiteres Hemmnis wird die Inkompatibilität von Geräten unterschiedlicher Hersteller angesehen. Dies spiegelt sich in dem Wunsch der deutschen Interessenten und Nutzer wider, die Steuerung aller Smart Home-Anwendungen über eine einzige App vorzunehmen.

          Einstiegsängste abbauen

          „Die Breite an Smart-Home-Anwendungen ruft Hersteller und Anbieter unterschiedlichster Couleur auf den Plan“, sagt Studienleiterin Bianca Emmert. „Dadurch verlieren die Marktteilnehmer bisweilen den Nutzer aus dem Blick.“ Denn nicht alles, was technisch machbar ist, ist auch wirklich sinnvoll. Daher sei nun die Branche als Ganzes gefordert: „Um das positive Wachstum des Smart-Home-Marktes der letzten Jahre fortzusetzen, müssen Hersteller, Handwerk und Handel weniger technisch und mehr verbraucherorientiert handeln und vor allem Sorgen und Einstiegsängste abbauen“, sagt Emmert.

          Zu den Vorreitern auf dem Gebiet der intelligenten Haussteuerung zählt hierzulande die RWE-Tochter Innogy: Mit der Innogy SmartHome Haussteuerung können Eigentümer und Mieter flexibel und umfassend auf Heizung, Beleuchtung und elektrische Geräte in der gesamten Wohnung zugreifen. Das funkbasierte System trägt sowohl in Neubauten als auch in bestehenden Gebäuden durch den Einbezug der existierenden Haustechnik zur Steigerung von Komfort und Energieeffizienz bei.

          Auch Qivicon, eine von der Deutschen Telekom initiierte Allianz führender Industrieunternehmen, zu der neben dem Telekommunikationskonzern auch Firmen wie Miele, Samsung und der Energiekonzern ENBW gehören, hat sich zum Ziel gesetzt, das Thema Smart Home in Deutschland voranzutreiben. Vom Heizkörperthermostat über den Rauchmelder, Jalousien, Lampen oder Haushaltsgeräten wie etwa der Waschmaschine können die Nutzer praktisch alles mit Hilfe von Apps für Smartphones, Tablets oder PCs unterwegs oder zu Hause individuell kontrollieren und steuern. Daneben gibt es noch eine ganze Reihe kleinerer Anbieter.

          Derartige Komplettsysteme für die Heimvernetzung bestehen in der Regel aus einem zentralen Apparat, der viele verschiedene Geräte steuern kann. Hiermit lässt sich etwa die Beleuchtung programmieren oder per Smartphone auch aus der Ferne an- oder ausschalten. Tür- und Fenstersensoren können ebenfalls in das Netzwerk eingebunden werden. Sie werden von außen unsichtbar am jeweiligen Rahmen installiert. Per Smartphone-App lässt sich dann auch von unterwegs überprüfen, ob alle Fenster und Türen geschlossen sind.

          Möglich ist mit Hilfe einer intelligenten Haussteuerung mittlerweile vieles, was vor kurzem noch wirkte, als wäre es einem Science-Fiction-Streifen entsprungen: Mit dem Klingeln des Weckers schaltet sich wie von Geisterhand die Kaffeemaschine ein, und wenig später wird automatisch die Heizung im Bad hochgefahren. Haustechnik und Haushaltsgeräte wie etwa Lampen, Rollläden, Heizung, aber auch Herd, Kühlschrank und Waschmaschine werden miteinander vernetzt.

          Ausgereifte Sensorik

          Doch beim Smart Home geht es längst um mehr als technische Gimmicks. Wichtigster Aspekt für die Nutzer von Smart-Home-Produkten ist laut einer aktuellen Umfrage des Digitalverbands Bitkom eine höhere Sicherheit im privaten Umfeld. Die Mehrheit der Nutzer (61 Prozent) schützt ihre Wohnung mit intelligenter Haustechnik als Ergänzung zu einer mechanischen Sicherung. Für 57 Prozent ist „mehr Komfort und Lebensqualität“ wichtig, jeder zweite Smart-Home-Nutzer will seinen Energieverbrauch senken und so Geld sparen.

          Dass Energieeffizienz bei Smart-Home-Anwendungen immer wichtiger wird, zeigt das Beispiel der Familie Beck: Bei ihrem Smart Home in Volkach wird der Strom aus Sonnenenergie gewonnen. Solarmodule auf dem Dach und an der Fassade der Garage erzeugen über 65 000 Kilowattstunden Strom im Jahr – genug um bis zu 20 durchschnittliche Einfamilienhaushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen. „Das Haus produziert im Jahr vier- bis fünfmal mehr Energie, als es selbst verbraucht. Und im Winter heizen wir hauptsächlich mit Solarstrom“, erklärt Beck, der als Geschäftsführer des Solarunternehmens Belectric selbst vom Fach ist.

          Dank der ausgereiften Sensorik können Smart Homes mittlerweile automatisch auf ihre Umwelt reagieren. So erkennen  Wettersensoren auf dem Dach, ob die Sonne scheint, und fahren im Sommer automatisch die Jalousien herunter, während die Sonnenstrahlen im Winter zum Heizen genutzt werden. Zusätzlich registrieren Präsenzmelder in jedem Winkel des Hauses Bewegungen der Bewohner und schalten beim Betreten der Räume automatisch die Beleuchtung ein – und beim Verlassen wieder aus. Befindet sich kein Bewohner im Haus, schaltet das Smart Home in einen energiesparenden Modus.

          Beim Haus der Becks in Volkach hat die auf High-Tech-Häuser spezialisierte Firma Casaio aus Güntersleben bei Würzburg das Konzept entwickelt, mit denen sich Photovoltaikanlage, Heizung und Lüftungsanlage exakt aufeinander abstimmen lassen. „Komfort und Energieeffizienz stehen hier an erster Stelle“, resümiert Casaio-Geschäftsführer Thomas Lübbeke. „Das Haus von Herrn Beck ist ein Paradebeispiel für ein energieeffizientes Smart Home.“

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