https://www.faz.net/-i58-81jv9
Verlagsspezial

: Eine Frage der Existenzsicherung

  • -Aktualisiert am

Auch Manager treffen nicht immer die richtige Entscheidung. Eine D&O-Versicherung kann sie dann schützen. Bild: BrianAJackson / Thinkstock / Getty Images

Jeder Mensch macht Fehler. Die sogenannten D&O-Versicherungen sind für Manager in Großunternehmen daher längst Standard. Mittlerweile zieht auch der Mittelstand nach.

          Wie ein Damoklesschwert schwebt er über den Aktionen, Entscheidungen und Nichtentscheidungen eines jeden Geschäftsleiters: der Paragraph 43 des GmbH-Gesetzes respektive Paragraph 93 des Aktiengesetzes. Darin steht geschrieben, dass die Geschäftsführer beziehungsweise Vorstandsmitglieder bei der Leitung der Gesellschaft „die Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsmannes“ anzuwenden haben. Was auf dem Papier zunächst selbstverständlich klingt, kann für einen Geschäftsführer schnell existenzbedrohend werden. Aufgrund seiner Organstellung haftet er der Gesellschaft gegenüber nämlich unbeschränkt, also auch mit seinem Privatvermögen.

          Manager, die durch ihr Handeln „ihrer“ Gesellschaft einen Schaden zufügen, werden zunehmend von den Eigentümern auch dafür in Anspruch genommen. Was in großen, vor allem börsennotierten Aktiengesellschaften schon seit mehr als zehn Jahren zum Standard im Versicherungsportolio der Gesellschaft gehört, beginnt deshalb nun auch verstärkt im Mittelstand Fuß zu fassen – Versicherungen für „Directors and Officers“ (D&O), die der Gesellschaft jenen Schaden ersetzen, den der Geschäftsführer ihr zugefügt hat. Etwa jedes fünfte mittelständische Unternehmen hat bereits eine D&O-Versicherung abgeschlossen – Tendenz steigend. „Mittelständler sehen, dass Vorstände großer Unternehmen in die Haftung genommen werden, und fragen sich, ob ihnen das auch passieren kann“, schildert Michael Hendricks, Geschäftsführer der auf  Z&O-Versicherungen spezialisierten Agentur Hendricks & Co. seine Erfahrungen aus der Praxis.
           

          Abdeckung sämtlicher Pflichtverletzungen

          Die D&O-Versicherung ist versicherungstechnisch eine Vermögensschaden-Haftpflichtversicherung. Versicherungsnehmer ist das Unternehmen, es bezahlt in der Regel auch die Prämie. Versicherte Personen sind neben Geschäftsführern und Vorständen etwa auch leitende Angestellte und Aufsichtsräte. Die Versicherung deckt sämtliche Pflichtverletzungen ab, die Geschäftsleiter im Rahmen ihrer Organstellung begehen. „Neben dem Schaden muss ein schuldhaft pflichtwidriges Verhalten des Geschäftsführers vorliegen“, sagt Mirjam Boche, Rechtsanwältin in der Kanzlei Arqis in Düsseldorf.

          Organisationsfehler bei einer Projektvergabe, eine falsche Angebotskalkulation, Umbauten, die nicht den Brandschutzvorschriften entsprechen, eine fehlerhafte Kündigung, die zu einer hohen Abfindung führt – all das wären klassische Fälle für eine D&O-Versicherung. Die Managementfehler begründen unter Umständen einen Anspruch der Gesellschaft auf Schadenersatz. „Mehr als 80 Prozent der D&O-Fälle betreffen das Innenverhältnis einer Firma“, sagt Michael Hendricks. Von außen, also von Kunden, Aktionären oder Insolvenzverwaltern, werden Unternehmenslenker nur in knapp jedem fünften Versicherungsfall in Anspruch genommen. Vor allem in großen Konzernen drängen oftmals die Eigentümer den Aufsichtsrat, eine Haftung des Vorstands wegen Pflichtverletzung zu prüfen.
           

          Saubere Dokumentation ist wichtig

          Schutz bietet die D&O-Versicherung einerseits in der Abwehr unberechtigter Ansprüche und andererseits durch den Ersatz berechtigter Ansprüche. Der Versicherer übernimmt die Prüfung der Sach- und Rechtslage, was auch die Führung und Übernahme der Kosten eines Rechtsstreits inkludiert. „Von der Versicherung ist zeitlich grundsätzlich alles erfasst, was in der versicherten Periode angezeigt wird“, erläutert Mirjam Boche von Arqis Rechtsanwälte. Kann tatsächlich ein Schaden ermittelt werden, kommt es schnell zu einer Beweislastumkehr, und der Manager muss darlegen, dass er nicht pflichtwidrig oder zumindest nicht schuldhaft gehandelt hat. „Deshalb ist eine saubere Dokumentation aller Entscheidungen so wichtig. Die Versicherung erleichtert nicht den Entlastungsbeweis“, ergänzt Boche.

          Vor allem auf die Ausschlüsse in der Police sollten Manager vor Abschluss der Versicherung unbedingt achten. Wer etwa gegen die Satzung oder die Leitlinien verstößt, bekommt vom Versicherer schnell Vorsatz vorgehalten – und der ist nicht von der Versicherung gedeckt. „Hier gibt es ein breites Argumentationsspektrum“, sagt Hendricks. Auch sollten Unternehmen prüfen, inwieweit von der Versicherung Schäden aus dem operativen Tagesgeschäft umfasst sind. Denn die D&O-Versicherung deckt grundsätzlich solche, die aus der Organstellung resultieren. Im Einzelfall ist die Abgrenzung der D&O-Versicherung zur Berufshaftpflichtversicherung für operative Tätigkeiten schwierig. „Es empfiehlt sich daher eine Kombination aus beiden“, sagt Rechtsanwältin Boche.

          Topmeldungen

          : Wie man sich gegen Cyberattacken schützt

          Hacker-Angriffe, Sabotage und Datendiebstahl: Die digitale Revolution hat auch ihre Schattenseiten. Mit fünf Schritten können Firmen für mehr Sicherheit sorgen.

          : Spezialisten dringend gesucht

          IT-Sicherheitsexperten sind gefragt – doch das Angebot an Fachkräften ist begrenzt. Viele Unternehmen setzen deshalb auf Expertise im eigenen Haus.
          Wer im Notfall löscht, hinterlässt manchmal Schäden. Das gilt auch für IT-Experten.

          : Sicherheitspaket für die „IT-Feuerwehr“

          Wenn IT-Dienstleister oder -Berater Fehler machen, kann das für ihre Kunden schwerwiegende Folgen haben. Sie müssen sich daher besonders gegen berufliche Haftpflichtrisiken schützen.