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: „Soziale Kompetenz entscheidend bei der Rolle des Family Office im Nachfolgeprozess“

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Im Gespräch mit Dr. Maren Gräfe, Rechtsanwältin, Steuerberaterin, Gründungspartnerin, gkn Gräfe Klümpen-Neusel Rechtsanwälte Steuerberater PartG mbB, und Prof. Dr. Sabine Rau, Visiting Professor an der ESMT in Berlin und der University of Ottawa.

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          Was macht das Thema Nachfolge bei vermögenden Familien so komplex?

          Rau: Bei Familien, die ein gemeinsames Vermögen oder Unternehmen besitzen, werden Entscheidungen fast nie ausschließlich aus rationalen Gründen getroffen. Parallel spielen auch Emotionen stets eine große Rolle.

          Gräfe: Zudem herrscht Vielfalt und Internationalität auf Familien- und Vermögens­ebene, was steuerlich herausfordernd ist, und nur selten gibt es eine verlässliche Zusammenführung aller Daten durch ein modernes Reporting.

          Wo sehen Sie das größte Konfliktpotential?

          Rau: Das hängt vom Typus der Familie ab und von deren bisheriger Art, mit Nachfolge umzugehen. In der Regel ist das größte Konfliktpotential in der Beziehung der Eltern zu den einzelnen Kindern begründet und in der Beziehung der Kinder untereinander. So kann Eifersucht, die schon in Kinder- und Jugendzeiten aufgebaut wurde, häufig zu verschobenen Konflikten führen, die in der Unternehmenssphäre beziehungsweise im Family Office ausgelebt werden.

          Gräfe: Wenn es dann keinen strukturierten und moderierten Kommunikationsprozess gibt, wird es schwer. Auch Berater, die ihren Fokus nur auf einen Teil der Familie oder ausschließlich steuerliche Aspekte legen, wirken kontraproduktiv.

          Welche Rolle sollte ein Single Family Office bei der Nachfolgeplanung der betreuten Familie einnehmen?

          Rau: Ein Single Family Office sollte die Inhabergeneration ebenso wie die nächste Generation auf die Nachfolge vorbereiten. Dazu gehört, dass klare Regeln für die Nachfolge aufgestellt werden, an die sich alle halten. Zudem muss die Organisation durch eine klare, auf das eventuell vorhandene Unternehmen abgestimmte Inhaberstrategie, die von allen akzeptiert wird, vorbereitet werden. Und nicht zuletzt muss sichergestellt sein, dass die Erben auch nachfolgefähig sind in Bezug auf Wille, Kompetenz und Erfahrung am Arbeitsmarkt, um beispielsweise das Familienunternehmen zu führen.

          Gräfe: Zur Nachfolgefähigkeit gehören auch psychologische Aspekte wie Konfliktfähigkeit und Führungswille der NextGen. Letztlich muss das Single Family Office für eine optimale Vorbereitung auf die Erbschaftsteuer sorgen. Hierzu sollte es die Zahlen bereithalten, Familienmitglieder sensibilisieren und bei Bedarf auch externe Fachexperten oder Mediatoren hinzuziehen und orchestrieren.

          Wie wichtig ist dabei die soziale Kompetenz des Family Office?

          Rau: Ohne soziale Kompetenz ist ein Family Office nur ein nachgeordneter Finanz- und Organisationsdienstleister und in keinem Fall in der Lage, Prozesse zu gestalten.

          Gräfe: Genau, es geht nicht nur um den optimalen Einsatz des wirtschaftlichen Kapitals, sondern des Humankapitals der Familie. Warum machen wir etwas, was wollen wir erreichen? Zudem müssen Vertrauen, Akzeptanz und Einbindung aller durch das Family Office gewährleistet werden, um Akzeptanz zu schaffen für gemeinsame Leitlinien, die eventuell in die privaten Lebensinteressen eingreifen.

          Warum ist ein Single Family Office am besten geeignet, um Fragen der Lebensplanung zu adressieren?

          Rau: Immer dort, wo verschiedene Betroffene und verschiedene Vermögensteile in ihrer Komplexität gemanagt werden müssen, ist ein Single Family Office, das das Vertrauen der Familie genießt, am besten geeignet, weil es alle Teile des Gesamtsystems übersehen kann, nur der Familie verpflichtet ist, diese lange begleitet und daher auch kennt.

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