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Anzeigensonderveröffentlichung

: Herausforderungen vermögender Familien meistern

Bild: Mareike Gerhold

Die aktuellen Herausforderungen für Family Offices, die Nachfolgeplanung für vermögende Familien und die Möglichkeiten, dafür Stiftungen zu nutzen, waren die Schwerpunktthemen auf dem Private Clients Forum 2021 in Frankfurt am Main, das vom Forum Institut für Management veranstaltet wurde.

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          Der Schutz und die Sicherung ihres Vermögens – auch in Krisenzeiten – hat für besonders wohlhabende Familien in der Regel Priorität. Sie wollen die Werte erhalten, die oft über Generationen aufgebaut wurden. Daher sei dem Family Office während der Pandemie die wichtige Rolle zugekommen, sich eng mit der Familie zu beraten, um gravierende Fehler zu vermeiden, so Thomas Borghardt, Mitglied des Vorstandes der Family Office Bank Marcard, Stein & Co, in seiner Keynote auf dem Family Office Forum 2021 in Frankfurt am Main. Seit die Zinssätze für quasi risikolose Anlagen, wie Anleihen sehr guter Bonität, ins Negative gedreht haben und die Volatilität auf den Aktienmärkten weiter zugenommen hat, ist es für Vermögensverwalter deutlich schwieriger geworden, die Aufgabe der Vermögenssicherung zu meistern. Als alternatives Investment, das zur Erreichung dieses Anlageziels beitragen kann, stellte Torsten Murke, einer der Gründer und CEO des Family Office FINVIA, auf dem Private Clients Forum 2021 Private Equity vor. Gerade während des Börseneinbruchs zu Beginn der Corona-Pandemie habe Private Equity als Stabilitätsanker gewirkt. „Denn die Illiquidität dieser Assetklasse hat Panikverkäufe stark erschwert.“ Diese Illiquidität, die generell eher als Nachteil von Private Equity gewertet wird, hat sich also in der Krisensituation zu einem Vorteil gewandelt. Jedoch lasse sich damit nicht nur die Volatilität im Portfolio reduzieren, sondern darüber hinaus noch die Rendite steigern. Im Durchschnitt biete Private Equity einen deutlichen „Mehrertrag“ im Vergleich zu anderen Anlageklassen wie Immobilien oder Aktien. Fallstricke lauern – wie bei jeder Assetklasse – jedoch auch bei Private Equity. Auf einige davon machte Jan Hoffmann, Head of Alternative Investments bei FINVIA, aufmerksam. „Als größte Gefahr sehe ich den Versuch, Market Timing zu betreiben, denn das ist fast unmöglich.“ Stattdessen empfahl der Anlagexperte, „ein Portfolio kontinuierlich über mehrere Jahre aufzubauen“.

          Bild: MicroStockHub/iStock

          Wird Gold noch zu Recht als „sicherer Hafen“ betrachtet?

          Ein zweites Thema, das stets diskutiert wird, wenn es um den Vermögensschutz geht, ist die Anlage in Gold. Obwohl es ja bekanntlich keine laufenden Erträge wie Zinsen oder Dividenden erwirtschaftet, spielt es in vielen Portfolios als Sicherheitsbaustein eine wichtige Rolle. Auf dem Private Clients Forum 2021 war es Steffen Orben, Geschäftsführer der Deutsche Börse Commodities GmbH, der den Teilnehmern die Argumente ins Gedächtnis rief, die für ein Investment in das Edelmetall sprechen. Die wichtigsten sind sicher die langfristige Wertstabilität und „die Outperformance in Krisen“, wie Orben betonte. Um dies zu belegen, stellte er die Entwicklung der internationalen Aktienmärkte und die Goldpreisentwicklung in zahlreichen Krisen der vergangenen Jahrzehnte gegenüber. Das Ergebnis: In den meisten Fällen verzeichnete Gold erhebliche Wertzuwächse, wenn die Unternehmensbewertungen einbrachen. „Das zeigt, Gold dient der Risikoreduzierung des Gesamtportfolios.“ Und: „Das weltweite Angebot ist begrenzt.“

          Bild: da-kuk/iStock

          Die Blockchain-Technologie revolutioniert die Wirtschaft

          Die Eigenschaft der begrenzten Verfügbarkeit hat das Edelmetall übrigens mit einem anderen Asset gemeinsam, das in den vergangenen Monaten ebenfalls in den Fokus zahlreicher Anleger gerückt ist: dem Bitcoin. Auf dem Private Clients Forum 2021 wurde jedoch weniger die Kryptowährung an sich diskutiert. Stattdessen standen die ihr zugrunde liegende Blockchain-Technologie und deren Einsatzmöglichkeiten im Mittelpunkt des Interesses. „Die Technik wird den Markt grundlegend verändern“, prognostizierte Ludger Wibbeke, der Geschäftsführer der Kapitalverwaltungsgesellschaft HANSAINVEST. „Blockchain ist für uns ein Tool, um Fonds schneller, flexibler und zu niedrigeren Kosten aufzulegen.“
          „Einen enormen Pull aus der Wirtschaft“, beobachtet Tagungsleiter Hans Christian Blum, Global Leiter Private Clients bei der Kanzlei CMS Deutschland. Ludger Wibbeke beschrieb jedoch zugleich das Risiko, dass die deutsche Gesetzgebung mit der technischen Entwicklung nicht Schritt halten kann und Deutschland dadurch im internationalen Vergleich Standortnachteile erleiden könne.

          Bild: Daniel Tadevosyan/iStock

          Nachhaltige Lösungen für die Zukunft

          Ebenfalls ein Zukunftsthema im Kontext der Anlagestrategien von Family Offices ist der Trend hin zu nachhaltigen Investments. Werner Hedrich, Geschäftsführer der Globalance Invest GmbH, verfolgt dabei einen sehr ökonomischen Ansatz, der den Fokus vor allem auf die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen legt. Seine Grundthese, die er vorstellte, beschreibt den Zusammenhang, dass sich das enorme Wachstum seit den 1950er Jahren in einem exponentiell ansteigenden Ressourcenverbrauch widerspiegele, dessen Resultat wiederum die aktuelle Klimakrise sei. Ein Umschwenken der Wirtschaft sei daher unvermeidlich. „Daraus ergeben sich nicht nur hohe Risiken für die Öl- und Gasindustrie. Auch globale Konsumgüterhersteller müssen sich umstellen“, so Hedrich. In einer auf Zukunftsthemen ausgerichteten Anlagestrategie gehe es deshalb darum, die möglichen Verlierer dieses Wandels zu eliminieren und potenzielle Gewinner zu integrieren. Als ein Beispiel für ein zukunftsorientiertes Geschäftsmodell nannte er Impossible Foods aus den Vereinigten Staaten. Das Unternehmen entwickelt pflanzliche Fleisch- und Milch-Substitute ohne Tierbestandteile. „Für einen Burger aus Kunstfleisch werden 75 Prozent weniger Wasser, 87 Prozent CO2 und 95 Prozent weniger Land benötigt als für einen herkömmlichen Burger“, erläuterte Hedrich und fragte provokant: „Ist Ihr Geld noch Teil des Problems oder schon Teil der Lösung?“

          Bild: triloks/iStock

          Vermögensreporting und gesetzliche Änderungen

          Mandanten erwarteten heute neben der rechtlichen und steuerlichen auch eine wirtschaftliche Beratung – ein integriertes Vermögensreporting, betonte Dr. Claudia Klümpen-Neusel, Rechtsanwältin, Steuerberaterin und Gründungspartnerin der gkn Gräfe Klümpen-Neusel Rechtsanwälte Steuerberater PartG mbH. Mit einem digitalen Reporting könnten einmal erfasste Daten für die steuerliche Behandlung genutzt werden, alle Akteure ließen sich miteinander vernetzen, sagte Olaf Bley-Steglich, Head of Investment Controlling bei der FINVIA Family Office GmbH aus Frankfurt. Gerade die steuerliche Behandlung sei ohne digitale Schnittstellen nur mit hohem Aufwand zu bewerkstelligen, ergänzte Christoph Westhoff, Steuerberater und Senior Manager bei gkn.

          Bild: Carmen Fürst-Grüner

          Rechtsanwalt Dr. Tom Offerhaus, Partner und Leiter der Private Clients Service Line bei WTS Deutschland in München, stellte die Chancen und Risiken einiger Gesetzesänderungen und -vorhaben des Jahres dar. Zu den besonders relevanten zählte er die Grundsteuerreform, die Grunderwerbssteuer, das Körperschaftsmodernisierungsgesetz (KöMoG), die Wegzugssteuer und das Gesetz zur Modernisierung des Personengesellschaftsrechts (MoPeG) und verwies auf die Implikationen und den anstehenden Handlungsbedarf.

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          Die schwierige Suche nach einer Nachfolgelösung

          Das eigene Lebenswerk an einen Nachfolger zu übergeben, gehört sicher zu den schwierigsten Entscheidungen, die ein Unternehmer treffen muss. Weil die Übergabe innerhalb der Familie häufig keine Option ist, denken immer mehr Eigentümer über einen Verkauf zur rechten Zeit nach. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Transaktion? Dieser Frage widmete sich Arnd Allert, Geschäftsführer der Allert & Co. GmbH, auf dem Private Clients Forum 2021 und kam zu dem Schluss, dass aktuell aus Verkäufersicht ein grundsätzlich positives Marktumfeld herrsche. Zwar habe der M&A-Markt zu Beginn der Coronakrise einen Einbruch erlitten, jedoch habe er sich sehr schnell auch wieder erholt. „Das vierte Quartal 2020 war schon wieder ein Rekordquartal“, berichtete Allert. Zwar seien die realwirtschaftlichen Unsicherheiten weiterhin hoch, „doch weil so viel Liquidität im Markt verfügbar ist, verzeichnen wir auch hohe Preise.“ So verfüge allein die Private-Equity-Industrie über „Dry Powder“, also nicht investiertes Kapital, das sich auf etwa 2,5 Billionen Euro summiert. „Der Trend geht definitiv wieder in Richtung eines Verkäufermarktes“, sagte Allert.

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          Börsengang als Alternative zum Komplettverkauf

          Eine Alternative zum Komplettverkauf stellt ein Börsengang (IPO) dar. Wann diese Möglichkeit für die Eigner interessant wird, erläuterte Cosimo von Dungern, Leiter Merchant Banking bei der Privatbank Berenberg, auf dem Private Clients Forum 2021. Eine entscheidende Frage dabei sei: „Benötigt das Unternehmen Kapital?“ Werde beispielsweise eine langfristige Wachstumsstory mit hohem Kapitalbedarf angestrebt, sei dies ein Aspekt, der für einen Börsengang spreche. „Handelt es sich hingegen um ein unterlegenes Unternehmen auf einem Konsolidierungsmarkt, ergibt ein IPO eher keinen Sinn.“ Das Gleiche gelte meistens, wenn ein Komplettverkauf des Unternehmens angestrebt werde. Bei einem Teilverkauf an der Börse könnte die Unternehmerfamilie hingegen weiterhin an einer möglichen Wertsteigerung partizipieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die Abwägung sei das Kapitalmarktumfeld. Ein negatives Umfeld spreche natürlich gegen ein IPO. Sind die gesamtwirtschaftlichen Aussichten hingegen positiv, spiegele sich das in insgesamt hohen Bewertungen wieder. Aktuell komme das Niedrigzinsumfeld hinzu, wodurch Aktieninvestments fast alternativlos würden, was dem Markt zusätzlichen Auftrieb verleihe.

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          Vermögenssicherung durch Steuergestaltung

          Weitere entscheidende Aspekte der Nachfolge und Vermögenssicherung sind rechtlicher und steuerlicher Natur. So machte Dr. Gregor Seikel, Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Oppenhoff, in seinen Ausführungen deutlich, dass die optimale Nutzung der Erbschaft- und Schenkungsteuerfreibeträge keine banale Aufgabe ist. Unter anderem stellte er als Gestaltungsbeispiel, das noch zu Lebzeiten eines Menschen mit erheblichem Immobilienvermögen genutzt werden kann, die „Schenkung unter Nießbrauchsvorbehalt“ vor. Auf diese Weise lasse sich die Schenkungsteuer sehr erheblich reduzieren. Als erfolgreiches Instrument der Nachfolge- und Vermögenssicherung stellte Dr. Axel Wenzel, ebenfalls Rechtsanwalt und Partner bei Oppenhoff, die durch Flexibilität geprägte Familiengesellschaft der eher für die Langfristigkeit und des Schutzes vor Gläubigern angelegten Familienstiftung gegenüber.

          Welche Probleme die Corona-Krise hingegen in Bezug auf die Betriebsvermögensbegünstigung bei Erbschaften hervorgerufen hat, das skizzierte Dr. Gerd Seeliger, Rechtsanwalt, Steuerberater und Partner der Wirtschaftskanzlei SKW Schwarz. Wenn durch den wirtschaftlichen Einbruch Voraussetzungen der Begünstigung wie die Beibehaltung bestimmter Lohnsummen nicht eingehalten werden könnten, drohe eine Steuernachforderung. Zudem beschrieb Dr. Seeliger die Vor- und Nachteile der Idee, dass die ältere Generation nach Österreich auswandert, um die dortige Erbschaftsteuerfreiheit zu nutzen. Er gab zu bedenken, dass der gesamte Nachlass unter das deutsche Steuerrecht falle, solange die Kinder in Deutschland leben. Zudem mache eine Verschärfung der Wegzugsbesteuerung ab 2022 den Weg nach Österreich ohnehin unattraktiver.

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          Deutsches Erbbaurecht und Liechtensteiner Stiftung

          Dass sich Erbpachtgrundstücke auch für Stiftungen eignen, stellte Rechtsanwalt Andreas Epple, geschäftsführender Gesellschafter der Heidelberger EPPLE GmbH, beim Private Clients Forum in der Frankfurter Villa Kennedy dar. Die Vorteile gegenüber Vermietung seien vielfältig, der langfristige Zahlungsstrom aus zwei Gründen attraktiv: Erstens sei der Pachtzins automatisch an die Entwicklung der Kaufkraft angeglichen, zweitens steige erfahrungsgemäß auch der Grundstückspreis. Beides resultiert in einer „Verzinsung, Sie auf dem Kapitalmarkt derzeit nicht erreichen können“, sagte Epple.

          Über eine andere Art der Vermögenssicherung sprach Christoph Meyer, Fachanwalt für Steuerrecht und Familienrecht bei SKW Schwarz in München: der „Liechtensteiner Stiftung“. Die Zeiten des Schmuddel-Images der 1970er-Jahre seien vorbei: „Heute ist die Liechtensteiner Stiftung nach EU-Maßstäben steuertransparent“, sagte Meyer. Die Motivation für die Gründung sei allerdings weniger die Reduktion des persönlichen Steuersatzes. Im Vordergrund stünden die Sicherstellung des Unternehmens und des Familienfriedens, aber vor allem die Erbersatzsteuer, die bei der Liechtensteiner Stiftung gänzlich wegfiele, ergänzte Meyer.