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: Wie sich Inflation auf Unternehmen auswirkt

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Die Inflation ist nach Deutschland zurückgekehrt und belastet nicht nur Verbraucher, sondern auch Unternehmen. Nicht jedes Unternehmen kann die gestiegenen Kosten einfach weitergeben. Wie Unternehmen auf die Inflation reagieren können.

          4 Min.

          Wie stark Preise gestiegen sind, spürt der Konsument an der Supermarktkasse ebenso wie der Einkäufer im Unternehmen. Ein Unternehmen, das beispielsweise 1000 Tonnen Aluminium im Monat einkauft, musste dafür im März 2022 etwa 50 Prozent mehr zahlen als noch Ende 2021. Zwar konnte man mit Glück darauf hoffen, beim späteren Verkauf auch die Verkaufspreise erhöhen zu können, doch: „Die Zeit zwischen Ausgabe für den Einkauf und Einnahme durch den Verkauf muss das Unternehmen überbrücken. Entsprechend steigt für diesen Zeitraum der Liquiditätsbedarf. Bei Zahlungszielen von häufig einem Jahr kann das ein erheblicher Kapitalmehrbedarf sein“, erläutert Dr. Alexander Hildner, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft Nord und Ost bei der DZ BANK.

          Roland Weiß, Abteilungsleiter Kapitalmärkte Institutionelle Kunden im Bereich Firmenkunden, DZ BANK AG
          Roland Weiß, Abteilungsleiter Kapitalmärkte Institutionelle Kunden im Bereich Firmenkunden, DZ BANK AG : Bild: DZ BANK

          Nicht jedem Unternehmen gelingt es, die gestiegenen Kosten ohne Nachteile entsprechend an die eigenen Kunden weiterzugeben – schließlich steigen nicht nur direkte Einkaufskosten, sondern ebenfalls (oft verzögert) Personal- und weitere Sachkosten. Dabei ist weniger das Problem, dass Kunden nicht die Ursachen für einen Preisanstieg nachvollziehen und akzeptieren würden, sondern dass die Bestellmenge aufgrund der höheren Kosten sinken könnte. „Einem ‚Global Leader‘ mit einer dominanten Marktposition wird es leichter fallen, Preise anzuheben, als einem kleinen Marktspieler“, erklärt Roland Weiß, Abteilungsleiter Kapitalmärkte Institutionelle Kunden im Bereich Firmenkunden bei der DZ BANK. Erste Auswirkungen der Kaufzurückhaltung oder des Ausweichens auf günstigere Alternativen sind bereits im Handel sichtbar. In anderen Fällen verhindern länger laufende Verträge zu festen Konditionen eine schnelle Anpassung.

          Dr. Alexander Hildner, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft Nord und Ost, DZ BANK AG
          Dr. Alexander Hildner, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft Nord und Ost, DZ BANK AG : Bild: DZ BANK

          Was Unternehmen gegen Inflation unternehmen können

          Wie können Unternehmen also gegensteuern – damit sie selbst nicht zerrieben werden von den Auswirkungen der Inflation und dem gestiegenen Kapitalbedarf?

          • Flexible Preise. Eine erste Option ist die Einführung von sogenannten Preisgleitklauseln. Der Vorteil für beide Seiten: Steigen die Einkaufspreise, steigen auch die Verkaufspreise, dennoch können längerfristige Verträge geschlossen werden. Natürlich wäre es dem Kunden lieber, er könnte mit fixen Preisen kalkulieren, doch wäre ein Ausfall des Lieferanten wegen eines engen Preiskorsetts in aller Regel noch kostspieliger. Darum bemühen sich derzeit viele Unternehmen, diese Preisflexibilität einzuarbeiten. Das gelingt – und gelang in der Vergangenheit bereits – besonders in Bereichen mit einer relativ geringen Wertschöpfungstiefe bei zugleich transparenten Einkaufspreisen: Wer Aluminiumprofile herstellt und verkauft, kann den Aluminiumpreis zur Orientierung heranziehen. Bei komplexeren Produkten ist es hingegen deutlich schwieriger, weshalb Festpreise selbst für längere Fertigstellungszeiträume nicht einfach zu „flexibilisieren“ sind. Hier wird eine offene Kommunikation und manche Verhandlung zwischen den Vertragspartnern notwendig sein.
          • Lagerkapazitäten erweitern. Eine zweite Möglichkeit, die auch wegen der Schwierigkeiten in den Lieferketten wichtig ist, ist der Aufbau von Lagerkapazitäten. Doch auch diese Strategie ist nicht immer einfach umzusetzen: Zum einen sind viele Waren nur begrenzt verfügbar, größere Lagerbestände lassen sich dann nicht schnell realisieren. Zum anderen ist längst nicht ausgemacht, dass die eigenen Einkaufspreise wirklich dauerhaft steigen.
          • Effizienz steigern. Eine dritte Möglichkeit besteht in operativen Maßnahmen, die den Preis senken. Das beginnt bei der Reduzierung von Leistungen wie kleineren Packungsgrößen. Weniger Leistung zum „alten“ Preis kann aber auch Kunden verärgern und sollte daher sehr sensibel angegangen werden. Erfolgversprechender kann die Automatisierung teurer Prozesse sein, indem beispielsweise manuelle Arbeitsschritte durch Roboter ersetzt werden. Diese Strategie verspricht mittel- bis langfristige Einsparungen, verschärft aber den kurzfristigen Kapitalbedarf. Laut einer aktuellen Sonderumfrage der DZ BANK haben mittelständische Unternehmen ihr Investitionsverhalten an die Krisensituation angepasst und setzen verstärkt auf Prozessautomatisierung und mehr Effizienz bei den Kostenstrukturen.
          • Zahlungsziele verändern. Eine naheliegende Möglichkeit, die eigenen Zahlungsziele zu verlängern, die der Kunden aber zu verkürzen, scheinen die meisten dabei bislang nicht zu verfolgen. „Diese Tendenz sehen wir noch gar nicht – und das ist auch wenig erstaunlich“, berichtet Alexander Hildner. „Jeder weiß, dass eine Hypothek zulasten der oft kleineren Vorlieferanten kurzsichtig wäre.“ Denn wenn diese wegen Zahlungsschwierigkeiten ausfielen, wäre der Schaden in Zeiten fragiler Lieferketten enorm.

          Finanzierungsbedarf steigt

          Deutlich wird: Die Inflation führt häufig zu einem erhöhten Finanzierungsbedarf. Und durch die Zinswende nimmt der Handlungsdruck zu. Neben einem Ausbau der Liquidität steht vor allem die Absicherung im Fokus. „Viele Unternehmen gehen auf Nummer sicher“, sagt Roland Weiß von der DZ BANK. „Sie bauen ihre Zins- und Währungsabsicherungen aus, weil sie nicht mit einem schnellen Ende von Inflation und Zinsanstieg rechnen.“ Dabei geht es ihnen laut Weiß vor allem um die Absicherung einer Obergrenze, um nicht durch einen sprunghaften Anstieg oder Abfall aus dem Planungsrahmen zu fallen und eine böse Überraschung zu erleben.

          Die gute Nachricht für die deutschen Unternehmen: Die Banken stehen trotz der Vielzahl an gleichzeitigen Herausforderungen als Finanzierungspartner wie bislang bereit. „Wir nehmen die deutsche Bankenlandschaft hier insgesamt – unser Haus DZ BANK eingeschlossen – als sehr konstruktiv und gut eingespielt wahr“, betont Alexander Hildner, „obwohl – anders als unter Corona – deutlich weniger Kredite mit Risikoentlastung durch die KfW eingesetzt werden.“ Hildner beobachtet dabei, dass zudem Instrumente wie Verbriefung und Factoring verstärkt in den Kundenfokus geraten, um die Mittelbindung im Forderungsbestand zu verbessern. Allerdings sollten Unternehmen berücksichtigen, dass die erhöhte Nachfrage beispielsweise bei Factoringanbietern schnell zu einer längeren Bearbeitungszeit führen kann. Die Empfehlung kann daher nur lauten: frühzeitig aktiv werden und mit dem Finanzierungspartner sprechen. Niemand weiß, wohin bei Inflation und Zinsentwicklung die Reise gehen wird – aber Überraschungen sollte man nicht ausschließen.

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          V.i.S.d.P.: Martin Roth, DZ BANK, Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main

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