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Geldanlage : Kein Patentrezept gegen Negativzinsen

Bild: unsplash

Für die Mehrheit der Finanzinstitute in Deutschland ist es inzwischen gängige Praxis, auf die Sichteinlagen von Firmenkunden Negativzinsen zu erheben. Lösungen, die eine solche Belastung für Mittelständler mindern, ohne die Liquidität aufs Spiel zu setzen, können jedoch mit Risiken verbunden sein.

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          Die Finanzchefs mittelständischer Unternehmen stehen in diesen Zeiten vor einem Dilemma: Auf der einen Seite müssen sie eine hohe Liquidität sicherstellen, damit die Betriebe während und nach der Corona-Krise für alle Risiken gewappnet sind. Andererseits erheben viele Banken auf Sichtguthaben negative Zinsen, die zuweilen ebenso hoch sind wie der Einlagenzins von minus 0,5 Prozent, den die Europäische Zentralbank (EZB) derzeit von den Banken verlangt.

          Banken erheben negative Zinsen bereits seit 2014

          Nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 haben viele Finanzchefs neue Liquiditätspolster gebildet, um für die sich abzeichnende Rezession gerüstet zu sein. Die hohen Liquiditätsbestände führen angesichts des aktuellen Niedrigzinsniveaus und der damit verbundenen Kosten der Bankeinlagen auch für Firmenkunden zunehmend zu Negativzinsen oder sogenannten Verwahrentgelten. Derzeit bezahlen gut zwei Drittel der Mittelständler Negativzinsen auf ihre Bankguthaben. Dies ergab die Studie „Aktuelle Herausforderungen für Finanzentscheider im Mittelstand“, die von F.A.Z. BUSINESS MEDIA | research gemeinsam mit der DZ BANK durchgeführt wurde. Viele Institute begannen bereits 2014, negative Zinsen auf täglich fällige Guthaben zu erheben, nachdem die EZB den Einlagenzins auf minus 0,1 Prozent abgesenkt hatte. Das sind für die Banken Kosten, die sie nicht ignorieren können. „Auch den meisten Mittelständlern ist bewusst, dass nur eine gesunde, starke Bank langfristig und auch in schwierigen Zeiten ein verlässlicher Geschäftspartner sein kann“, berichtet Roland Weiß, Abteilungsleiter Capital Markets Sales der DZ BANK, aus Kundengesprächen. „Dennoch ist es häufig schwer zu akzeptieren, für Sichteinlagen nun Liquiditätskosten statt Liquiditätserträge in der Gewinn- und Verlustrechnung verbuchen zu müssen.“

          Da die Höhe etwaig gewährter Freibeträge sowie des Negativzinssatzes von Bank zu Bank sehr unterschiedlich ausfällt, suchen auch einige Mittelständler im Liquiditätsmanagement bereits nach Alternativen, ihre liquiden Mittel zum Beispiel auch bei einem anderen Kreditinstitut anzulegen. Nur wenige Firmen sind diesen Schritt jedoch tatsächlich gegangen. Denn zum einen bleibt der Zinsvorteil meist nicht lange bestehen. Zum anderen müssen auch die Wettbewerber Konditionen auf lange Sicht anpassen. „Negativzinsen sind für unsere Kunden aber nicht das einzige Kriterium in einer funktionierenden Partnerschaft“, sagt Roland Weiß.

          So gehört zum Liquiditätsmanagement auch die Sicherheit und Stabilität des Bankpartners – beispielsweise in Form einer guten Bonitätsnote führender Ratinggesellschaften. „In guten Zeiten wird dieses Risiko oft vergessen“, so Roland Weiß, der auf das sehr gute A+ Rating der DZ BANK verweist. Gerade in Krisenzeiten ist ein partnerschaftliches Verhältnis wichtig, bei dem sich beide Seiten aufeinander verlassen können. Zielführend ist es, wenn Banken und Mittelständler gemeinsam nach Lösungen suchen: Wie können die Lasten für die Unternehmen gesenkt werden, ohne dass deren Liquidität aufs Spiel gesetzt wird? Hilfreich an dieser Stelle kann schon ein Gespräch zwischen Unternehmen und Bankpartner darüber sein, welche Zusatzgeschäfte geeignet sind, um die Kosten aus Sichteinlagen angemessen zu kompensieren. Devisen- und Zinssicherungen, Wertpapieranlagen bis hin zu Kapitalmarkttransaktionen zur Eigen- und Fremdkapitalbeschaffung bieten hier reichhaltige Ansätze. Hat ein Unternehmen aus seiner Sicht bereits alle Aktivitäten optimal auf seine Bankpartner verteilt, bieten sich noch Produktsubstitute im Liquiditätsmanagement an.

          Überschüssige Liquidität in Fremdwährungen parken

          So haben Unternehmen die Möglichkeit, einen Teil ihrer Liquidität in Fremdwährungen zu parken. Viele deutsche Mittelständler sind stark auf den Weltmarkt ausgerichtet. Sie erzielen regelmäßig hohe Umsätze in Fremdwährungen wie dem amerikanischen Dollar oder dem britischen Pfund – in diesen Währungsräumen sind Strafzinsen bislang kaum bekannt. „Wenn ein Unternehmen bereit ist, sein Geld etwa 30 bis 90 Tage anzulegen, sind beispielsweise in Zweiwährungsanlagen sogar noch Zinserträge von bis ein Prozent möglich“, berichtet Roland Weiß. Bei diesen Anlagen vereinbart der Kunde mit seiner Bank einen bestimmten Wechselkurs, bei dem am Laufzeitende die Fremdwährung in Euro zurückgetauscht (Exporteur) wird, zuzüglich der vereinbarten Kuponzahlung. Bei Fremdwährungsbedarf (Importeur) kann so auch für die Euroeinlage ein positiver Zinskupon generiert werden. Grundvoraussetzung für Zweiwährungsanlagen ist, dass Unternehmen operative Geschäfte in der betreffenden Währung tätigen. „Alles andere wäre Spekulation“, sagt Roland Weiß. Wenn exportorientierte Unternehmen ihre Fremdwährungseinnahmen nicht sofort nach dem Zahlungseingang in Euro umtauschen, kann es für sie sinnvoll sein, zunächst in der Fremdwährung anzulegen, bis sie diese Mittel tatsächlich benötigen. Nach der aktuellen Studie der DZ BANK und F.A.Z. BUSINESS MEDIA | research nutzt bereits jeder vierte Mittelständler Fremdwährungskonten, um Negativzinsen zu vermeiden. Freilich verbleiben bei der Geldanlage in Fremdwährung Wechselkursrisiken, die den Zinsgewinn zunichtemachen können.

          Commercial Papers als mögliche Alternative

          Darüber hinaus können Mittelständler ihre liquiden Mittel in Commercial Papers anlegen. Solche Titel werden gerne von Großunternehmen emittiert, die sich auch kurzfristige Liquidität direkt über den Kapitalmarkt beschaffen können. Damit verbunden ist dann – je nach Rating – , das unterschiedlich hohe Kreditrisiko der Commercial-Papers-Emittenten mit in den eigenen Anlagegrundsätzen festzulegen und zu steuern. Commercial Papers weisen mehrheitlich Laufzeiten von 30 bis 90 Tagen auf, wobei auch Laufzeiten bis zu einem Jahr denkbar sind.

          Investoren müssen bei Commercial Papers in der Regel ein Volumen von mindestens zwei bis drei Millionen Euro anlegen. Dieses Instrument eignet sich deshalb eher für mittelgroße und große Mittelständler. Angesichts des immens hohen Anlagedrucks in den Kapitalmärkten steigt die Nachfrage nach Commercial Papers, sodass auch diese Assetklasse bonitätsabhängig bereits vereinzelt Negativzinsen aufweist. Dennoch gibt es nach wie vor eine deutliche Differenz zu den Zinsen, die Unternehmen alternativ auf kurzfristige Bankeinlagen entrichten müssten.

          Darüber hinaus bestehen weitere Möglichkeiten, um die Belastung durch negative Zinsen zu reduzieren. „Liquiditätsstarke Mittelständler können ihre Gelder auch in Unternehmens-Anleihen parken“, sagt DZ-BANK-Experte Weiß. Allerdings sind bei Corporate Bonds die Fristen bis zur Einlösung der Titel im Allgemeinen schon deutlich länger als bei Commercial Papers. Damit gesellt sich je nach Ausgestaltung des Corporate Bonds neben dem Kreditrisiko gegebenenfalls auch ein erhöhtes Zinsänderungsrisiko.

          Letztlich zeigt sich: Mittelständler, die Negativzinsen vermeiden wollen und die Geschäftsverteilung auf die Partnerbanken bereits optimal allokiert haben, müssen im Liquiditätsmanagement zusätzliche Risikoarten berücksichtigen und im Treasury entsprechende Leitplanken verankern. Sie kommen nicht umhin,  die Frage beantworten, welche Risiken sie bereit sind zu tragen. DZ-BANK-Experte Roland Weiß empfiehlt daher, Liquidität anders zu strukturieren als bisher: „In Ergänzung zur täglich verfügbaren Liquidität lohnt der Blick auf eine Abschichtung der Laufzeiten, die dem operativen Grundgeschäft angepasst ist. Das geht zum Beispiel mit Commercial Papers, Geldmarktfonds, und Corporate Bonds. So können Unternehmen auch in der aktuellen Liquiditätsanlage weiterhin höhere Renditen als die Einlagenfazilität der EZB erwirtschaften – bei gleichzeitiger Risikodiversifikation.“

          Lesen Sie darüber hinaus über die Anlagemöglichkeiten in strukturierte Finanzprodukte.

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