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: Der Weg zu stabileren Lieferketten

  • Aktualisiert am

Bild: Chris Hepburn/iStock

Internationale Konflikte, Corona-Auswirkungen, Nachfragestau, Nachhaltigkeitsanforderungen und Personalmangel belasten Lieferketten deutscher Unternehmen. Höchste Zeit, die eigene Unternehmensfinanzierung daran anzupassen.

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          „Was nützt die beste Effizienz in der Lieferkette, wenn Sie keine Ware liefern können?“, sagt Jörg Hessel, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft Baden-Württemberg bei der DZ BANK. Während jahrelang Lieferketten auf Effizienz getrimmt worden sind, steht nun Resilienz im Mittelpunkt der Lieferkettenstrategie. Die zentrale Frage lautet: „Wie lange kann mich mein Zulieferer noch beliefern?“ Nach Lockdowns und krankheitsbedingten Ausfällen haben geopolitische Konflikte wie der Krieg in der Ukraine sowie Naturkatastrophen und Auswirkungen der Klimakrise die Risiken in Lieferketten offengelegt. Lieferengpässe führen bereits bei rund einem Viertel der von der DZ BANK im Frühjahr 2022 befragten Mittelständler zu unrentablen Geschäftsbereichen.

          Jörg Hessel, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft Baden-Württemberg, DZ BANK
          Jörg Hessel, Bereichsleiter Firmenkundengeschäft Baden-Württemberg, DZ BANK : Bild: DZ BANK

          Lösungen brauchen Zeit – und Kapital

          Die Antworten auf diese Herausforderungen liegen auf der Hand: das Lieferantennetz erweitern und auch regional diversifizieren beziehungsweise näher an die eigene Produktion heranzuholen („Nearshoring“), Lagerbestände aufbauen, die eigene Wertschöpfungskette erweitern und Produkte so konzipieren, dass sie weniger von „exklusiven“ Bauteilen abhängig sind. In der Umsetzung ist es aber nicht so einfach. Auch im dritten Jahr seit Corona-Ausbruch sind viele Unternehmen noch in der Findungsphase, wie ihre Lieferketten künftig aussehen werden.

          Kein Wunder: Alternative Zulieferer müssen identifiziert und auf Qualität und Liefertermintreue überprüft werden. Vor allem die hohen Qualitätsansprüche deutscher Kunden erfordern langwierige Anpassungsschritte, bis die Leistung des Lieferanten passt. Hinzu kommt: Wenn die abgenommene Stückzahl je Lieferant sinkt, verschlechtern sich häufig die Einkaufskonditionen, und auch Transportkosten je Stück steigen tendenziell. Beim „Heimholen“ der Lieferkette, wenn also bevorzugt auf Lieferanten aus Europa gesetzt wird, steigen zudem die Lohnkosten im Vergleich zu Ostasien.

          Auch eine erweiterte Lagerhaltung kostet – mindestens Liquidität, weil ein höherer Betrag für die Überbrückung des Zeitraums zwischen gestiegenen Ausgaben (Einkauf von Rohstoffen und Vorprodukten) bis zu den Einnahmen (Verkauf des fertigen Produkts) benötigt wird als bislang. Zusätzliche Kosten für Lagerflächen fallen da kaum noch ins Gewicht. „Das größere Problem ist jedoch, dass oft genug gar nicht so viel Ware bezogen werden kann wie gewünscht“, sagt Jörg Hessel. Logistikengpässe verschärfen die Lieferschwierigkeiten. Es fehlt an Lagerkapazitäten in den Häfen und an Lkw-Fahrern.

          „Mancher Unternehmer hat darum entschieden, die eigene Wertschöpfungskette auszubauen oder das Produktportfolio umzustellen. Das kann zum Beispiel durch eine Beteiligung an einem Zulieferer geschehen, wodurch sich der Zugriff auf dessen Produkte und Leistungen verbessert“, sagt Hessel. Andere bauen laut Hessel ihre Produkte modularer auf, sodass ein fehlendes Bauteil schneller substituiert werden kann.

          Thomas Arendt, Abteilungsleiter Dokumentäres Auslandsgeschäft, DZ BANK AG
          Thomas Arendt, Abteilungsleiter Dokumentäres Auslandsgeschäft, DZ BANK AG : Bild: DZ BANK

          Jetzt Finanzierung wetterfest machen

          All das ist nicht kurzfristig umzusetzen – und es braucht Kapital. Thomas Arendt, Abteilungsleiter im Bereich Strukturierte Finanzierung der DZ BANK, rät darum dringend, den Dialog mit Finanzierungspartnern zu intensivieren. „In solchen herausfordernden Zeiten sollten Bank und Unternehmen viel miteinander reden, um frühzeitig Bedarf zu identifizieren und Lösungen zu finden.“ DZ BANK-Experte Hessel beobachtet bereits, dass auch bonitätsstarke Unternehmen ihre Kreditlinien in Anspruch nehmen, obwohl sie eigentlich in den vergangenen erfolgreichen Jahren ein solides Kapitalpolster aufgebaut haben. „Working Capital Management ist seit der Lehman-Finanzkrise für Unternehmen sehr wichtig geworden. Jetzt zeigt sich, wie gut es unter Belastung funktioniert.“ Erhöhte Lagerbestände und teils längere Zahlungsziele führen zu einer stärkeren Inanspruchnahme der eigenen Liquidität. Hinzu kommt, dass die Zinswende die bisherigen Finanzierungskonditionen deutlich verändert. Kaum jemand hatte noch Anfang des Jahres mit einem so schnellen, so entschiedenen Kurswechsel in der Zinspolitik gerechnet. Und niemand weiß, wie die Zukunft bei Zinsen und Euro-Kurs aussieht.

          Hessels Rat ist klar: „Jetzt anschauen, wie es um die eigene Zins- und Währungsabsicherung steht!“ Dabei gilt es, fristenkongruent zu finanzieren, damit es nicht beispielsweise unerwartete Liquiditätsengpässe zwischen Zahlungsverpflichtungen und Zahlungseingängen gibt, weil sich bestimmte Lieferungen verzögert haben. Manches erfolgreiche Unternehmen ist genau wegen solcher zwischenzeitlicher Liquiditätsschwierigkeiten in die Insolvenz geraten.

          Für die exportstarken deutschen Unternehmen sind zudem Akkreditive ein wichtiger Baustein für finanzielle Absicherung. „Wir sehen wegen der Schwierigkeiten in den Lieferketten viel Bewegung bei Akkreditiven“, beobachtet Thomas Arendt. „Akkreditive kommen ins Stocken, Laufzeiten werden verlängert. Es könnte sinnvoll sein, den Kreditlinienbedarf situationsbedingt temporär anzupassen, um für den Geschäftsplan ausreichend gerüstet zu sein. Die Anpassungen benötigen etwas Zeit, weshalb rechtzeitige Ansprache Handlungssicherheit geben kann.“

          Faktor Nachhaltigkeit

          Noch ein weiteres Thema fordert derzeit Unternehmen im Bereich Lieferketten: die Nachhaltigkeitsanforderungen durch den Gesetzgeber. Das geplante Lieferkettengesetz der EU würde noch einmal über das deutsche Gesetz hinausgehen. Verpflichtet es zuerst einmal größere Unternehmen, globale Umwelt- und Sozialstandards auch bei ihren Zulieferern zu gewährleisten, dürften zumindest mittelbar auch kleinere Mittelständler die Auswirkungen zu spüren bekommen. Denn obwohl nur ein Prozent der europäischen Unternehmen direkt vom EU-Gesetz betroffen wäre, wird die gesamte Lieferkette transparent. Und die „Großen“ werden darauf dringen, dass alle ihre Zulieferer die Anforderungen erfüllen. Noch ist das EU-Lieferkettengesetz nicht verabschiedet – doch schon jetzt bereiten sich die Unternehmen darauf vor. Denn allen ist klar: Nachhaltigkeitskriterien werden immer stärker von allen Stakeholdern – ob Kunden, Mitarbeiter oder Finanzierungspartner – eingefordert. Unternehmen sollten bei ihrer Arbeit darum auch diesen Aspekt nicht vernachlässigen.

          Änderungen werden Zeit benötigen, die Kosten werden steigen – doch mit einer resilienteren Lieferkette sinken wiederum die Risiken. Mit einer klaren Strategie, konsequenter Umsetzung und im engen Dialog mit dem Finanzierungspartner an der Seite lässt sich die eigene Lieferkette diversifizieren, stärken und an die Herausforderungen der heutigen Zeit anpassen.

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          V.i.S.d.P.: Martin Roth, DZ BANK, Platz der Republik, 60325 Frankfurt am Main

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