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New Work

Values & Culture

Startups, die die Welt verbessern

TEXT: STEFANIE HUTSCHENREUTER

Immer mehr Startups nutzen unternehmerische Methoden, um den sozialen Wandel aktiv voranzutreiben.

Wenn Gemüsegärtner Jan-Felix Thon über das von ihm und seiner Mitstreiterin Eva Köhler entwickelte Startup-Projekt KoLa Leipzig spricht, wirkt er wie ein knallharter Unternehmer. Da fallen Begriffe wie Effizienzsteigerung, Eigenkapital, Businessplan und Finanzierungsmodell. Sobald jedoch die Rede auf den Zweck des geplanten Unternehmens kommt, tritt der Idealist in ihm zutage: „Wir wollen für 5.000 bis 6.000 Menschen in und um Leipzig Gemüse anbauen. Wir wollen zeigen, dass das auch im Kollektiv funktioniert. Klar, mit Strukturen und Verantwortlichkeiten, bestimmten Rollen und Positionen, aber trotzdem demokratisch im Team.“ KoLa steht für Kooperative Landwirtschaft und soll als Genossenschaft nach dem Solidarprinzip organisiert werden. Das bedeutet, der Hof wird nur für die Mitglieder, die sich mit einer Einlage von wenigen hundert Euro an der Genossenschaft beteiligen, erschwingliches und vor allem gesundes Gemüse produzieren. Wer will, kann sich auch beim Anbau selbst oder in Gemeinschaftsprojekten wie dem Bau eines Spielplatzes einbringen. „Die solidarische Landwirtschaft wird oft als Hippie-Spinnerei belächelt. Wir wollen sie aus der Nische rausholen“, so Thon.

Für ihr Projekt haben der Gärtnermeister und die Ingenieurin für ökologische Landwirtschaft ihre Jobs gekündigt und sich um ein Stipendium im Social Impact Lab Leipzig beworben, das ­sozial-innovative Startups unterstützt. Mit Erfolg: Seit März gehören sie zur aktuellen Kohorte im Lab. „Das Stipendium besteht aus einem Platz zum Arbeiten in unserem Coworking-Space, Einzelcoachings in der Geschäftsmodellentwicklung und Fachseminaren zu verschiedenen Themen, angefangen bei Marketing und Vertrieb über Buchhaltung und Rechtsform bis hin zu Steuer und Co.“, erzählt der Leiter des Social Impact Labs Leipzig Konrad Sell.

„Das oberste Kriterium, nach dem wir unsere Stipendiaten auswählen, lautet: Das Unternehmen löst ein soziales oder gesellschaftliches Problem auf innovative Art und Weise. Das Projekt KoLa ist ein Beispiel dafür. Wenn es fliegt, wird es das größte Projekt für soziale Landwirtschaft in Europa sein“,

sagt Sell. Profitmaximierung steht bei diesen Unternehmensgründungen nicht im Vordergrund. Anders als Stiftungen oder karitative Organisationen möchten sie jedoch mit marktwirtschaftlichen Methoden Geld erwirtschaften und nicht auf Spenden oder Fördermittel angewiesen sein.

Finanzielle Hürden

„Wir sind Sozialunternehmer und totale Idealisten“, sagt auch Anne-Sophie Müller, die gemeinsam mit Fabian Höffner und Lukas Binner das Startup Trash Galore ins Leben gerufen hat. Die drei Leipziger sind schon einen Schritt weiter als das KoLa-Team. Auch sie konnten auf Starthilfe durch das Social Impact Lab bauen. Trash Galore heißt so viel wie „Müll in Hülle und Fülle“, was den Kern des innovativen Geschäftsmodells trifft. Die jungen Unternehmer sammeln nach Großveranstaltungen wie Messen, Festivals oder Filmdrehs wiederverwertbare Materialien von Holz über Farb- und Stoffreste bis hin zu Schrauben, Winkeln und anderen Dingen ein und geben diese an soziale und kreative Initiativen weiter. Statt im Container zu landen, kommen die Werkstoffe so einem gemeinnützigen Zweck zugute.

Aus welchen Materialien was entsteht, wird dabei genau dokumentiert und dem Veranstalter zur Verfügung gestellt. „Es geht uns also darum, Großveranstaltern eine Alternative zur klassischen Entsorgung anzubieten, die sie als Corporate-Social-Responsibility-Maßnahme nutzen können“, sagt Anne-Sophie Müller. Das Geschäftsfeld an sich ist schwer einzuordnen. „Beispielsweise wusste auch das Finanz- und Gewerbeamt nicht so genau, ob es uns nun als Entsorger oder doch als Kulturförderer einstufen soll“, erzählt die Jungunternehmerin. Eine Erfahrung, die viele Social Entrepreneurs machen und die gerade in der Anfangszeit für Schwierigkeiten bei der Finanzierung führen kann. Weil sie weder als wirtschaftliche Unternehmen noch als soziale Organisationen eingestuft werden, fallen sie durch das Raster von Förderprogrammen. Kein Wunder, dass über 60 Prozent der befragten Sozialunternehmer in der Studie Deutscher Social Entrepreneurship Monitor 2018 des SEND (Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland) sowohl in der Start- als auch in der Anschlussfinanzierung eine wesentliche Hürde sehen. Das muss aber nicht sein. Häufig fehle den jungen Gründerinnen und Gründern einfach der Überblick und das Wissen, welche Förder- und Finanzierungsinstrumente es überhaupt gibt, zeigt die Erfahrung von Konrad Sell: „Es existiert ein breites Spektrum an Finanzierungsmöglichkeiten, aus denen wir für unsere Stipendiaten die passenden auswählen. Ich habe noch kein Team gesehen, das am Geld gescheitert ist.“ Dr. Mario Geißler, Juniorprofessor für Entrepreneurship in Gründung und Nachfolge an der TU Chemnitz, ist überzeugt davon, dass eine nachhaltige Lösung gesellschaftlicher Probleme am besten durch ein erfolgreiches Geschäftsmodell erreicht wird:

„Man kann sagen, Social Startups sind zum Wachsen verdammt, wenn sie helfen wollen.“

Leider würden Social Startups aber ab und an nicht ernst genommen. Dabei würden sie einen enormen nachhaltigen Mehrwert generieren – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich betrachtet, so Geißler.

Die Suche nach Arbeit mit Sinn

Social Startups liegen im Trend. Beim vom Bundesverband Deutsche Startups e. V. durchgeführten Deutschen Startup Monitor 2018 gaben über 32 Prozent der befragten Gründer an, dass sie sich selbst dem Bereich „Green Economy“ oder „Social Entrepreneurship“ zuordnen würden. Sie geben ihrer Arbeit einen übergeordneten Sinn, wie auch Anne-Sophie Müller, die sich nichts Schöneres vorstellen kann, „als einen Job zu machen, der meine Ideale befriedigt und für den ich brenne, weil ich daran glaube, dass man damit etwas verändern kann. Das fühlt sich nicht wie Arbeiten an.“
Der Hirnforscher und Bestsellerautor Dr. Gerald Hüther sieht in dieser Haltung ein tiefergreifendes Entwicklungsprinzip: „Die jüngere Generation spürt, dass die kurzfristigen Lösungen der Vorgängergenerationen – Karriere zu machen, Geld zu verdienen und ein Haus zu bauen – auf dem übergeordneten System irrsinnig viel Durcheinander erzeugt. Das geht beim Artensterben los und hört beim Klimawandel auf. Die jungen Leute spüren auch, dass es nicht so gut für alle ist, wenn sie ein Unternehmen gründen, was nur dazu dient, Geld auf Kosten anderer zu machen.“ Seine Schlussfolgerung:

„Die Anzahl derer, die nach vorne schauen und erkennen, dass wir nur im Einklang mit anderen und mit der Natur leben können, wird immer größer. Sie betrachten den Sinn des Lebens dann als etwas, das über das Persönliche hinausgeht.“

Und darin deute sich eine große gesellschaftliche Transformation an.

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Die Zukunft der Arbeit

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Quelle: New Work

Veröffentlicht: 09.10.2019 14:15 Uhr