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New Work

Values & Culture

Frau taucht im Wasser

Neue Arbeitswelt
Wir haben die Freiheit

TEXT: BIRK GRÜLING

Die Digitalisierung verändert nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch die Art und Weise, wie wir arbeiten. Ein Wandel mit großen Herausforderungen und großen Chancen.

Frithjof Bergmann, der Schöpfer der neuen Arbeitswelt, ist in Würde ergraut. Ein weißer, struppiger Bart rahmt sein furchiges Gesicht. Die tiefen Falten sind die Spuren eines bewegten Lebens. Seine Stimme klingt zwar brüchig, gehört wird er aber trotzdem. Seit sich immer mehr Menschen Gedanken um den Wert von Arbeit machen, sind die Ideen des Philosophen mit sächsischen Wurzeln äußerst gefragt. Seit über 40 Jahren ist die Zukunft der Arbeit sein Thema. Seine Forderung: Der Mensch soll sich nicht länger der Arbeit unterwerfen, sondern nach einer Tätigkeit suchen, die ihn wirklich erfüllt. Geprägt ist diese Überzeugung von den Massenentlassungen bei General Motors Ende der 70er Jahre. Damals verdrängt die aufkommende Automatisierung Menschen aus der Fabrik. Bergmann hat eine Idee: Statt die Leute zu entlassen, soll die Arbeit aufgeteilt werden. Jeder geht sechs Monate in die Fabrik und widmet sich die restlichen sechs Monate seiner Leidenschaft. Die Geschichte von dem Mechaniker, der ein erfolgreiches Yoga-Studio eröffnete und nicht mehr an die Produktionsstraße zurückkehrte, erzählt Bergmann bis heute.

„Mit Müßiggang und Spaß darf man die Frage nach dem Sinn von Arbeit nicht verwechseln. Es geht vielmehr darum, herauszufinden, wie man arbeiten möchte und was einen wirklich erfüllt“,

betont Christoph Magnussen. Der Gründer und Technologie-Experte besuchte Bergmann für seinen „On The Way To New Work“-Podcast in den Vereinigten Staaten. Aus seiner Sicht haben die Thesen des 89-Jährigen wenig an Aktualität verloren. Ganz im Gegenteil: Durch neue Technologien und gewandelte Werte ist die Abkehr von traditionellen Regeln der Arbeitswelt greifbarer denn je.

Ideen statt Hierarchien

Regulierte Arbeitsstrukturen, starre Hierarchien, eine 9-to-5-Präsenz-Kultur werden immer mehr zu Relikten. Bereits über die Hälfte aller Arbeitnehmer in Deutschland können dank Cloud-Anwendungen, Smartphone und Laptop flexibel und unabhängig von Ort und Zeit arbeiten – Tendenz steigend. „Nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren zu müssen, sich die Arbeit flexibel einzuteilen, darin liegt großes Potential für mehr Freiheit und Selbstbestimmung“, sagt Magnussen. Dem Chef könne es schließlich egal sein, wo die Arbeit erbracht wird. Hauptsache, das Ergebnis stimmt und die Kollegen werden nicht in ihrer Freiheit und Arbeitsgestaltung behindert. Er weiß, wovon er spricht. Sein Unternehmen Blackboat hilft anderen Unternehmen dabei, die neuen technologischen Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu nutzen. Sein Team kann sich den Arbeitsort selbst aussuchen, die Zeiten frei einteilen. Viele Projekte laufen ohne Schulterblick des vielbeschäftigten Chefs. Vertrauen wird großgeschrieben, eigenverantwortliches Arbeiten und eigene Ideen bewusst gefördert.

Damit ist Blackboat in guter Gesellschaft. Gemeinsam mit anderen New-Work-Pionieren wie dem Berliner Kondom-Startup Einhorn oder der Hamburger PR-Agentur Elbdudler stellen sie weit mehr als nur die Präsenzkultur in Frage. So treten zum Beispiel immer häufiger Ideen an die Stelle von Hierarchien. Aus gutem Grund: Projekte werden komplexer und erfordern die Zusammenarbeit von verschiedenen Experten. Jeder kann und muss hierbei Verantwortung übernehmen. Damit nicht genug: Sogar Gehälter oder Urlaub werden im Konsens verhandelt. Natürlich sind das weitgreifende Beispiele, die sich bei Startups schneller umsetzen als in einem Dax-Konzern. Trotzdem interessieren sich auch immer mehr große Unternehmen für Erfahrungen der New-Work-Pioniere. „Es besteht natürlich keine New-Work-Pflicht. Ich kann als Unternehmen auch weiterhin auf die Präsenzkultur bestehen, solange ich meine Haltung transparent mache“, sagt Magnussen. Die Frage sei eher, wie zukünftige Mitarbeiter darauf reagieren. Immerhin sind die Unternehmen und die Technologie längst nicht die einzigen Treiber der New-Work-Bewegung.

Agile Arbeitsmethoden im Test

Bertolt Meyer, Professor für Organisationspsychologie an der Technischen Universität Chemnitz, beobachtet einen Wertewandel in der Arbeitswelt. „Immer weniger Menschen sind bereit, ihr Leben komplett der Arbeit unterzuordnen. Der Sinn von Arbeit wird wichtiger“, sagt er. Dazu gehört auch der Wunsch nach Mitbestimmung und Autonomie bei der Arbeitsgestaltung. Ein Beispiel dafür sind die letzten Tarifverhandlungen der IG Metall. Gestreikt wurde nicht (nur) für mehr Lohn, sondern auch für das Recht, weniger arbeiten zu dürfen. Und damit finden sie Gehör.

Angetrieben durch den Fachkräftemangel, stellen sich immer mehr Arbeitgeber auf die neuen Ansprüche ein und proben eine neue Arbeitskultur. Ein Beispiel dafür ist die „Future Work“-Initiative von Otto. Der Konzern teilte seine Hamburger Räumlichkeiten in drei Kategorien auf – Ruhearbeitsräume für fokussiertes Arbeiten, Projektflächen für den Austausch mit Kollegen und Kreativräume, bei denen sich Wände beschriften lassen. Sämtliche Arbeitsprozesse wurden in die Cloud ausgelagert, so dass jeder Mitarbeiter von überall an gemeinsamen Dokumenten arbeiten kann. Darüber hinaus wird viel an der New-Work-Kultur und dem „Mindset“ der Mitarbeiter und Führungskräfte gearbeitet – mit Workshops, eigenem New-Work-Magazin und Feedback-Runden. Aus gutem Grund: Mit über Jahrzehnte gewachsenen Vorstellungen zu brechen ist gar nicht so leicht. Deshalb holen sich viele Unternehmen Unterstützung von außen. Avilox aus Leipzig ist eine auf New Work spezialisierte Consulting-Agentur, die vor allem mittelständische Unternehmen bei neuen Wegen der Zusammenarbeit berät. „Neue Arbeitsformen brauchen Zeit und Transparenz. Auch Reibungen sind dabei normal“, sagt Berater Konstantin Gerlach. Mehr Autonomie am Arbeitsplatz ist für viele Mitarbeiter erst mal eine Herausforderung. Disziplin und Selbstorganisation werden wichtiger, genau wie der Austausch untereinander und die Transparenz von Entscheidungen. Ein Beispiel: Arbeiten Menschen mit unterschiedlichen Arbeitszeitmodellen – Homeoffice oder Teilzeit – in einem selbstorganisierten Team zusammen, sind mehr Absprachen für die Zusammenarbeit nötig – über Termine für Videokonferenzen, passende Kommunikationstools, das Bereitstellen von Informationen und Dokumenten per Cloud.

„Jeder muss für sich selbst herausfinden, wie er am besten arbeiten kann – eher im Homeoffice oder doch lieber im Büro. Zusätzlich muss er Rücksicht auf die Freiheiten der anderen nehmen und passende Kompromisse finden“,

erklärt er. Beim Finden einer gemeinsamen Arbeitskultur ist das Try-and-Error-Prinzip sehr wichtig. Deshalb arbeiten die Avilox-Berater oft mit „Testballons“. Einzelne Abteilungen oder Teams probieren agile Arbeitsmethoden im ersten Schritt aus. Am Ende teilen sie die Erfahrungen aus dem New-Work-Labor mit den Kollegen. Erst danach wird über größere Maßnahmen für das gesamte Unternehmen beraten. So vergehen oft viele Monate des Ausprobieres. „Für grundlegende Veränderungen der Arbeitskultur braucht es oft sogar Jahre, gerade bei sehr traditionsreichen Unternehmen“, sagt Gerlach.

Psychischer Druck nimmt zu

Zu Reibungen kommt es vor allem dann, wenn New-Work-Möglichkeiten auf alte Werte der Arbeitswelt treffen. Jahrzehntelang standen Mitarbeiter den Firmen zu festen Zeiten zur Verfügung. Privatleben und Familie wurden bereitwillig der Arbeit untergeordnet. Diese Ansprüche übertragen sich oft auf die digitale Verfügbarkeit. Plötzlich wurde erwartet, auch spätabends oder am ­Wochenende Mails zu beantworten oder an Projekten zu arbeiten. „Wenn Privatleben und Arbeit ständig konkurrieren, steigt der psychische Druck. Ich kann vielleicht Homeoffice machen, trotzdem gehe ich mit dem schlechten Gefühl ins Bett, mehr arbeiten zu müssen“, erklärt Bertolt Meyer. Die Folge seien nicht selten Stresssymptome und psychische Erkrankungen. So verdoppelte sich in den letzten zehn Jahren die Zahl der Krankentage wegen psychischer Probleme. Dadurch entstehen der Wirtschaft Ausfallkosten von jährlich 33,9 Milliarden Euro. Verantwortung sieht der Psychologe vor allem bei den Unternehmen.

„New Work bedeutet auch, mehr in die Gesundheitsprävention zu investieren. Nur gesund können die Menschen lange und erfüllt arbeiten“,

sagt er. Dazu gehöre eben auch, Wege aus einer digitalen Dauerkommunikation und der ständigen Erreichbarkeit zu finden.

Zeiterfassung bald Pflicht?

Laut eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs müssen Arbeitgeber in der Europäischen Union bald die Arbeitszeit ihrer Mitarbeiter erfassen. Geklagt hatte eine spanische Gewerkschaft, die eine Tochter der Deutschen Bank zu einem Erfassungssystem für die Arbeitszeiten verpflichten wollte. Die Richter des EuGH gaben ihr recht und formulierten gleich eine Vorgabe an alle EU-Mitgliedsstaaten. Gewerkschaften begrüßen das Urteil als wichtigen Schritt für mehr Schutz für den Arbeitnehmer. Kritik kommt dagegen von Unternehmen. Sie sehen darin eine Gefahr für flexible Arbeitszeitmodelle und das Ende der Vertrauensarbeitszeit. 

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Die Zukunft der Arbeit

Womit wollen wir wirklich die Zeit verbringen, die wir haben? Um schon heute Beispiele für die Arbeitswelt der Zukunft zu finden, muss der Blick übrigens nicht über den großen Teich ins Silicon Valley wandern – auch hierzulande erproben Startups wie etablierte Unternehmen die vielfältigsten Arbeitsformen. Dazu haben wir Beispiele aus dem Bundesland Sachsen zu den Themen Values & Culture, Technology & Tools und Environment & Workspaces für Sie zusammen gestellt. Lassen Sie sich gleich jetzt inspirieren oder bestellen Sie das Magazin zu Ihnen nach Hause.

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Quelle: New Work

Veröffentlicht: 09.10.2019 14:15 Uhr