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Die zwei
Gesichter der
Digitalisierung

TEXT: HAJO HOFFMANN

Mit Macht erfasst der digitale Wandel alle Lebensbereiche. Auch der Arbeitsmarkt wird sich massiv verändern. Wissenschaftler rechnen zwar insgesamt mit einem kleinen Plus an Beschäftigung – aber es wird Gewinner und Verlierer geben.

Müssen wir alle um unsere Arbeit zittern, weil Kollege Computer sie uns nach und nach wegnimmt? Alarmierende Nachrichten schüren immer wieder solche Ängste. Dass sich die Digitalisierung als jobfressendes Monster entpuppen könnte, ließ vor gut fünf Jahren eine Studie von Carl Benedikt Frey und Michael Osborne zum US-amerikanischen Arbeitsmarkt befürchten. Fast die Hälfte der Stellen könnte innerhalb der nächsten 20 Jahre automatisiert werden, so das Ergebnis. „Jeder Zehnte bald arbeitslos“ lautete eine Schlagzeile im vergangenen Jahr, die sich auf eine Umfrage des Digitalbranchenverbands Bitkom berief – ein Fehlalarm aufgrund einer falschen Interpretation, sagt der Verband. Ermittelt worden sei lediglich, wie viele Stellen durch Digitalisierung bedroht sein könnten, falls von Wirtschaft und Politik nicht reagiert werde. Auch das Ergebnis der amerikanischen Studie relativiert sich bei näherem Hinsehen erheblich: Die Entstehung neuer Jobs war da nicht berücksichtigt.

„Der Volkswirtschaft insgesamt geht die Arbeit nicht aus“, bringt Melanie Arntz eine zentrale Erkenntnis aktueller Forschung auf den Punkt. Die Wissenschaftlerin zählt zu dem Team am Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim, das wesentlich dazu beigetragen hat, aus einigen Alarmmeldungen der vergangenen Jahre die Luft rauszulassen. Schon 2015 hatte ihr Institut die These von der massiven Bedrohung durch Automatisierung unter die Lupe genommen und einen präziseren methodischen Ansatz gewählt – denn ein Job könne nicht einfach komplett als gefährdet oder nicht gefährdet bezeichnet werden, wie die Arbeitsmarktforscherin erläutert. Vielmehr bestehe er aus vielfältigen Tätigkeiten über den Tag hinweg, die sich in unterschiedlichem Grad automatisieren lassen. So ermittelten die Mannheimer Forscher, dass nicht für fast die Hälfte, sondern für nur neun Prozent der amerikanischen und zwölf Prozent der deutschen Arbeitsplätze die Wahrscheinlichkeit der Automatisierung hoch ist.

Statistisch Entwarnung, Alarmstufe gelb aus persönlicher Sicht

Im vergangenen Jahr hat das ZEW in einer großen Erhebung noch mal nachgefasst, dafür unter anderem gemeinsam mit dem Nürnberger Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Führungskräfte in über 2.000 deutschen Produktions- und Dienstleistungsbetrieben befragt. Das Ergebnis zeigt, dass sich die Digitalisierung unterm Strich leicht positiv auf die Beschäftigung auswirkt, aber der Arbeitsmarkt wird sich – gewissermaßen unter dem Deckel dieser statistischen Erkenntnis – erheblich wandeln. Entwarnung also aus statistischer Sicht, aber immerhin noch Alarmstufe Gelb aus persönlicher Perspektive. Die Studie fasst das so zusammen: „Hinter den kleinen Nettoeffekten stehen große Struktureffekte.“ Im Rückblick auf die vergangenen fünf Jahre zeige sich, dass neue Technologien zwar durchaus Arbeitskräfte ersetzt hätten – andererseits hätten die Investitionen aber die Nachfrage erhöht, was insgesamt zu positiven Beschäftigungseffekten geführt habe, wie die Forscherin erläutert. Das Szenario des Mannheimer Forschungsteams bis 2021: Durch Technologieinvestitionen wächst die Gesamtbeschäftigung um jährlich 0,4 Prozent, damit verbunden sind steigende Löhne und eine sinkende Arbeitslosenquote.

Was einzelne Berufsbilder betrifft, laufen Routinetätigkeiten am ehesten Gefahr, von Programmen und Maschinen gekapert zu werden – das betrifft nicht nur manuelle Jobs, die in den Fabrikhallen sowieso meist schon von Robotern erledigt werden, sondern auch Bürotätigkeiten, etwa die Aufgaben von Sachbearbeitern und Buchhaltern. Sobald aber interaktive und analytische Elemente hinzukommen, lässt sich der humane Faktor nicht mehr so einfach durch Maschinen ersetzen. Beispiele hierfür wären Friseure, Lkw-Fahrer – Arntz schränkt ein: solange die Lastwagen nicht autonom fahren –, Kellner, ebenso aber auch Manager, Ärzte oder Juristen. Sobald etwas aus dem Raster fällt, tun sich Roboter und Softwarelösungen schwer.

Aufgefallen ist den Mannheimer Forschern auch eine „wachsende technologische Kluft in der deutschen Betriebslandschaft“, wie es in der Studie heißt. Manche Unternehmen mischten bei der Digitalisierung ganz vorne mit, andere zeigten kaum Interesse daran. Zu den Forderungen der Experten an die Politik zählt denn auch, neue Technologien zu fördern – und Engpässen bei Fachkräften durch Bildung und Weiterbildung vorzubeugen.

 

„Robotermarkt wächst gigantisch“

Wie könnten Arbeitsplatze der Zukunft aussehen? Gewissermaßen einen Blick in die Glaskugel erlaubt das Dresdener Startup Wandelbots. Das Unternehmen bringt Robotern das Arbeiten bei: Sensoren in „intelligenter Kleidung“ wie Jacken oder Handschuhen vermessen die Körperbewegung eines menschlichen Trainers, beispielsweise beim Lackieren von Metallteilen oder Eindrehen von Schrauben. Oder gleich beim Einbau eines Lautsprechers in eine Autotür, wie das jüngst VW-Vorstandschef Herbert Diess auf einer Messe vorgeführt hat. Denn das Startup hat den Autokonzern bereits als Kunden gewonnen. Die Sensoren geben die Daten an die KI-getriebene Software weiter, die dann ein optimiertes Programm für Roboter beliebiger Hersteller erzeugt. Ein Startup als Jobkiller? Ganz im Gegenteil. Denn der globale Markt für Roboter „wächst gigantisch“, wie Christian Piechnick, einer der Gründer von Wandelbots, erläutert – „allein 2017 um 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr“. Andererseits herrsche ein eklatanter Mangel an Programmierern, was die Preise für den Einsatz von Robotern nach oben treibe.

„Unser Produkt ermöglicht jedem Menschen unabhängig vom Hintergrund, jeden beliebigen Industrieroboter zu programmieren“,

sagt der Informatiker. Ein völlig neues Berufsbild könnte entstehen, das des Robotertrainers. Für Uwe Aßmann geht diese Geschäftsidee genau in die richtige Richtung. Er ist Professor für Informatik an der Technischen Universität Dresden und Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Hightech-Unternehmensnetzwerks Silicon Saxony. Für ihn liegt ein ganz wesentlicher Faktor für erfolgreiches Wirtschaften in Zeiten des technologischen Wandels darin, „dass sich Fachexperten durch Weiterbildung ‚digitalisieren‘, damit sie komplexe Software bedienen und konfigurieren können“. Dabei gehe es nicht nur ums Programmieren, sondern um Anpassung und Anwendung der digitalen Werkzeuge.

In einem Punkt sind sich die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsexperten einig: Die Uhr lässt sich nicht auf analoge Zeiten zurückdrehen, an einer Anwendung neuer Technologien führt kein Weg vorbei. Der Computerwissenschaftler Frank Schönefeld, Vorstand von Silicon Saxony und Mitglied der Geschäftsleitung bei T-Systems MMS in Dresden, veranschaulicht dies anhand eines Beispiels: „Mit Hilfe von künstlicher Intelligenz kann ich bei der Überwachung von Prozessen gezielt nach Unregelmäßigkeiten in großen Datenmengen suchen – und so etwa einen Cyberangriff entdecken, einen übermäßigen Datenfluss oder eine auffällige Verlangsamung. Verzichte ich als Dienstleister auf KI, merkt ein Kunde irgendwann, dass es bei einem meiner Wettbewerber zu viel weniger Ausfällen kommt. Wenn ich nicht mit der Technologie arbeite – der Wettbewerber macht’s.“ Digitalisierung als Bedrohung für Beschäftigung?

„Ich kann nur mit Digitalisierung wettbewerbsfähig bleiben, so simpel ist die Antwort.“

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Quelle: New Work

Veröffentlicht: 09.10.2019 14:15 Uhr