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New Work

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Das Spezial zur Zukunft der Arbeit

Die Digitalisierung verändert unsere Arbeitswelt rasant und grundlegend. Statt traditioneller Statussymbole wünschen sich Mitarbeiter mehr Mitbestimmung und Autonomie, mehr Freiraum für Kreativität und Innovation. Das Spezial „New Work“ wirft einen facettenreichen Blick auf die Arbeit von morgen und macht vor allem eines – Mut für den Wandel.

Values & Culture

Unser Verhältnis zur Arbeit verändert sich. Gerade Young Professionals wollen ihr Leben nicht mehr der Arbeit unterordnen und fragen stärker nach ihrem Sinn. Ein Indiz dafür: Traditionelle Statussymbole wie Dienstwagen oder Einzelbüros rücken in den Hintergrund. Stattdessen wünschen sich Mitarbeiter mehr Mitbestimmung und Autonomie bei der Arbeitsgestaltung – sei es durch Gleitzeit, Homeoffice oder Auszeiten. Die Unternehmen tun gut daran, sich auf diesen Wandel einzulassen, jedenfalls wenn sie eine Chance im Kampf um die besten Köpfe haben wollen.

Braucht es in einer Welt nach der Digitalisierung ein bedingungsloses Grundeinkommen?

„Ja. Spätestens wenn aufgrund der Digitalisierung ein Heer von Clickworkern, also Menschen ohne Festanstellung, Projekte realisieren, braucht es eine Basisfinanzierung für jeden Bürger. Leider sind unsere Politiker überwiegend der Meinung, dass Menschen nur dann ein Recht auf ein Einkommen haben, wenn sie einer steuerpflichtigen Erwerbsarbeit nachgehen.“

Unternehmer Prof. Götz W. Werner gründete 1973 die Drogeriemarkt-Kette dm mit heute rund 3.500 Filialen in zwölf europäischen Ländern.

Technology & Tools

Die Digitalisierung wird unsere Arbeitswelt grundlegend verändern. Alte Jobs werden überflüssig, neue entstehen. Flexibilität und Lernbereitschaft entwickeln sich zu Kernkompetenzen in einer Welt, in der Produkte und Dienstleistungen ständig weiterentwickelt und angepasst werden. Eine Vielfalt von Business-Tools unterstützt schon heute im Arbeitsalltag. Smarte Lernsysteme stellen Wissen direkt im Arbeitsprozess zur Verfügung und Online-Recruiting-Lösungen erleichtern es Unternehmen, nach begehrten Fachkräften zu suchen.

Ist die
E-Mail tot?

„Ganz im Gegenteil, die E-Mail ist auf einem Siegeszug. Das Datenvolumen steigt, und sie ist am Arbeitsplatz weiterhin das Kommunikationsmittel erster Wahl. Im privaten Bereich bekommt sie sicher Konkurrenz von Messengern wie WhatsApp. In der offiziellen Kommunikation müssen sich neue Tools wie Slack aber erst noch beweisen.“

Sven Engesser ist Professor für Kommunikations-wissenschaft mit dem Schwerpunkt Wissenschafts- und Technikkommunikation an der TU Dresden.

Environment & Workspace

Zu den Grundprinzipien von New Work gehört es, dass Arbeit Spaß machen muss. Der Mitarbeiter soll sich wohlfühlen. Nur so ist kreatives und innovatives Arbeiten überhaupt möglich. Daher verwandeln sich langweilige Büros zunehmend in bunte und vielfältige Arbeitswelten, die sich vielleicht schon in naher Zukunft individuell auf jeden Mitarbeiter einstellen können – ganz automatisch.

Braucht künftig jedes Büro Hängematten und Spielwiese?

„Einen Berg erklimmen oder abhängen – beides sollte in unserem Arbeitsalltag möglich sein. Bei beidem wirkt nichts unmittelbarer als der umgebende Raum: Er beeinflusst alles, immer und überall – nicht nur Wohlbefinden und Motivation, sondern auch Strukturen und Prozesse. Deshalb sollte er zum Perspektivwechsel einladen.“

Malte Tschörtner ist Architekt und Geschäftsführer der Münchener CSMM GmbH, die den German Design Award 2019 für ihre Bürogestaltung gewonnen hat.

New Work

New Work Kampagnenmotiv

Die Zukunft der Arbeit

Wie werden wir morgen arbeiten? Das digitale Zeitalter wird vieles grundlegend verändern. Dass das mitunter ein Kraftakt ist, zeigt sich an einigen Stellen: Etablierte Unternehmenskulturen, die sich jahrzehntelang bewährt haben, gilt es nun im Sinne der neuen Ansätze weiterzuentwickeln und das Maß an Veränderungsfähigkeit, das dabei von jedem Einzelnen verlangt wird, mag im ersten Augenblick überfordern.

Grund genug also, um mit dem Magazin „New Work“ Mut zu machen und zum Ausprobieren und Mitgestalten anzuregen. Um schon heute Beispiele für die Arbeitswelt der Zukunft zu finden, muss der Blick übrigens nicht über den großen Teich ins Silicon Valley wandern – auch hierzulande werden die vielfältigsten Arbeitsformen erprobt. Da sind zum Beispiel Startups, die mit ihren sozial-innovativen Ideen die Welt verändern möchten, oder Unternehmen, die neue Wege beim Büro der Zukunft gehen. Und immer wieder stecken spannende Persönlichkeiten dahinter, die den Mut haben, sich selbst zu hinterfragen.

Eine Content Marketing-Lösung der F.A.Z. Media Solutions Manufaktur.

New-Work Trends
im Überblick

Agility

Die Digitalisierung beschleunigt Innovationsprozesse, Technologie- und Produktzyklen verkürzen sich immer mehr. Diese Dynamik stellt Unternehmen vor eine große Herausforderung: Sie müssen immer schneller auf komplexe Veränderungen reagieren. Doch die Reaktion allein genügt nicht. Wer erfolgreich sein will, muss den Wandel aktiv gestalten. Nur so lässt sich die eigene Marktposition langfristig sichern. Agility beschreibt aber nicht nur die Fähigkeit, Veränderungen positiv zu nutzen, sondern auch die Stabilität des Unternehmens als Absicherung des Wandels.

Coopetition

Bei der Suche nach Antworten auf die dringlichen Fragen unserer Zeit ist Zusammenarbeit gefragt, kein Konkurrenzkampf. Die Idee der Coopetition bedeutet deshalb noch etwas mehr als reine Kooperation. Sie beschreibt die Zusammenarbeit von eigentlichen Wettbewerbern, wenn auch nur für eine gewisse Zeit. Der Vorteil: Mit vereinten Kräften lässt sich oft mehr erreichen als im Konkurrenzkampf um Marktanteile. Ein aktuelles Beispiel für Coopetition ist die Zusammenarbeit von großen Banken mit digitalen Fintech-Unternehmen, die mit modernen und benutzerfreundlichen Finanz-Services vor allem bei jungen Kunden punkten.

Digital Literacy

Das Buzzword Digital Literacy könnte man einfach mit „digitalen Kenntnissen“ übersetzen. Es beschreibt unsere Fähigkeit, sich selbstbestimmt, sicher und kritisch mit den Herausforderungen der Digitalisierung auseinanderzusetzen. Für Unternehmen und ihre Mitarbeiter ist diese Digitalkompetenz von unschätzbarem Wert. Zum Beispiel, wenn es darum geht, den „Information Overflow“ am Arbeitsplatz zu kanalisieren oder neue Wege der Kommunikation zwischen Teams und Abteilungen zu schaffen.

Holacracy

An die Stelle von klassischen Hierarchien treten bei der Holacracy gute Argumente und Ideen. Wichtige Entscheidungen werden gemeinsam getroffen, Verantwortung auf viele Schultern verteilt. Dieser Ansatz passt gut in die Zeit. Immerhin wächst bei vielen Mitarbeitern der Wunsch nach mehr Mitbestimmung und Autonomie bei der Arbeitsgestaltung. Doch die neue Freiheit erfordert auch mehr Disziplin und Selbstorganisation. Der Austausch untereinander und die Transparenz von Entscheidungen in einem Unternehmen werden wichtiger.

Purpose

Der Sinn von Arbeit ist ein wichtiges Thema der New-Work-Bewegung. Die Frage nach dem Purpose stellt sich für Mitarbeiter und Unternehmen gleichermaßen. Daniel Pink, ehemaliger WIRED-Chefredakteur und Al Gore-Vertrauter, regt in seinem Buch „Drive: The Surprising Truth What Really Motivates Us“ an, den Gewinn von Unternehmen als Katalysator zu sehen und nicht als eigentliche Zielsetzung. Auch gewinnorientierte Unternehmen sollten also nach einem sinnvollen Beitrag für die Gesellschaft streben – zum Beispiel durch eine nachhaltige Produktion oder soziales Engagement.

Diversity

Der Umgang mit Vielfalt ist eine große Herausforderung für Unternehmen – dabei geht es längst nicht nur um Alter, Geschlecht oder Herkunft, sondern auch um soziale Prägungen, Interessen oder Qualifikationen. Wer die unterschiedlichen Fähigkeiten und Prägungen seiner Mitarbeiter nutzt, erhöht die Innovationsfähigkeit des Unternehmens und verbessert das Betriebsklima und die Position auf dem Arbeitsmarkt. Die Ansätze dafür können ganz unterschiedlich sein: von der Unterstützung für junge Eltern durch flexible Arbeitszeiten oder Kinderbetreuung, die Förderung von weiblichen Karrieren bis zu Boarding-Programmen für Young Professionals aus dem Ausland.

Permanent Beta

Der Prozess der Produktentwicklung wandelt sich grundsätzlich. Das fertige Produkt, das viele Jahre am Markt verkauft wird, stirbt aus. An seine Stelle treten eine ständige Weiterentwicklung und eine hohe Individualisierung von Produkten und Dienstleistungen. Möglich wird das durch vernetzte Produktionen und Entwicklungsprozesse, an denen immer mehr Menschen und ihre Ideen beteiligt sind – Kunden, Zulieferer, Industriepartner. In diesem Zusammenhang spricht man auch von Open Innovation.

Work-Life-Blending

Der moderne Wissensarbeiter muss nicht mehr jeden Tag von 9-to-5 ins Büro gehen und am Schreibtisch sitzen. Einerseits ist mehr Selbstbestimmung und Souveränität über die eigene Arbeitszeit wünschenswert, andererseits steigt mit der Freiheit oft auch der Stress – durch ständige Erreichbarkeit und digitale Dauerkommunikation. Die Grenzen zwischen Freizeit und Beruf verwischen zusehends. Work-Life-Blending beschreibt deshalb die wichtige Suche nach einer neuen, sehr individuellen Vereinbarkeit von Privat- und Arbeitsleben.

Talking about my generation

Young Professionals und Studenten erzählen, was Arbeit für sie bedeutet.

Zusammengestellt von: Julia Hoscislawski
Anna Gründler

Anna Gründler

Beraterin bei Mc Kinsey & Company

„Arbeit bedeutet für mich, die Welt in der wir leben, gestalten zu können. Am liebsten im Team. Mir ist es wichtig, mit Menschen zu arbeiten, die motiviert sind und Freude daran haben, etwas zu erschaffen, die mich wachsen lassen und mich inspirieren. Um erfolgreich zu arbeiten, spielen auch die Rahmenbedingungen eine entscheidende Rolle, besonders Flexibilität, Entwicklungsmöglichkeiten, Vertrauen und Transparenz.“

Nadja Hörig

Nadja Hörig

BWL-STUDENTIN IM 4. SEMESTER AN DER HOCHSCHULE ZITTAU/GÖRLITZ

„Für mich verkörpert ein Beruf mehr als nur die bloße Arbeit. Ich möchte ihn mit großer Lust und leidenschaftlicher Hingabe ausüben. Abwechslungsreiche Aufgaben, eine lockere Atmosphäre und gegenseitige Wertschätzung von Kollegen und Vorgesetzen sind dafür unerlässlich. Auch möchte ich genügend Zeit für meine Familie haben. Mein zukünftiger Beruf sollte sich daher gut in mein Leben integrieren. Letztlich wünsche ich mir Vertrauen in meine Fähigkeiten, meine Arbeit bestmöglich zu erledigen.“

Tim Robels

Tim Robels

BWL-STUDENT IM 6. SEMESTER AN DER UNI SIEGEN

„Die Arbeitswelt muss sich ändern, das steht fest! Denn was meine Generation erwartet, sind Homeoffice statt 9 to 5, Sabbatical statt Boni, Sinn statt Beförderung. Auf der Suche nach Flexibilität, Selbstbestimmung, Autonomie und Spaß wünschen wir uns weniger Hierarchie und weniger festgefahrene Strukturen – mehr Work-Life-Balance, Förderung und Freiheiten. Das sind für uns entscheidende Kriterien im Arbeitsdschungel – für Unternehmen könnten sie ein neuer Schlüssel zum Erfolg sein.“

Mareike Sankt Johannis

Mareike Sankt Johannis

ONLINE MARKETING MANAGER BEI JIMDO

„Nach meinem Studium wollte ich gerne für ein internationales Unternehmen arbeiten und bin in der Digitalbranche gelandet. Hier habe ich die Arbeits­umgebung gefunden, die ich mir wünsche: agile Strukturen, flache Hierarchien, die Möglichkeit, mich an Entscheidungsprozessen zu beteiligen, und flexibles Arbeiten. Wir bei Jimdo teilen wichtige Werte: Unter anderem sind Frauen in Führungspositionen ganz selbstverständlich. Unser Büro ist grün, bunt und familiär – genau wie unsere Unternehmenskultur.“

Helen Winter

Helen Winter

GRÜNDERIN UND GESCHÄFTSFÜHRERIN R3SOLUTE

„Ich habe 2018 gemeinsam mit meinem Bruder und zwei amerikanischen Co-Gründern die NGO R3SOLUTE gegründet, die Geflüchtete in Gemeinschaftsunterkünften und Anwohner durch interaktive Workshops in den Bereichen Konfliktkompetenzen, Mediation und Mental Health Awareness ausbildet. Ich tue das, was ich liebe: Menschen zusammenführen – und das ist sehr erfüllend. Ich übernehme Verantwortung für eine sinnstiftende Sache und ein tolles Team – und bringe dabei auch noch Wissenschaft und Praxis von interkultureller Mediation und Dialogarbeit voran.“

Estelle Berdel

Estelle Berdel

SENIOR OPERATIONS SPECIALIST BEI SAP

„Durch die Digitalisierung verändert sich sehr vieles sehr schnell. Gerade für Unternehmen der IT-Branche ist es wichtig, Bestehendes immer wieder zu hinterfragen. Das bietet mir die Gelegenheit zu einer steilen Lernkurve. Breite Einblicke in Kombination mit detailliertem Tiefenwissen, flexible Arbeitszeiten und nicht zuletzt ein starkes Team – das gefällt mir an meinem Job. Was mich langfristig motiviert? Etwas bewirken, einen persönlichen Beitrag zum Firmenerfolg leisten und immer in Bewegung bleiben zu können.“

Andy-Lee Einenkel

Andy-Lee Einenkel

DUALER STUDENT BEI DER KSG GMBH (IN KOOPERATION MIT DER DRESDEN CHIP ACADEMY UND DER WESTSÄCHSISCHEN HOCHSCHULE ZWICKAU)

„Bei meiner Arbeit wünsche ich mir vor allem ein gesundes Arbeitsklima. Hier spielt der freundliche Umgang der Arbeitskollegen untereinander eine große Rolle. Für mich ist es ebenso wichtig, stets herausgefordert zu werden und Verantwortung zu übernehmen. Dafür ist es besonders wichtig, dass mein Arbeitgeber Vertrauen in mich hat und mich dabei unterstützt, diesen lebenslangen Lernweg meistern zu können.“

Disrupt yourself

Spannende Persönlichkeiten, die den Mut haben, sich selbst und ihren Karriereweg immer wieder zu hinterfragen. Fünf Porträts.

Marion A. Weissenberger-Eibl
Marion A. Weissenberger-Eibl

Die Innovationsforscherin

TEXT: MICHAEL HASENPUSCH

Im Leben ist weniger der Ausgangspunkt entscheidend als das Ziel – und eine gewisse Flexibilität auf dem Weg dorthin. Das ist das Credo von Universitätsprofessorin Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, die ihre berufliche Laufbahn mit einer Lehre als Bekleidungsschneiderin begann. Heute hat sie den Lehrstuhl für Innovations- und Technologie-Management am Karlsruher Institut für Technologie inne und leitet das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung.

„Ursprünglich wollte ich Ingenieurin in der Bekleidungsindustrie werden, die sich viermal im Jahr neu erfinden muss und daher ebenso kreativ wie strategisch ausgerichtet ist“, sagt sie. Das erklärt ihre späteren Studien, zunächst der Bekleidungstechnik, dann der Betriebswirtschaft.

Die Lehre davor war für sie eine Selbstverständlichkeit: „Bevor ich als Führungskraft in der Wirtschaft innovativ sein und unternehmerisch gestalten würde, wollte ich die Sache von Grund auf verstehen. Außerdem schätze ich die Arbeit mit den eigenen Händen und die Handwerkskunst sehr“, sagt Weissenberger-Eibl. Auch wenn sie immer ein klares Ziel vor Augen hatte, sei das Leben dennoch nicht im Detail planbar: „Richtungswechsel sind nicht nur möglich, sondern auch nötig. Schon im Studium haben mich Innovationen als solche interessiert, denn sie haben die Kraft, tiefgreifende Transformationsprozesse anzustoßen und Unternehmen oder auch Gesellschaften zu verändern. Diesem Interesse bin ich in meiner akademischen Karriere gefolgt.“

Heute ist die Innovation für sie Kern ihrer Forschung und ihres Alltags. Der digital bedingte Wandel macht für sie die Forderung nach lebenslangem Lernen, nach unternehmerischer wie persönlicher Innovation, aktueller denn je. Jeder muss sich digitale Fähigkeiten aneignen, im privaten Bereich wie bei der Arbeit. Innovation und Disruption ist für Weissenberger-Eibl kein Selbstzweck: „Innovationen, ob disruptiv oder nicht, sollten immer nachhaltige Wirkungen zum Ziel haben und kontinuierlich erfolgen. Wir müssen immer offen und mutig bleiben.“

Marcella Hansch
Marcella Hansch

Die Weltverbesserin

TEXT: CHRISTINA LYNN DIER

Mit einer Inselgruppe vor Afrika und einer Plastikflasche fing alles an: Vor ein paar Jahren schreckte Marcella Hansch bei einem Tauchgang vor den Kapverden zusammen – sie dachte, ein großer Fisch habe sie berührt. Stattdessen war es eine Plastikflasche. „Erst dann realisierte ich, wie viel Plastik um mich herum im Ozean trieb“, erinnert sich die heute 32-Jährige zurück. Das war ein Schlüsselerlebnis, das die gebürtige Sauerländerin nicht mehr losließ. Zurück in der Heimat, entwickelte sie im Rahmen ihrer Architektur-Masterarbeit an der RWTH Aachen ein Konzept für eine Art überdimensionierten Kamm gegen Plastikmüll. Die Idee: Eine im Meer schwimmende Plattform beruhigt das Wasser mittels eines Kanalsystems so stark, dass Plastik und sogar Mikroplastik an die Wasseroberfläche treiben und dann abgeschöpft werden können. 

Dass sie als Architektin eigentlich nicht vom Fach ist, war für Hansch nie ein Hindernis – im Gegenteil. „Wenn wir Architekten Häuser entwerfen und damit die Welt gestalten, wieso können wir dann mit unseren Ideen nicht auch die Welt retten?“, fragt sie herausfordernd. Aufgeben sei für sie nie in Frage gekommen, auch wenn es nach wie vor viele Hürden gebe, die gemeistert werden müssten. Wie etwa die Finanzierung. Lange Zeit arbeiteten Hansch und ihre Mitstreiter ehrenamtlich für das Projekt, das den Namen „Pacific Garbage Screening“ trägt und inzwischen ein eingetragener Verein ist. Erst vor kurzem konnten dank Stiftungsgeldern die ersten festen Stellen geschaffen werden. Marcella Hansch zögerte nicht lange – sie hängte ihren Hauptberuf als Architektin an den Nagel und widmet sich seitdem mit voller Kraft ihrer Herzensangelegenheit.

Für die Zukunft hat die Weltverbesserin klare Visionen: In spätestens fünf Jahren soll ein erstes Testmodell in Flussmündungen zum Einsatz kommen, um den Plastikmüll an Ort und Stelle abzuschöpfen – noch bevor er in die Weltmeere gelangt. Darüber hinaus hat es sich „Pacific Garbage Screening“ zur Aufgabe gemacht, über Umweltschutz aufzuklären, wie Marcella Hansch betont. „Wir wollen die Menschen zum Umdenken bewegen. Technologien allein werden nicht ausreichen – jeder Einzelne kann und muss einen Beitrag leisten, um unsere Welt ein Stück besser zu machen.“

Andreas Winiarski
Andreas Winiarski

Der Startup-Investor

TEXT: MICHAEL HASENPUSCH

Andreas Winiarski trägt wie Kanzlerin Angela Merkel das „brandenburgische“ Gen in sich. Er ist „geradeaus“ gestrickt, wirkt sympathisch und menschennah, erkennt Chancen, die ihm geboten werden, und nutzt sie konsequent. Anders ist es nicht zu erklären, dass der aus Brandenburg an der Havel stammende Unternehmer mit gerade einmal 40 Jahren schon eine beachtliche Karriere absolviert hat. Sie beginnt nach zwei abgeschlossenen Studiengängen in Berlin zunächst auf den weichen Teppichen der Vorstandsetagen, auch bei Axel Springer.

Als er zum Digitalkoordinator von BILD und BILD.de berufen wird, hat er jenes Erweckungserlebnis, das ihn bis heute prägt: „Das war meine ganz persönliche Disruption. Journalismus ist Dauer-,Startup‘. Man weiß am Morgen nie, wie der Tag enden wird, und das täglich aufs Neue.“ Diese unbedingte Zukunftsorientierung ist es, was Winiarski an der Arbeit mit Startups reizt. Er findet sie bei Rocket Internet, Inkubator und Beteiligungsgesellschaft. Als Kommunikationschef und späterer Gründer der unternehmenseigenen Kommunikationsagentur „Rckt“ lebt er sein „disruptiertes“ Selbst aus: „In diesen Jahren, die mich geprägt und die ich auch geprägt habe, hat sich das Eigensinnige, oder um es positiv zu sagen, das Charakteristische an mir entwickelt.“

Nach weiteren Schritten, unter anderem beim Venture-Capital-Fonds Earlybird, gründet Winiarski Ende 2018 sein eigenes Wagniskapital-Unternehmen. „awesome capital“ investiert in technologiegetriebene deutsch-chinesische Startups. Zu seinen Standorten gehören nicht nur Berlin oder Peking, sondern auch Dresden: „Für die Startups des Internet of Things braucht man eine industrielle Infrastruktur. Die gibt es in Berlin nicht, aber in Sachsen schon.“ Die neue wirtschaftliche Brücke zwischen Deutschland und China hält er für bitternötig. Denn für ihn beruht der Erfolg der „Old Economy“, der etablierten deutschen Industrie, zu einem guten Teil auf dem chinesischen Markt. Dort will er diesen Erfolg nun mit der „New Economy“ wiederholen. Und da kommt wieder jenes Erweckungserlebnis ins Spiel, aber in einem weitaus größeren Maßstab. Für Winiarski hat die größte deutsche und europäische Herausforderung einen Namen – China: „Der Drang nach vorne, den ich dort sehe, ist uns hier verlorengegangen. Was wir brauchen, ist die Disruption, nicht nur auf persönlicher Ebene, nicht nur in den Unternehmen, sondern im ganzen Land.“

Franciska Zólyom
Franciska Zólyom

Die Kuratorin

TEXT: MICHAEL HASENPUSCH

Die Kunsthistorikerin Franciska Zólyom, Direktorin der Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig, wurde von vielen Kulturen geprägt: Geboren in Ungarn, wuchs sie in Libyen und Deutschland auf, studierte Kunstgeschichte in Paris und lebt nun in Leipzig. Das Licht und die Farben der unterschiedlichen Länder haben sie ebenso geprägt wie die verschiedenen Sprachen und sozialen Umgangsformen. Doch Identität wird für Zólyom nicht nur von der Kultur „gestiftet“, sondern entsteht, indem man sich mit dem jeweiligen Umfeld auseinandersetzt. Und das tut sie: Seit sieben Jahren arbeitet sie in Leipzig und verbindet in ihren Ausstellungen und Projekten lokal relevante Fragen, wie etwa den Wandel des gesellschaftlichen Umfelds, mit globalen künstlerischen Perspektiven. Die Erforschung transkultureller Phänomene ist dabei für sie eine wichtige Fragestellung der Kunstvermittlung.

Nun wurde ihr eine große Ehre zuteil: Noch bis November 2019 verantwortet sie die Präsentation Deutschlands auf der weltweit wichtigsten Schau zeitgenössischer Kunst, der Biennale in Venedig. Damit ist die 45-Jährige die erste Biennale-Kuratorin aus den neuen Bundesländern. In ihrem Beitrag für den deutschen Biennale-Pavillon bezieht sie sich auf die Problematik von nationalen, kulturellen oder ökonomischen Grenzziehungen und den Einfluss des Einzelnen auf seine Umwelt. „Anstelle von Konzepten, die das Leben auf dem Planeten nachhaltig ruinieren, sollten wir andere Formen des Zusammenseins finden. Das sind Herausforderungen, über die es lohnt nachzudenken“, so die Ausstellungskuratorin. Auf Zólyoms Einladung hat Natascha Süder Happelmann mit weiteren Künstlern in Venedig einen Raum geschaffen, in dem sich Menschen einzeln und in Bezug zu anderen erleben können.

Die Disruption als Prinzip der Zerstörung des Alten, um etwas Neues zu schaffen, hält sie vor allem für eine wirtschaftliche Marktbedingung. In der Kunst setzt sie eher auf Langfristigkeit und nennt dabei die Künstlerin Happelmann als Beispiel: „Mich besticht die Konsequenz, mit der sie sich seit 30 Jahren bestimmten Fragen widmet. Sie arbeitet im Kunstsystem, ist in der künstlerischen Lehre tätig und setzt Mittel der ästhetischen Forschung auch in unterschiedlichen politischen und aktivistischen Zusammenhängen ein. Das ist eine, wie ich finde, starke Mischung aus Beständigkeit und Positionierung.“

Chris Boos
Chris Boos

Der KI-Visionär

TEXT: CHRISTINA LYNN DIER

Seinen ersten Computer ließ er nicht mehr aus den Augen. Chris Boos war noch ein Kind, als ihm sein technikaffiner Onkel aus den Vereinigten Staaten den Epson HX-20 mitbrachte, einen kleinen Koffercomputer. Mit gerade einmal acht Jahren schrieb Boos sein erstes Programm – „schließlich wollte ich Computerspiele spielen, aber es gab damals noch keine“, erinnert er sich. Dass einer wie er, der fast blind ist, überhaupt so viel vor dem Bildschirm sitze, sei eigentlich paradox. „Aber das führt dazu, dass man zuerst nachdenkt und dann viel gezielter experimentiert.“

1995 gründet er gemeinsam mit seinem Onkel das auf Künstliche Intelligenz (KI) spezialisierte Unternehmen Arago – ein Umstand, den er selbst als völlig ungeplant beschreibt. „Ich wollte eigentlich nie Unternehmer werden, lieber Forscher oder Musiker.“ Heute gehört Chris Boos zu den bekanntesten Visionären für KI, ist als Investor tätig und berät seit 2018 als Mitglied des Digitalrats die Bundesregierung zu den drängendsten Herausforderungen der Digitalisierung. Dass KI das Potential hat, unser Leben und unser Wirtschaftssystem zu revolutionieren, steht für ihn außer Frage: „Künstliche Intelligenz betrifft jeden und stellt das industrielle Prinzip der Skaleneffekte auf den Kopf, weil wir sie nicht mehr brauchen, um günstig zu produzieren. Wir kriegen damit ein Werkzeug in die Hand, das sehr mächtig ist.“

Ängstlich stimmt das den KI-Experten nicht – im Gegenteil. Er sieht KI als den entscheidenden Treiber von New Work: „Wir Menschen sind einfach nicht dafür gemacht, wie Maschinen zu arbeiten. Dank KI haben wir nun die einmalige Chance, etwas wirklich Sinnvolles zu tun, das uns glücklich macht.“ Dazu gehört für Boos neben der kreativen Arbeit auch die Tatsache, etwas für andere Menschen zu tun. Um Veränderungen wie diese in Zukunft umzusetzen, braucht es laut Boos vor allem eines: Mut. Daher wird er nicht müde, für eine konstruktive Fehlerkultur zu plädieren: „Risiken gehören zum Leben dazu. Es ist höchste Zeit, dass Mutigsein in unserer Gesellschaft mehr honoriert wird.“

Das
Büro der
Zukunft

Buero der Zukunft
1

Home-Office

Weil viele Menschen nur einen Computer und Internetzugang benötigen, um ihrem Beruf nachgehen zu können, hat sich das Home-Office als temporärer Arbeitsort inzwischen etabliert. Wissenschaftler erwarten, dass das Büro zu Hause auch in Zukunft eine wichtige Option in der Wahl des Arbeitsorts bleiben wird.

2

Coworking-Spaces

Ursprünglich waren es vor allem Gründer und Freiberufler, die in Coworking-Spaces Anschluss an Gleichgesinnte suchten. Heute nutzen die offenen Gemeinschaftsbüros mit Internetzugang, Telefon, Drucker und Co. auch gern Unternehmen, die sich abteilungsweise für ein paar Stunden oder Tage einmieten, um in einer neuen Umgebung kreativ zu sein – mit regem Zulauf.

3

Künstliche Intelligenz

Chatbots sind künstliche Kollegen, die dank einer hinterlegten Datenbank auf nahezu jede Frage eine Antwort wissen. Dabei kommunizieren Chatbots über Sprache. Erprobt werden derzeit auch Chatbots in Form von autonom agierenden, menschenähnlichen Robotern. Experten gehen davon aus, dass diese Androiden künftig in vielen Bereichen, in denen Kommunikation notwendig ist, zum Einsatz kommen werden, etwa am Empfang oder als Berater.

4

Kollaboration und Kommunikation

Durch Smart Boards entstehen Konferenzräume, die ortsunabhängige Interaktivität ermöglichen. Indem die Oberfläche des Smart Boards über das Internet auf Smartphones und Tablets übertragen wird, lassen sich Meetings, Präsentationen oder Pitches auch von unterwegs oder von anderen Orten außerhalb des Unternehmens verfolgen. Zudem können Mitarbeiter, die nicht vor Ort sind, aktiv am Meeting teilnehmen und beispielsweise Notizen über ihr Smartphone auf der interaktiven Tafel eintragen.

5

Mit Kind und Hund

Für eine ausgewogene Work-Life-Balance sorgen eine unternehmenseigene Kinderbetreuung, aber auch Möglichkeiten wie spezielle Arbeitsbereiche mit Spielecke, so dass bei kurzfristigen Betreuungsproblemen das Kind auch mit ins Büro genommen werden kann. Auch der Bürohund wird zunehmend zur Selbstverständlichkeit.

6

Grüne Naturräume

Ob als Kräuter- und Gemüsegarten, den die Belegschaft pflegt und aus dem sich die Mitarbeiter dann auch bedienen dürfen, als Mooswand, die die Raumakustik und das Raumklima verbessert, oder als beruhigender Wasserfall an der Wand – im Büro der Zukunft hält zunehmend auch die Natur Einzug.

7

Smarte Arbeitsumgebung

Licht, Raumtemperatur, Luftfeuchtigkeit, Akustik und Gerüche – die Umgebung hat einen starken Einfluss auf das Wohlbefinden der Menschen und damit auf die Qualität der Arbeit. Weil jedoch jeder Mensch Umgebungsfaktoren anders wahrnimmt, wird das Büro der Zukunft diese Parameter dank Sensoren und selbstlernender Technik individuell auf den jeweiligen Mitarbeiter anpassen können.

8

Flexibel nutzbare Arbeitswelten

Das Büro der Zukunft im Unternehmen besteht aus verschiedenen Arbeitswelten, aus denen sich jeder Mitarbeiter die für seine momentane Tätigkeit am besten passende Umgebung aussucht und so am effizientesten arbeiten kann. Neben dem klassischen Büroarbeitsplatz am Schreibtisch stehen abgeschlossene Bereiche wie Telefoncube, Besprechungsraum oder Ruhezone zur Wahl. Für kreatives Arbeiten können die Mitarbeiter Bereiche mit lockerer Atmosphäre und sportlichen oder spielerischen Angeboten nutzen.

Quelle: New Work

Veröffentlicht: 29.07.2019 14:02 Uhr