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Anzeigensonderveröffentlichung

: Neue Möglichkeiten für Unternehmer

  • -Aktualisiert am

Bild: strichzeichunungen.de/Adobe Stock

Beim Stichwort Digitalisierung und Industrie 4.0 haben spontan nur wenige mittelständische Unternehmen vor Augen. Dabei ist gerade der deutsche Mittelstand in puncto Digitalisierung und Automatisierung im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut aufgestellt. Eine Standortbestimmung mit Ausblick.

          Rund 60 Prozent der mittelständischen Firmen in Deutschland sehen sich gut vorbereitet, wenn es um die Herausforderungen der Digitalisierung geht. Zu dieser Erkenntnis kommt eine 2017 von McKinsey & Company durchgeführte Studie zur Digitalisierung des deutschen Mittelstands. Bis 2025, so die Prognose, dürfte die Digitalisierung im Mittelstand die deutsche Wirtschaft um jährlich 0,3 Prozentpunkte wachsen lassen. In Summe entspräche dies einer zusätzlichen Wertschöpfung von 126 Mrd. Euro. Dabei legen die Unternehmen den Fokus hierzulande bisher überwiegend darauf, ihre eigenen Prozesse durch Digitalisierung und Automatisierung effizienter zu gestalten – etwa in Produktion und Logistik. In anderen Ländern geht der Trend dagegen stärker in Richtung digitale Produkte.

          ERP als Leitinstanz in der Fertigung von morgen

          Dass auch der interne Fokus schon viel mit Industrie 4.0 zu haben kann, zeigt das folgende Beispiel: Die Günther Spelsberg GmbH + Co. KG fertigt mit rund 450 Mitarbeitern im Sauerland Kunststoffgehäuse für das Elektrohandwerk und die Industrie. Spelsberg ist ein echter „Hidden Champion“ und setzt das Enterprise Resource Planning-System innovativ zur Erfassung von Produktionszuständen und zur Steuerung von Maschinen ein.

          Schlüsseltechnologien für das Pilotprojekt waren ein ERP-Schnittstellenmodul sowie der vergleichsweise simple und kostengünstige Einplatinenrechner Raspberry Pi. Dieser erhält vom Schnittstellenmodul maschinenlesbar aufbereitete Produktionsbefehle aus dem ERP, die er anschließend direkt an die Maschine weiter kommuniziert. Auf diese Weise lassen sich Maschinen automatisch steuern, die ursprünglich dafür gar nicht vorgesehen waren. Entwickelt wurde zudem ein Rückkanal, der den Informationsfluss von der Maschine zurück ans ERP ermöglicht. Dadurch kann der Produktionsfortschritt automatisiert an das ERP-System gemeldet werden, so dass dieses die Fertigung auf Basis von Echtzeitdaten steuert. Das ERP qualifiziert sich damit als Leitinstanz der Fertigung.

          Primäres Ziel solcher Entwicklungen sind meist effizientere Produktionsabläufe. Dies ist der klassische Innovationshebel durch Digitalisierung. Echtes Disruptions-Potential verspricht die Digitalisierung der Produkte selbst – bekannt unter dem Namen Internet of Things (IoT). Auch um diesen Hebel zu bedienen, sind ERP-Systeme von großem Nutzen: Sie bringen Daten und Systeme zusammen und steuern die Prozesse.

          Neue Chancen, neue Geschäftsmodelle

          Dies prädestiniert ERP-Systeme für den Einsatz als IT-Rückgrat der digitalen Transformation und damit für digitale Produkte, die im weitesten Sinne datenbasiert sind. Die Bandbreite ist enorm: Das Spektrum umfasst bereits viele Produkte, die durch eher simple Datennutzung interessanter oder nützlicher werden. Dabei steht oft das Ausgangsprodukt weiterhin im Vordergrund, erhält aber eine datenbasierte Aufwertung, die der Differenzierung im Wettbewerb dient. Noch einen Schritt weiter gehen Konzepte, bei denen Produktdaten zum Verkauf von Mehrwertdiensten genutzt werden – Stichwort Predictive Maintenance. Das wahre Potential der digitalen Transformation schöpfen schließlich Konzepte aus, bei denen das Produkt vollständig zur Dienstleistung wird und in ein neues Geschäftsmodell mündet.

          ERP-seitig entwickelt proALPHA solche Konzepte, beispielsweise mit und für verschiedene Maschinenbaufirmen. Diese stellen Spezialmaschinen her, die für Endkunden mit teils hohen Investitionsaufwänden verbunden sind. Die Geschäftsmodellinnovation: Künftig müssen Kunden diese Maschinen nicht mehr kaufen, sondern können mit dem Hersteller nach Nutzung abrechnen. Die Idee: Das Produkt wird dadurch zum Service und für die Kunden noch attraktiver, denn die teuren Maschinen bleiben im Besitz des Herstellers. Dieser übernimmt automatisch auch die Wartung und Instandhaltung.

          Die Vorteile für den Hersteller? Er profitiert von tieferen Kundenbeziehungen mit regelmäßigen Kontakten, von stetigen Umsatzströmen und der Möglichkeit, effizientere Service-Konzepte aufzubauen. Zudem sind Mehrwertdienste wie Predictive Maintenance margenstärker als das reine Produktgeschäft. Ein Pionier auf dem Gebiet dieser „Product as a Service“-Idee war Xerox. Der Spezialist für Druck- und Kopiersysteme hat schon vor Jahren ein „Pay per Copy“-Modell etabliert, das sich in der Branche durchgesetzt hat. Andere Branchen und Unternehmen folgen – insbesondere aus dem Mittelstand. Hier ist der Wettbewerb intensiv und wird nicht mehr nur über Produkte und Prozesse ausgetragen, sondern vermehrt über innovative Geschäftsmodelle.

          Digitale Transformation verändert mehr als einzelne Prozesse

          Die Möglichkeiten der Digitalisierung und Automatisierung sind nahezu unbegrenzt. Mit der unternehmerischen Kreativität und dem Gestaltungswillen im deutschen Mittelstand werden daraus auch künftig neue Business-Ideen und Wachstum entstehen. Vorausgesetzt, die Verantwortlichen nehmen ihre Mitarbeiter mit auf den Weg der Transformation und begreifen den Wandel als umfassende Herausforderung. Das Digitalisieren vorhandener Prozesse wird allein nicht genügen. Um das Potential auszuschöpfen, müssen Unternehmen ihre interne Organisation und sämtliche Abläufe auf den Prüfstand stellen und gegebenenfalls neu ausrichten – erst recht, wenn digitalisierte Produkte in den Fokus rücken. Diese Neuausrichtung betrifft auch das Konstruktions- und Produktions-Knowhow im deutschen Mittelstand. Im Zuge einer weiteren Digitalisierung der Produktwelt müssen neue Fähigkeiten erworben und Fachkräfte ausgebildet werden. Hier sind neben den Unternehmen insbesondere die Wirtschafts- und Bildungspolitik gefordert.

          Dr. Friedrich Neumeyer ist CEO der proALPHA Gruppe.