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Geld & Finanzen

Gute Rendite, gutes Gewissen

Gewinne machen und dabei die Welt verbessern: Immer mehr Anleger wollen ihr Geld nachhaltig investieren. Es soll nicht nur Rendite bringen, es soll ökologisch und ethisch Gutes bewirken. Geldanlage-Expertin Karin Baur von der Stiftung Wartentest erklärt, auf was man bei nachhaltigen Anlagen achten sollte.

Lebensmittel, Urlaubsreisen und Strom sowieso: Immer mehr Menschen wollen mit ihren Konsumentscheidungen auch zu einer besseren Welt beitragen. Deshalb achten sie beim Einkaufen auf Nachhaltigkeit. Doch was ist darunter zu verstehen? Der Begriff Nachhaltigkeit hat eine steile Karriere hingelegt: Aus einem Fachausdruck der Forstwirtschaft ist ein weitverbreitetes Label geworden, mit dem heute so gut wie alles verkauft wird. In seiner ursprünglichen Bedeutung meint Nachhaltigkeit, dass die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen sind, dass auch künftige Generationen ihre Bedürfnisse befriedigen können. Was das für die Bewirtschaftung eines Waldes bedeutet, leuchtet schnell ein. Was Nachhaltigkeit mit Finanzanlagen zu tun hat, bedarf weiterer Erklärung.

„Im Unterschied zu herkömmlichen Investitionen beachten nachhaltige Anlagen sogenannte ESG-Kriterien“, erklärt Karin Baur, Expertin für Geldanlage bei der Stiftung Warentest. Ende Mai 2021 hat die Stiftung einen Ratgeber dazu veröffentlicht. Die Abkürzung ESG steht für Environment, Social und Governance und bedeutet, dass beteiligte Unternehmen auf die Aspekte Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung achten. „Die meisten Menschen denken heute bei Nachhaltigkeit vor allem an Ökologie, an das Vermeiden von Umweltverschmutzung und die Reduktion von Treibhausgasen“, so Baur. „Aber auch ethische und soziale Aspekte spielen für die Wahrnehmung von Nachhaltigkeit eine Rolle.“ Geschützt sei der Begriff nicht, was also in verschiedenen „nachhaltigen“ Angeboten stecke, könne sehr unterschiedlich sein.

Karin Baur,
Geldanlage-Expertin Stiftung Wartentest
Karin Baur,
Geldanlage-Expertin Stiftung Wartentest

Nicht alle Fonds sind gleich streng

Manche Fonds nutzten Ausschlusskriterien. „Sie versprechen dann zum Beispiel, nicht in Waffen, Atomenergie, Öl oder Kohle zu investieren“, erklärt die Expertin. Daneben gebe es aber auch Investitionsmöglichkeiten, bei denen man nachhaltige Merkmale ausdrücklich auswählen kann. So können Fonds in Unternehmen investieren, die beim Klimaschutz besonders positiv handeln oder die eine Vorreiterrolle einnehmen, zum Beispiel bei Umwelttechnologien. Auch das Setzen sozialer Standards kann ein Kriterium sein, so können Fondsmanager darauf achten, dass Unternehmen zum Beispiel auf Gleichberechtigung Wert legen oder dass sie Betriebsratstätigkeit in Ländern erlauben, in denen das sonst nicht üblich ist.

„Es gibt Fonds, die sehr streng auf die Einhaltung von ESG-Kriterien achten und welche, die dabei eher pragmatisch sind“, erklärt Baur, deshalb lohne ein genauer Blick. Was Risiken und Rendite angeht, rät die Expertin bei nachhaltigen Fonds dasselbe wie bei regulären: „Vereinfacht gesagt sollten Anleger auf eine breit gestreute, vergleichsweise sichere Basis achten, der sie dann Fonds mit höherer Renditechance und damit in der Regel höherem Risiko beimischen können.“ Als Basis eignen sich Fonds mit einer großen Anzahl von Unternehmen, zum Beispiel der MSCI World SRI. Der orientiert sich bei seiner Auswahl am Weltaktienindex MSCI World. „SRI“ steht für „Social Responsible Investing“ und bedeutet, dass bei der Auswahl der enthaltenen Unternehmen auf Nachhaltigkeit geachtet wurde.

Keine Unterschiede bei der Rendite

„Beimischen können Anleger dann zum Beispiel einen Fonds für erneuerbare Energien“, so Baur. Ein solcher Fonds investiert fokussiert in eine bestimmte Technologie. Das mag im Einzelfall den potenziellen „Impact“ erhöhen, also die mögliche positive Auswirkung, die das eingesetzte Geld messbar haben könnte. Es erhöht aber auch das Risiko. „Investitionen in nur eine Branche sollte man nicht zur Basis seines Portfolios machen, das gilt für nachhaltige Fonds genauso wie für herkömmliche.“

Auch was die Rendite angeht, unterscheiden sich nachhaltige Fonds kaum von regulären, es gibt sogar immer wieder Phasen, in denen sie die Nase vorn haben. In den letzten Jahren hat zum Beispiel der MSCI World SRI etwas besser abgeschnitten als sein Mutterindex. „Wenn der Ölpreis niedrig ist, dann schneiden Ölkonzerne nicht gut ab“, erklärt Baur. „Nachhaltige Fonds sind dann oft schon deshalb etwas besser, weil sie keine Ölkonzerne im Portfolio haben.“

Nachhaltige Fonds auf Höchststand

Wer auch bei seinen täglichen Bankgeschäften konsequent auf ökologische und ethische Auswirkungen achten will, für den sind nachhaltige Banken schon seit längerer Zeit eine Alternative. Gemessen an ihrer Bilanzsumme spielen sie im Vergleich zu regulären Banken noch keine große Rolle. Dafür sichern sie zu, dass sie mit Ihren Einlagen nur nachhaltige Projekte finanzieren. Das Leistungsspektrum ist bankenüblich: vom Girokonto über ein Depot bis hin zur Eigenheimfinanzierung. Wie reguläre Banken unterliegen sie der gesetzlichen Einlagensicherung. Sparer müssen sich um die Sicherheit ihres Geldes also keine Sorgen machen.

Insgesamt rechnet Baur damit, dass nachhaltige Investitionen in Zukunft noch weitaus populärer werden. Schon das Jahr 2020 endete mit einem Höchststand beim Vermögen nachhaltiger Fonds: Laut dem Deutschen Fondsverband BVI wuchs das Volumen um 33 Milliarden Euro oder 29 Prozent auf die Rekordsumme von 147 Milliarden Euro. Konventionelle Fonds wuchsen im gleichen Zeitraum um lediglich vier Prozent. „Das sind vielleicht nicht alles ganz strenge, dunkelgrüne Fonds, aber ESG-Kriterien zu beachten, ist mittlerweile Gang und Gäbe“, so Baur. Das Bewusstsein der Menschen ändere sich und auch professionelle Anleger achteten vermehrt auf ethische und ökologische Auswirkungen ihrer Investitionen. Baur ist überzeugt: „Nachhaltige Investitionen werden der Mainstream.“

Buchtipp:

Wolfgang Mulke
Nachhaltig Geld anlegen
Ökologisch, sozial und ethisch investieren

Wie man nachhaltige Fonds und ETF findet und sein Geld sozial und ökologisch anlegt. Mit Tipps zu Auswahl, Kauf, Risiken und Chancen.

Stiftung Warentest, 192 Seiten, 19,90 Euro
ISBN: 978-3-7471-0340-1


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Quelle: Neudenken

Veröffentlicht: 29.12.2020 11:43 Uhr