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Mobilität & Räume

„Fokus auf Lithium-Ionen und Festkörperbatterien“

Volkswagen baut nicht nur Elektroautos, sondern forscht auch selbst an kommenden Batterietechnologien. Geleitet wird die Abteilung für „Battery Innovation“ von Dr. Tobias Lösche-ter Horst, einem Getriebe- und Motorenentwickler, der in die neue Welt der Elektrochemie aufgebrochen ist.

Sie haben bei Volkswagen zunächst Getriebe entwickelt, dann Ottomotoren, leiteten zehn Jahre die Antriebsforschung und nun die „Battery Innovation“ im Volkswagen Konzern. Gibt es dabei so etwas wie einen roten Faden?

LtH: Es ging mir immer um den optimalen Antrieb. Das Know-how aus meiner Zeit in Getriebe- und Motorenentwicklung hat mir in der Antriebsforschung sehr geholfen. Dort haben wir schon lange sehr intensiv an elektrifizierten und rein elektrischen Antrieben gearbeitet, inklusive der Batterie.

Fachlich geht es nach Mechanik und Thermodynamik nun um Elektrochemie – wie kann das funktionieren?

LtH: Neugier und vor allem Vertrauen sind die Basis. Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, aber vor allem in meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Als Führungskraft ist man auch in Forschung und Entwicklung sehr stark in einer organisierenden und strukturierenden Rolle. Wenn man das Gebiet wechselt, schwimmt man fachlich zunächst ziemlich. Wenn man vom Typ her jemand ist, der immer alles besser weiß, dann wird das nichts. Man sollte schon die eigenen Grenzen kennen – und stattdessen lieber die richtigen Fragen stellen.

Dr. Tobias Lösche-ter Horst, verantwortet seit Sommer 2019 die „Battery Innovation“ bei Volkswagen

Sie haben schon früher immer wieder eine Lanze für die Elektrifizierung gebrochen. Woher kam die Überzeugung in einer Zeit, als viele andere Maschinenbauer allein auf den Verbrennungsmotor gesetzt haben?

LtH: Mein Ansatz war immer, vom Ziel her zu denken: Wenn wir in die ferne Zukunft, ins Jahr 2050 etwa, schauen, dann geben die Energieträger den Antrieb vor. Strom ist nun einmal der primäre Energieträger der Zukunft. Und batterieelektrisches Fahren ist die effizienteste Art, Strom für die Mobilität zu nutzen. Effizienz ist deshalb wichtig, weil der zusätzlich benötigte Strom regenerativ hergestellt werden muss und auf absehbare Zeit ein begrenztes Gut bleibt. Es ist aber auch klar, dass batterieelektrische Antriebe Grenzen haben. Es sollte nicht das Ziel sein, immer größere Batterien zu bauen. Daher ist eine gute Ladeinfrastruktur und die Möglichkeit zum Schnellladen so wichtig. Und bei Fahrzeugen und Anwendungen, bei denen viel Energie mitgeführt werden muss, ist Wasserstoff der nächste logische Schritt.

Aus der Volkswagen Konzernforschung ist die „Volkswagen Group Innovation“ geworden. Können Sie uns den Unterschied erläutern?

LtH: Heinrich von Pierer hat einst gesagt: „Forschung bedeutet Geld in Wissen zu transferieren, Innovation bedeutet Wissen in Geld zu transferieren.“ Was wir machen, das muss am Ende in ein Produkt einfließen. Das galt im Prinzip schon für die Konzernforschung, wird durch den neuen Begriff aber viel deutlicher. In der Neuausrichtung arbeiten wir mit flacheren Hierarchien und deutlich vernetzter, sowohl nach innen als auch nach außen. Zwar gibt es bei Volkswagen die klassische Dreiteilung zwischen Forschung, Vorentwicklung und Serienentwicklung weiterhin, aber die Übergänge werden fließender. Unsere Rolle ist dabei, Innovationen auf jenen Feldern zu erschließen, auf denen die Marken noch nicht so weit sind.

Was bedeutet das konkret für die Batterieforschung?

LtH: Zum Beispiel konzentrieren wir uns mittlerweile deutlich intensiver auf die Zellchemie. Denn die Marken haben inzwischen viel Kompetenz in den Bereichen Batteriesysteme und Integration in das Fahrzeug aufgebaut. Vorgelagert zur Entwicklung und zum Center of Excellence in Salzgitter kümmern wir uns um die Technologien von morgen und übermorgen. Es geht dabei nicht nur um die Materialzusammensetzung von Anode und Kathode, sondern auch um das detaillierte Design einzelner Partikel und Materialien, etwa durch Beschichtung oder Strukturierung.

Ich bin froh, dass sich Volkswagen auch im Bereich der Zellfertigung engagiert“: Batterieforscher Lösche-ter Horst setzt auf Lithium-Ionen-Technik und Festkörperbatt erien

Warum überlassen Sie die Forschung nicht den Hochschulen?

LtH: Ein großer Unterschied zur universitären Forschung besteht darin, dass wir ein balanciertes Batteriesystem brauchen. Für den Einsatz im Automobil müssen Energiedichte, Kosten, Lebensdauer, Leistung, Nachhaltigkeit, Schnellladefähigkeit und Sicherheit in Einklang gebracht werden. Hochschulen haben oft einen speziellen Fokus, gehen dafür aber deutlich tiefer. Daher arbeiten wir natürlich mit einem weltweiten Netzwerk renommierter Universitäten eng zusammen.

Deutschland galt in der Batterieforschung lange als Entwicklungsland. Haben wir mittlerweile aufgeholt?

LtH: Im Bereich der universitären Forschung auf jeden Fall. Was uns teilweise noch fehlt, ist der Transfer in die Praxis. Deshalb bin ich froh, dass Volkswagen sich auch im Bereich der Zellfertigung engagiert. Denn nur so verstehen wir Fertigungs- und Entwicklungsherausforderungen im Detail, können mit den großen Zellherstellern auf Augenhöhe reden und deutlich besser Innovationen in unsere Produkte einfließen lassen.

Nun gibt es sehr viel verschiedene technische Ansätze, die Eigenschaften künftiger Batterien zu verbessern. Nach welchen Kriterien sortieren Sie?

LtH: Im Bereich der universitären Forschung auf jeden Fall. Was uns teilweise noch fehlt, ist der Transfer in die Praxis. Deshalb bin ich froh, dass Volkswagen sich auch im Bereich der Zellfertigung engagiert. Denn nur so verstehen wir Fertigungs- und Entwicklungsherausforderungen im Detail, können mit den großen Zellherstellern auf Augenhöhe reden und deutlich besser Innovationen in unsere Produkte einfließen lassen.

Dr. Tobias Lösche-ter Horst

Stattdessen setzen Sie vor allem auf Lithium-Ionen-Akkus in Festkörperbauweise.

LtH: Wir versuchen, durch permanenten Austausch alle wesentlichen Technologiepfade im Auge zu behalten. Aber wir wollen uns nicht verzetteln und fokussieren daher auf Lithium-Ionen-Technik und Festkörperbatterien, wobei die Grenze dazwischen längst nicht so scharf ist, wie sich manchmal vermuten lässt.

Sie erwähnten, dass Nachhaltigkeit ein Ziel der Batterieforschung sei. Wo legen Sie hier Schwerpunkte?

LtH: Hier spielt einiges rein: Schnellladefähigkeit ist wichtig, um die Batteriegröße auf ein sinnvolles Maß begrenzen zu können. Neue Material- und Produktionsansätze helfen, den Energieaufwand in der Herstellung, der deutlich größer ist als bei konventionellen Antrieben, weiter zu reduzieren. Und Recycling wird ein zentrales Thema, um eines Tages das wertvolle Material möglichst vollständig im Kreis zu führen.

Dr. Tobias Lösche-ter Horst
begann 1998 bei Volkswagen in der Getriebeentwicklung. Seine Karriere führte ihn über die Leitung der Vorentwicklung für Getriebe und später für Ottomotoren. 2009 wurde er zum Leiter des Forschungsfeldes Antriebe in der Volkswagen Konzernforschung berufen. Seit der Neuausrichtung der Konzernforschung zum „Volkswagen Group Innovation“ im Sommer 2019 verantwortet Lösche-ter Horst die „Battery Innovation“.


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Quelle: Neudenken

Veröffentlicht: 29.12.2020 11:43 Uhr