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Verlagsspezial
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Freizeit & Reisen

Die Renaissance der Region

Regionale Reiseziele, die sich für eine Tages- oder Wochenendtour eignen, sind in Zeiten der Pandemie stärker in den Blickpunkt gerückt. Drei von ihnen hat neudenken unter die Lupe genommen, von der Übernachtung im Rheingauer Weinfass über rasante Achterbahnfahrten im schwäbischen Zabergäu bis zum Abstecher in die Autostadt nach Wolfsburg.

Irgendwie hatte man es schon immer geahnt. Wenn einem am hoffnungslos überfüllten Flughafen-Terminal in Palma de Mallorca oder als Tuk-Tuk-Passagier im Stau in Bangkok die Schweißperlen auf der Stirn standen, dann kam er, der kurze Gedanke: Zu Hause in Deutschland muss es bestimmt auch tolle Reiseziele geben. Doch der Jahresurlaub war stets mit Reisen in alle Welt belegt, der Wochenend-Ausflug fiel meist drängenden Pflichten zu Hause zum Opfer. Mit der Pandemie und ihren Reisebeschränkungen öffnet sich ein neues Fenster: das in die Region. Die Zeit ist da, die Lust schon lange. Jetzt heißt es, die kleine Reisetasche zu packen. Die großen Koffer können zu Hause bleiben.

Romantische Nächte im Weinfass

Die Idee entsteht während einer Reise an die Mosel. Als Julia Lange auf einem Campingplatz ein zum Übernachten hergerichtetes Weinfass erblickt, muss sie nicht lange überlegen. „Ich wollte beruflich sowieso noch mal was anderes machen“, berichtet sie. „Ein paar Weinfässer als Übernachtungsmöglichkeit auch bei mir zu Hause im Rheingau anzubieten, das fand ich sehr reizvoll.“ Julia Lange schreibt ein Konzept und geht zu Christian Aßmann. Der ist Bürgermeister ihres Wohnorts Geisenheim, einer 10.000-Einwohner-Stadt in Hessen mit eigener Hochschule, Schwerpunkt Weinbau. Lange bittet Aßmann, ihr bei der Suche nach einem kleinen Grundstück für zehn Übernachtungsfässer zu helfen. Das tut er zwar, doch es kommt anders als gedacht: Recht spontan bietet der lokale Campingplatz einen ganzen Hektar zur Pacht an, 10.000 Quadratmeter, direkt am Rheinufer.

Schlafen mit Rheinblick: In einem Weinfass von Rheingau 524.

Julia Lange und die Betreiber des Campingplatzes werden schnell handelseinig. Langes Projekt wird damit viel größer als gedacht. Nach einer Aufbau- und Testphase wird sie im März 2021 unter dem Namen „Rheingau 524“ – benannt nach dem Rheinkilometer ihres Standorts – insgesamt 74 Betten anbieten. Die können Kurzreisende nach Lust und Laune buchen: entweder in einem der 13 Schlummerfässer für zwei Personen, in fünf größeren Vierbett-Campingfässern oder in einer der jeweils vier Hobbit-, Schäfer- oder Trekkinghütten. Außerdem gibt es ein neues, zentrales Waschhaus, in dem auch zwei Privatbäder zur Verfügung stehen. Das sorgt für ungewöhnlich viel Privatsphäre.

Mit ihrem Angebot richtet sich Lange an Paare, Familien, Wanderer und Zweiradfahrer in einem Umkreis von bis zu 200 Kilometern, die einen Kurzurlaub an der frischen Luft verbringen möchten. „Der Campingboom war ohnehin schon da, hat sich durch Corona aber noch beschleunigt“, meint Lange. „Mit Rheingau 524 bieten wir ein besonders stressfreies Campingabenteuer ohne teure Zeltausrüstung, überfülltes Auto und mühsehliges Aufbauen. Man kommt einfach an, packt seine Tasche aus und kann direkt bei einem guten Riesling den Blick auf den Rhein genießen.“ Ihr Konzept hat nicht nur bereits viele Gäste während des Pilotbetriebs überzeugt. Julia Langes Projekt wird mittlerweile auch vom Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums gefördert.

Achterbahnfahrt ins Jahr 1880

Wer sich mit der der Familienachterbahn „Volldampf“ – einer der beiden neuesten Attraktionen im Erlebnispark Tripsdrill – auf den Weg macht, der riskiert einen Ohrwurm. Schon vor der Abfahrt schallt das Volkslied „Auf de schwäbsche Eisebahne“ aus Lautsprechern. Es besingt das historische Vorbild der als Dampfbahn daherkommenden Achterbahn. Die Verbindung von regionaler Historie und moderner Technik ist Programm im Erlebnispark Tripsdrill, der im Zabergäu liegt – einer Region im Dreieck zwischen Karlsruhe, Heilbronn und Stuttgart. „Als ältester Freizeit- und Erlebnispark Deutschlands widmen wir uns durchgängig dem Thema Schwaben anno 1880“, berichtet Tripsdrill-Geschäftsführer Helmut Fischer. „Jede Attraktion muss sinnvoll in dieses Konzept eingebettet sein. Dadurch sind wir unverwechselbar.“

Mit viel Liebe zum Detail setzen die Parkplaner diesen Anspruch um. „Für unsere Holzachterbahn ‚Mammut‘ haben wir zum Beispiel den Maschinenpark eines stillgelegten Sägewerks hierhergebracht und im Wartebereich der Achterbahn in Szene gesetzt“, berichtet Fischer. Auf der Wildwasserbahn „Badewannenfahrt zum Jungbrunnen“ fahren die Gäste nicht wie sonst üblich in nachgebildeten Baumstämmen, sondern in Badewannen-Booten. Die führen sie in ein Gewölbe, wo alte Frauen in einen Jungbrunnen – inspiriert vom gleichnamigen Gemälde Lucas Cranach des Älteren – zum Bade einsteigen und als junge Frauen wieder herauskommen. Damit greift die Bahn das historische Motiv der Altweibermühle auf, die als Mühlenturm mit Rutsche die Keimzelle des Freizeitparks war. Selbst die durchaus spektakuläre Katapult-Achterbahn „Karacho“, die mit rund 2.000 PS starken, elektrischen Linearmotoren ihre Passagiere in 1,6 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigt und anschließend durch vier verschiedene Überschläge jagt, kommt äußerlich als Oldtimer daher. Nur ein angedeuteter Düsenantrieb mit LED-Beleuchtung sorgt am Heck der Wagen für Raketen-Optik.

Die historische Altweibermühle ist die Keimzelle von Deutschlands ältestem Freizeitpark.

„Wir wollen Attraktionen anbieten, die bodenständig sind und die hier in die Region passen“, sagt Helmut Fischer, dessen Großvater Eugen 1929 den Familienbetrieb gegründet hatte. Als regionales Ziel will sich Tripsdrill vor allem Tagesausflüglern anbieten, auch wenn es Übernachtungsplätze in 20 Schäferwagen und Baumhäusern gibt. „Wir definieren unser Einzugsgebiet über eine Anreisezeit von maximal zweieinhalb Stunden mit dem Auto“, berichtet Fischer. Es umfasst damit neben Baden-Württemberg auch die Randgebiete der angrenzenden Bundesländer und den Nordrand der Schweiz.

Die Zukunft der Mobilität

500 Kilometer weiter nordöstlich ist mit der Autostadt in Wolfsburg ein einzigartiger Themenpark entstanden, der seinen 20. Geburtstag im Jahr 2020 eigentlich mit einer großen Feier begehen wollte. Daraus ist aus den bekannten Gründen nichts geworden. Umso mehr widmet sich das Schaufenster des Volkswagen Konzerns, das sich seit Anbeginn auch an überregionale und internationale Besucher richtet, den Gästen aus der Region. „Hier in der Autostadt machen wir die Mobilität der Zukunft anfassbar“, sagt Roland Schaaf, Marketingleiter der Autostadt. „Neue technische Lösungen ausprobieren zu können, das ist das mit Abstand beste Mittel, um Hürden abzubauen.“

Die Autostadt in Wolfsburg ist zum Anziehungspunkt einer ganzen Region geworden.

Drei große Trends verändern derzeit den Verkehrssektor von Grund auf: die Elektrifizierung des Antriebs, die Automatisierung von Fahrzeugen und die digitale Vernetzung des Transports. Hybridantriebe mit Elektro- und Verbrennungsmotor beispielsweise können auf der Kurzstrecke die CO2-Emissionen von Automobilen minimieren. Rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge vermeiden sie komplett, werden ihre Batterien mit regenerativ erzeugtem Strom geladen. Assistenzsysteme wie der Spurhalteassistent oder der Notbremsassistent tragen schon heute zu mehr Verkehrssicherheit bei. Und nicht zuletzt ermöglicht die digitale Vernetzung nicht nur völlig neue Entertainment-Angebote, sondern auch die Kommunikation zwischen Fahrzeugen und ihrer Umwelt.

All diese Veränderungen sind in der Autostadt ein wichtiges Thema – etwa in der Ausstellungsreihe „Neue Mobilität – Neu denken“, mit der die Autostadt gemeinsam mit der Volkswagen Group Innovation und dem Future Center Europe den Dialog über die Mobilität der Zukunft eröffnet. Wie diese aussehen kann, veranschaulichen Exponate wie der „Sedric“ von Volkswagen. Das vollständig autonom und elektrisch fahrende Konzeptfahrzeug verfügt weder über ein Lenkrad noch über Pedale. Man steigt eines Tages einfach ein und gibt das Ziel vor – den Rest macht das Fahrzeug ganz von alleine. Und vielleicht liegt das Fahrtziel dann ja auch in der Region.

In zahlreichen Ausstellungen veranschaulicht die Autostadt die Zukunft der Mobilität.

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Quelle: Neudenken

Veröffentlicht: 29.12.2020 11:43 Uhr