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Was uns bewegt

Die große Serie über Lebensqualität und warum
Chemie im Alltag unersetzlich ist

Teil 4: Leder – das älteste Handwerk auf dem Weg
zu mehr Nachhaltigkeit

Die große Serie über Lebensqualität und warum Chemie im Alltag unersetzlich ist

Teil 4: Leder – das älteste Handwerk auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit

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Das älteste Handwerk der Welt hat eine bewegte Geschichte. Die Herstellung von Leder ist bis heute so unersetzlich wie umstritten. Wie moderne Chemie und Technik aus Deutschland die Lederherstellung nachhaltig revolutionieren.

Zwischen Mainstream und Luxus steht der Umweltschutz

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reits vor mehr als 5000 Jahren nutzten der Gletschermann Ötzi und seine Weggefährten die Haut erlegter Tiere, um daraus Gürtel, Schuhe, Zelte, Taschen, Blasebalge zum Feuermachen oder Wasserbehälter herzustellen. Die Kunst der Lederherstellung ist somit so alt wie die Menschheit. Es gibt wohl kaum ein Produkt, das so viele Trends überdauert hat, obwohl es zugleich kontrovers diskutiert wird. Denn so beliebt Leder bei den Verbrauchern ist, so umstritten ist seine Herstellung.

Im Mittelalter wurden die Gerber vor die Stadttore verbannt, weil ihre Arbeit so unappetitlich war und sie giftige Abwässer in die Flüsse kippten. Auch wenn Leder heute überwiegend umweltverträglich mit modernen Prozesstechnologien und nachhaltigen Chemikalien hergestellt wird, gehören derartige Bilder aus einigen Leder-Hotspots in Entwicklungsländern wie Bangladesch oder Marokko längst nicht der Vergangenheit an. Schätzungen zufolge liegt der Anteil an Gerbereien, die sich nicht an Umwelt- und Gesundheitsschutzstandards halten, allerdings unter fünf Prozent. Die Krux bei der Sache: Der Konsument sieht seinem Schuh oder der Handtasche nicht an, ob das hierfür verarbeitete Leder nachhaltig hergestellt wurde oder nicht. Ferner ist Leder im Bewusstsein der Verbraucher kein Luxusprodukt mehr. Dass Leder naturgemäß auf Langlebigkeit ausgelegt ist, steht entgegen dem Trend zu günstigen Lederwaren, die auf eine Modesaison ausgelegt sind.

Mehr als 50 Prozent der weltweit hergestellten Lederhäute werden für die Modebranche aufgewendet, schätzt die UN-Landwirtschaftsorganisation FAO. Nur rund ein Fünftel wird in europäischen Gerbereien verarbeitet, wo hohe Umwelt- und Sicherheitsstandards sowie nachhaltige Prozesse und Chemikalien Voraussetzung sind. Das Ergebnis ist ein hochwertiges und langlebiges Material, dessen aufwendige Herstellungsschritte den Titel Luxusprodukt rechtfertigen.

 

  • Annahme 1: „Leder ist ein hundertprozentiges Recyclingprodukt“
    Ja. Würde die Tierhaut nicht für die Herstellung von Leder genutzt, wäre sie ein Abfallprodukt der Fleischindustrie. Insofern ist die Lederproduktion ein gutes Beispiel für ein erfolgreiches Recycling. Für eine gute Qualität des Leders ist es ausschlaggebend, dass die Tiere artgerecht gehalten und geschlachtet werden. In vereinzelten Schlachthöfen – vor allem in Entwicklungsländern, aus denen ein Großteil des für die Modebranche verwendeten Leders stammt – sind die Bedingungen jedoch alles andere als artgerecht. Ein Widerspruch, der in keinem Verhältnis steht. Siegel und Zertifikate sollen helfen, diesem Missstand zu begegnen. Allerdings werden die wenigsten Lederwaren damit gekennzeichnet. Namhafte Markenhersteller wie Adidas, Nike, Lloyd oder auch Deichmann haben sich zudem in der Leather Working Group zusammengeschlossen. Die Gruppe hat sich zu einer nachhaltigen Lederherstellung verpflichtet, die die gesamte Wertschöpfungskette einschließt.
  • Annahme 2: „Die Lederherstellung zählt zu den wasserintensivsten Produktionsarten“
    Nein. Für die Lederherstellung wird ein virtueller Verbrauch von Wasser in Höhe von 16.458 Litern pro Quadratmeter Leder angegeben. Diese Zahl resultiert überwiegend aus der entsprechend hohen Wassermenge, die für das Graswachstum erforderlich ist, das wiederum für die Nahrungsaufnahme der Tiere nötig ist. Auch die Wassermenge, die ein Tier zum Leben braucht, fließt in diese Zahl ein. Der Wasserbedarf für die eigentliche Lederproduktion ist entsprechend geringer und in den vergangenen Jahren auch deutlich zurückgegangen. In einem nachhaltigen Gerbprozess werden heute nur noch zwischen 60 und 200 Liter Wasser pro Quadratmeter Leder verwendet, abhängig von der Recyclingquote des Prozesswassers und der Verfahren. Vergleichsweise wasserintensiv ist die Herstellung von vegetabilem Leder. Hierbei wird bereits ein großer Anteil allein für Anbau und Herstellung des pflanzlichen Gerbstoffs verwendet. Das ist auch ein Grund, warum die vegetabile Gerbung häufig in Kombination mit anderen Gerbverfahren genutzt wird.
  • Annahme 3: „Chromgegerbtes Leder ist umwelt- und gesundheitsschädlich“
    Nein. Die Gerbung mit Mineralsalzen wie Chrom ist nach wie vor die wichtigste Gerbmethode. Mehr als 80 Prozent der Rohhäute werden hiermit gegerbt. Die Chromgerbung ist unter Einhaltung aller Standards, der Verwendung hochwertiger Gerbstoffe und einer einfachen Prozessdisziplin nicht umweltschädlicher als andere Gerbmethoden. Chrom hat auch einige Vorteile: Aufgrund seiner molekularen Zusammensetzung ist das Mineral der effektivste Gerbstoff für Leder. Die Gerbung mit Chrom verläuft schneller als bei anderen Verfahren, das dabei entstehende Leder ist wesentlich thermostabiler und doppelt so reißfest wie etwa pflanzlich gegerbtes Leder und zugleich leichter. Auch im Nachgerbprozess werden deutlich weniger Nachgerbstoffe – also chemische Stoffe – eingesetzt als bei anderen Gerbverfahren.
  • Annahme 4: „Vegetabil gegerbtes Leder ist besonders umweltfreundlich“
    Nein. Jeder Gerbprozess hat Vor- und Nachteile hinsichtlich seines Einflusses auf Umwelt und Gesundheit. Neben der organischen Gerbung erleben pflanzliche Gerbmethoden eine Renaissance. Leder, die mit Gerbstoffen aus Olivenblättern, Kastanien oder der Rhabarberwurzel behandelt wurden, sind ein Trend. Das Prinzip hinter dieser uralten Gerbmethode ist einfach: Alle Pflanzen besitzen einen natürlichen Gerbstoff, der den Fäulnisprozess verhindert und zugleich Fressfeinde abhält. Basis des pflanzlichen Gerbstoffs sind Tannine – etwa Polyphenole der Gallussäure. Um den Pflanzengerbstoff aus Blättern für die Ledergerbung zu nutzen, muss die frische Pflanze verwendet werden, da sich die eiweißspaltende Wirkung anderenfalls verflüchtigt. Der Ertrag eines pflanzlichen Gerbstoffs aus Rinden ist etwas effizienter. Die Herstellung eines pflanzlichen Gerbstoffs ist wasserintensiv und der Gerbprozess zeitintensiv. Während die Chromgerbung innerhalb weniger Stunden abgeschlossen ist, kann der pflanzliche Gerbprozess einige Monate dauern.
  • Annahme 5: „‚Veganes Leder‘ (Kunstleder) ist umwelt- und gesundheitsfreundlicher als echtes Leder“
    Nein. Zunächst ist veganes Leder per Definition kein Leder, da es sich nicht um ein Substrat tierischen Ursprungs handelt. Die ersetzten Materialien bestehen aus Kunststoffen oder alternativen Naturprodukten. Viele Eigenschaften des Leders – seine Reißfestigkeit, Strapazierfähigkeit, Langlebigkeit und Atmungsaktivität – kann ein Ersatzwerkstoff kaum erreichen. Derartiges Kunstleder besteht aus erdölbasierten Rohstoffen; es kann von der Natur nur schwer abgebaut werden. Für die Herstellung der Lederalternative kann ferner nicht ausgeschlossen werden, dass chemische Stoffe wie Weichmacher verwendet werden müssen, damit die natürlichen Eigenschaften des Leders erreicht werden.

 

Die Eigenschaften von Leder sind einzigartig. Schließlich vereinen sie alles, was die Haut als natürliche Schutzschicht von Mensch und Tier in Tausenden Jahren der Evolution entwickelt hat. Leder ist elastisch, reiß- und zugfest, schwer entflammbar, isoliert und wärmt. Zugleich ist es atmungsaktiv, was ihm Vorteile gegenüber Synthetikprodukten verschafft. Darüber hinaus kann Leder in Form und Farbe individuell designt werden. Kurzum: Es ist ein extrem wandlungsfähiger Werkstoff. „Leder ist ein Produkt, das auf einen langen Nutzen ausgelegt ist. Wer einen Lederschuh kauft, sollte sich klar sein, dass er eigentlich nicht als Saisonware konzipiert ist“, meint Lederexperte Dietrich Tegtmeyer und fügt hinzu: „Bei richtiger Pflege halten Lederwaren jahrzehntelang und gewinnen im reifen Alter sogar an Charme und Attraktivität.“ Tegtmeyer kennt sich aus mit dem Luxuswerkstoff. Er ist beim Spezialchemiekonzern LANXESS für die Entwicklung im Bereich Crusting und Leather Industry Relations verantwortlich.

 

Do it Yourself: Umweltpreis für innovatives Gerbverfahren

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erfahren, die den gesamten Lederherstellungsprozess umweltfreundlicher und effizienter machen und die Optimierung von Lederchemikalien sind die Schwerpunkte des Chemikers. Erst kürzlich sind er und sein Team mit dem Deutschen Innovationspreis für Klima und Umwelt ausgezeichnet worden. In einem Gemeinschaftsprojekt mit dem Forschungsinstitut Invite und der niedersächsischen Gerberei Heller-Leder hat LANXESS eine modulare Anlage zur Gewinnung von umweltfreundlichen Nachgerbstoffen aus Lederresten entwickelt.

„Die Pilotanlage, die erstmalig bei Heller-Leder betrieben wird, ermöglicht es der Gerberei, einen unserer Nachgerbstoffe in Eigenregie aus Falzspänen sowie aus pflanzlicher Biomasse herzustellen“, erklärt Dietrich Tegtmeyer.

Falzspäne sind ein klassisches Restprodukt der Lederindustrie. Nur ein Drittel der Tierhaut wird tatsächlich zu Echtleder verarbeitet. Bei einer Gerberei mittlerer Größe fallen etwa ein bis zwei Tonnen Falzspäne pro Tag an. Durch das neuentwickelte Verfahren werden nun die Falzspäne vor Ort in einen Nachgerbstoff überführt und im Gerbprozess gleich wieder eingesetzt: ein perfektes Recycling im Recyclingprodukt Leder. Die höheren Kosten für die Eigenproduktion des biologisch abbaubaren und aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellten Nachgerbstoffs werden durch die eingesparten Kosten für Logistik und Entsorgung der Falzspäne kompensiert.

Der wichtigste Schritt in der Lederherstellung ist die Gerbung. Gerbstoffe sorgen dafür, dass die Tierhaut haltbar und geschmeidig wird. Sie stabilisieren die Kollagenmatrix der Haut, so dass das spätere Leder nicht schrumpelt oder hart wird. Ohne Gerbung würde die Rohhaut binnen weniger Tage verfaulen.

 

Beauty-Behandlung fürs Leder: Für eine glatte und straffe Haut

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chhaltigkeit ist inzwischen in der Lederindustrie essentiell – zumindest in Europa und Deutschland. „Sustainable Leather Management“ heißt eine Initiative für nachhaltige und ökologisch verträgliche Verfahren und Produkte, die der Spezialchemiekonzern LANXESS vor sieben Jahren ins Leben gerufen hat. Das Unternehmen unterstützt Gerber, damit sie Leder gemäß den gesetzlichen Bestimmungen und den individuellen Qualitätsansprüchen unterschiedlicher Marken herstellen können. Schließlich ist Leder nicht gleich Leder.

Für die Transportindustrie besonders im Bereich Flugzeug müssen Bezugsmaterialien eine hohe Flammwidrigkeit besitzen. Bei Leder ist das durch die chemische Struktur des Kollagens inhärent gegeben. Bei sorgfältiger Auswahl der weichmachenden Hilfsmittel können diese Kriterien auch ohne den Zusatz von Flammschutzmitteln erreicht werden.

 

Hohe Ansprüche:
Vom perfekten Schuh wird viel erwartet

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nsbesondere für Schuhe soll das Leder einen angenehmen Tragekomfort besitzen. Allein mit Blick auf den Outdoor-Trend ist der Anspruch an hochfunktionale und zugleich bequeme Schuhe das vorrangige Kundeninteresse. Der Outdoor-Schuh der Wahl muss wasserabweisend sein, leicht zu reinigen und atmungsaktiv. Die natürlichen Eigenschaften von Leder decken bereits viele dieser Funktionen ab, so dass im Gegensatz zu anderen Outdoor-Produkten auch keine perfluorierten Chemikalien eingesetzt werden müssen, damit diese Funktionalität gewährleistet ist. Doch ohne chemische Hilfsmittel geht es auch nicht. Schließlich soll Leder auch modische Trends bedienen. Glatt, glänzend, angerauht, weich – von Leder wird jede Menge erwartet. „Die Herausforderung ist, aus verschiedenen Ledern ein optisch einwandfreies und harmonisches Leder zu machen“, erklärt Michael Franken. Er leitet den Bereich Zurichtung im Bereich der Produktentwicklung für Lederchemikalien bei LANXESS. „Die Haut einer argentinischen Kuh sieht natürlich anders aus als die einer Rotbraunen aus dem Sauerland. Und wenn die Kuh an einem Stacheldraht hängenbleibt, hinterlässt das auch im Leder unschöne Narben.“

 

Anteile des in der Branche hergestellten Leders

  • 1

    40 – 45 % Schuhe

  • 2

    ∽ 20 % Automobilleder

  • 3

    ∽ 15 % Möbel

  • 4

    ∽ 8 % Kleidung

  • 5

    ∽ 8 % Taschen

  • 6

    ∽ 8 % Rest

  • 1
    40 – 45 % Schuhe
  • 2
    ~ 20 % Automobilleder
  • 3
    ~ 15 % Möbel
  • 4
    ~ 20 % Automobilleder
  • 5
    ~ 8 % Kleidung
  • 6
    ~ 8 % Taschen
  • 7
    ~ 8 % Rest

 

Die wenigsten Leder sind narbenfrei und deshalb auch die teuersten, obwohl sie am wenigsten nachgearbeitet werden müssen. Das Gros der Leder durchläuft hingegen eine Vielzahl an Schritten, bis es so aussieht, wie die Verbraucher es belieben. 50 bis 60 verschiedene Lederchemikalien sowie Fette kommen dabei zum Einsatz. Ein wesentliches Ziel der Initiative „Sustainable Leather Management“ ist es deshalb, die Verarbeitungsschritte so zu optimieren, dass Verbraucherinteressen und ökologische Verantwortung übereinstimmen. „Unser Ziel sind messbare Vorteile im Sinne verminderter Emissionen, neutralisierter Gesundheitsrisiken und eines reduzierten CO2-Abdrucks“, erklärt Dietrich Tegtmeyer und ergänzt: „Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit dürfen sich nicht entgegenstehen, und wenn dem doch so ist, dann bedeutet das, dass die Wertigkeit von Leder stärker ins Bewusstsein gerückt werden muss. Leder ist ein hochwertiges Handwerksprodukt.“

Leather Working Group
2005 haben sich verschiedene Akteure aus Industrie, Handel, NGOs und wissenschaftlichen Instituten zur Leather Working Group (LWG) zusammengeschlossen. Ziel der Multi-Stakeholder-Initiative ist es, die Lederverarbeitung transparent zu machen. Hierfür hat die LWG ein Audit-Protokoll für die nachhaltige und verantwortungsbewusste Lederproduktion entwickelt.

Derzeit haben sich in der Leather Working Group 160 Akteure unterschiedlichster Produktionsstufen entlang der Lieferketten von Lederartikeln aus 21 Ländern zusammengeschlossen, unter ihnen Markenhersteller wie Adidas und Nike aber auch Deichmann, H&M, Geox oder Timberland.

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Zur Umsetzung nachhaltiger Strukturen in der Lederindustrie vergibt die LWG Siegel in den drei Qualitätsstufen Gold, Silber und Bronze. Mit dem Gold Award werden Fabriken ausgezeichnet, die vorbildlich im Bereich Umweltschutz agieren. Zusätzlich wird die Transparenz in der Lieferkette von A bis C bewertet. Mit A wird bewertet, wer sein Leder bis zum Schlachthaus zurückverfolgen kann. Das Ranking erfolgt auf freiwilliger Basis. Auch sanktioniert die LWG keine Mitglieder, die notwendige Verbesserungen nicht umsetzen oder bei denen ein Fortschritt ausbleibt.

 

Eine Content Marketing-Lösung der F.A.Z. Media Solutions Manufaktur.
Für LANXESS.

Quelle: Was uns bewegt - Teil 4: Leder

Veröffentlicht: 15.12.2017 10:37 Uhr