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Gespräch : „Wir könnten so viel CO2 wie 50 Millionen E-Autos einsparen“

Bild: Marie Staggat

Professor Christian Küchen, Hauptgeschäftsführer des Mineralölwirtschaftsverbandes (MWV), zu den Chancen mit alternativen Kraftstoffen.

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          Herr Professor Küchen, mit der Brancheninitiative „Clean Fuels for All“ wollen Sie den Markthochlauf alternativer Kraftstoffe voranbringen. Was heißt das konkret?

           „Clean Fuels for All“ zeigt, dass bei einem zeitnah beginnenden Markthochlauf im Jahr 2050 bis zu 150 Millionen Tonnen erneuerbarer flüssiger Kraftstoffe in Europa hergestellt werden können. Damit ließen sich jährlich mehr als 400 Millionen Tonnen CO2 einsparen. 2035 wäre mit 100 Millionen Tonnen CO2-Reduktion ein Einsparpotenzial erreicht, das vergleichbar ist zu 50 Millionen E-Autos.

          Was hindert sie daran, einfach loszulegen?

          Das kostet eine Menge Geld. Die Gesamtinvestitionen werden bis 2050 schätzungsweise bei 400 bis 650 Milliarden Euro liegen. Die Produkte werden auch perspektivisch teurer bleiben als die fossilen Kraftstoffe, die sie ersetzen sollen. Für Investitionen in dieser Größenordnung benötigen wir daher verlässliche politische Rahmenbedingungen, die eine gewisse Sicherheit geben, dass diese höheren Kosten am Ende auch im Markt bezahlt werden. Wir haben konkrete Vorschläge, wie eine konsequente Umgestaltung der Steuern auf die Basis CO2, zusammen mit zusätzlichen Anreizen wie bei der Elektromobilität, die notwendige Investitionen auslösen. Dazu gehört auch ein verpflichtender Pfad zur schrittweisen Treibhausgasreduzierung der Kraftstoffe.

          Läuft die Zeit des Verbrenners nicht ohnehin ab?

          Eindeutig nein! Die trotz Coronakrise weiterhin hohen Zulassungsanteile für Pkw und Nutzfahrzeuge mit Verbrennungsmotor weltweit, in Europa und insbesondere auch in Deutschland belegen eindrucksvoll die ungebrochene Beliebtheit dieser Antriebsform. Und deshalb brauchen wir die alternativen Kraftstoffe.

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