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: Die Wiedergeburt des Tankwarts

Bild: microSNAP

Autos werden künftig autonom fahren. Da scheint es nur logisch, dass auch das Tanken ganz automatisch vonstatten gehen wird. Erste Prototypen von Laderobotern simulieren die Zukunft.

          Bis in die 1980er Jahre hinein war es gang und gäbe, dass der Tankwart das Auto mit Kraftstoff befüllte. Ein Service, der jedoch in kürzester Zeit fast komplett verschwand, als sich das Selbstbedienungskonzept durchsetzte. Seitdem tankt der Kraftstoffkunde vornehmlich selbst. Mit dem steigenden Marktanteil von Elektroautos könnte sich das jedoch bald wieder ändern und der Service zurück an die Tankstellen beziehungsweise Parkplätze kommen. Nur, dass der Tankwart dann wohl ein Roboter sein wird.

          Mehr Ladekomfort

          Der Mobilitätsvisionär Frank M. Rinderknecht meint, dass diese schöne neue Tankzukunft sogar für eine breitere Akzeptanz der Elektromobilität sorgen könnte: „Auch zu Hause wird der ‚Convenience-Faktor‘ bei vielen Menschen mit Elektrofahrzeugen eine Rolle spielen. Sofern mir der Ladeassistent die Arbeit abnimmt und selbständig ein- und ausstöpselt, profitiere ich nicht nur von einer vereinfachten Handhabung, sondern habe auch ein ‚cooles Gadget‘ in der Garage.“ Der Schweizer Vordenker ist Gründer und CEO der Ideenschmiede Rinspeed, mit der er immer wieder neue Visionen in Sachen Mobilität verwirklicht. Teil seiner neuesten Konzeptstudie „MicroSNAP“ ist ein automatischer Ladeassistent.

          „MicroSNAP“ stellt eine weiterentwickelte und verkleinerte Version des Rinspeed-Konzepts „Snap“ aus dem vergangenen Jahr dar. Die Grundidee ist jedoch geblieben: Das Gefährt besteht aus einem autonom fahrenden und elektrisch angetriebenen Fahrwerk, dem Skateboard, und einem wechselbaren Aufbau, dem Pod. Je nach Einsatzzweck kann der Pod eine Fahrgastkabine, eine Kühleinheit oder auch ein Transporterkasten sein. So kann die verschleiß- und alterungsanfällige IT-Technik im Fahrgestell bereits recycelt werden, während die Pods noch weiter – so lange wie ein Auto heute – genutzt werden. Den Austausch der Pods übernimmt eine automatische Roboterstation, ebenso wie das Laden der Batterie am Skateboard.

          „Vereinfacht gesagt, steckt der Ladeassistent den Stecker des Ladekabels auf Anforderung ohne weiteren menschlichen Eingriff in das am Elektrofahrzeug vorhandene Steckdosen-Inlett“, erklärt Günther Schulze, der zuständige Vertriebsverantwortliche bei der KUKA AG, die den Laderoboter in einem Forschungsprojekt gemeinsam mit Volkswagen entwickelt hat.

          „Der Fahrer kann dazu das Fahrzeug in einem großzügig bemessenen ‚Parkfenster‘ abstellen. Mittels der eingebauten Sensorik findet der Ladeassistent die Dose selbsttätig und führt die Steckung durch. Nach dem Ende des Ladevorganges löst der Ladeassistent die Steckverbindung und zieht sich auf seine Home-Position zurück.“

          Beim „MicroSNAP“ führt der Roboterarm den für die Fahrzeugstudie passenden Ladestecker von Harting ein. Darin sieht Schulze einen großen Vorteil des Roboter-Systems: Egal welches Steckersystem an Auto und Wallbox in der Garage vorhanden ist, der Roboter verbindet beide Komponenten ohne dass zusätzliche Technik im Fahrzeug nötig ist, wie das beispielsweise beim induktiven Laden ohne Kabel der Fall wäre.

          Autonom parken und laden

          Neben dieser Unabhängigkeit vom Wallboxhersteller und der Nutzung der Standard-Ladeschnittstelle nennt Schulze im Vergleich zu anderen Ladevorrichtungen noch weitere Vorteile des robotergesteuerten Ladeassistenten: „Er ermöglicht das automatisierte, konnektive Laden praktisch ohne Ladeverluste und stellt geringe Anforderungen an die Positioniergenauigkeit beim Parken.“ Der Experte geht davon aus, dass dem automatisierten Ladevorgang künftig noch wesentlich mehr Bedeutung zukommen wird: „Bei den heute erhältlichen Fahrzeugen steht sicher der Komfortgedanke im Vordergrund. Mit zunehmender Integration von Autonomiefunktionen – autonomes Parken wird heute schon von den Herstellern angekündigt – wird aus der Automatisierung des Ladevorgangs und bei anderen Energieträgern auch des Tankvorgangs eine ‚Muss‘-Funktion.“

          Auch für Autovisionär Frank M. Rinderknecht steht fest: „Völlig autonom fahrende Level-5-Fahrzeuge werden sinnvollerweise auch automatisiert geladen. Ob es konduktiv oder induktiv ist, entscheiden die lokalen Gegebenheiten. Beide Systeme haben Vor- und Nachteile.“ In Zukunft fährt das Auto dann fahrerlos ganz von selbst zum Ziel. Es sucht sich seinen Parkplatz im öffentlichen Raum oder in der heimischen Garage und parkt dort allein ein. Die Passagiere können vor dem Parkhaus aussteigen oder auch erst dann, wenn das Auto bereits geparkt hat. Während des Parkens wird das Elektroauto automatisch mit Strom versorgt bis die Batterie wieder für die Weiterfahrt gefüllt ist, entweder über eine Roboterladestation, die das Ladekabel einsteckt, oder induktiv über Magnetspulen im Boden und einem entsprechenden Empfänger an der Fahrzeugunterseite. Noch allerdings befinden sich alle diese Lösungen einer neuen Technikwelt im Pilotstadium. Ob und wann sie serienreif werden, ist ungewiss.

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