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: Fünf Trends für den Supermarkt der Zukunft

Bild: mast3r/abobestock.com

Worauf Händler achten müssen, damit die Verbraucher sich weiterhin für den stationären Handel entscheiden, statt Milch, Nudeln und Co. künftig online zu shoppen.

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          Die reine Netzrevolution bleibt aus 

          So schnell wie gedacht vergeht die Liebe der Deutschen zum stationären Handel wohl doch nicht und bleibt trotz Digitalisierung ungebrochen. Obwohl das Bedürfnis nach bequemen Lösungen mittlerweile sehr groß ist, bevorzugen die Deutschen beim Einkaufen noch immer das haptische Erlebnis. Hinzu kommt: Sie greifen auch gerne abseits des Einkaufszettels ins Regal, um neue Produkte auszuprobieren. Vor allem Lebensmittel möchten die Deutschen noch klassisch im Supermarkt kaufen. Für Händler und Hersteller wäre es also zu kurz gedacht, nur auf den Ausbau des Online-Handels zu setzen. Vielmehr muss die Devise lauten: den Vertrauensvorschuss in den stationären Handel einlösen und vor allem ausbauen. Das kann nur gelingen, wenn auch der stationäre Handel mit der Technologisierung, die bei den Online-Plattformen zu beobachten ist, Schritt hält. Durch seine enorm hohe Geschäftsdichte sind die deutschen Einzelhändler gerade prädestiniert, zum Vorreiter der Zukunft zu werden. „Entweder online oder stationär“ ist für Unternehmen hier keine Option. Was zählt, ist das „und“. Digitaler und stationärer Handel werden immer mehr miteinander verschmelzen.

          Technologie krempelt Kauf und Verkauf um

          Der Handel, insbesondere bei Lebensmitteln, muss intelligente Konzepte entwickeln, um den Anreiz für das vernetzte Einkaufen zu erhöhen. Digitale Hilfsmittel können das Einkaufserlebnis verbessern und für mehr Kundenzufriedenheit sorgen. Von Virtual Reality, über Augmented Reality bis zum Einsatz von Künstlicher Intelligenz: Die Käufer möchten gut informiert sein und detailliertere Angaben zu Produkten erhalten. Zunehmend benutzen sie immer öfter Online-Quellen, um sich vorab zu informieren und zu entscheiden, was sie wann, wo und wie kaufen. Ein Omnichannel-Ansatz ist im Handel deshalb unbedingt notwendig, um das Bewusstsein für die Marken und für den Einzelhandel zu stärken. Vom Einsatz der genannten innovativen Technologien profitieren nicht nur die Kunden selbst, sondern auch die Händler. Mit Virtual-Reality-Systemen lässt sich auch Marktforschung betreiben und das Einkaufserlebnis aus Kundensicht verfolgen. Welche Produkte kommen gut an, welche Position im Regal ist entscheidend? Händler und Hersteller können so die Sekunden vor der Kaufentscheidung direkt nachvollziehen und Sortiment sowie Präsentation optimieren. 

          Datenmanagement wird zum Muss

          Kundenpräferenzen und Trends verändern sich in rasanter Geschwindigkeit. Vernetzung und die Nutzung von Daten sind dabei die primären Treiber. Für Händler und Hersteller heißt das, ins Datenmanagement zu investieren. Um die heute sehr individuelle Einkaufsentscheidung, den sogenannte Path-to-Purchase jedes Kunden zu begreifen und zu beeinflussen, müssen Händler und Hersteller Daten künftig noch besser sammeln, analysieren und interpretieren. Sie müssen sich der Geschwindigkeit anpassen und integrierte Einkaufserlebnisse anbieten, die den Ansprüchen der Konsumenten entsprechen. Dadurch wird eine bessere Personalisierung für den einzelnen Kunden gewährleistet. Dieselben Daten geben Unternehmen dann auch ein besseres Gefühl dafür, wie ihre Marketinginvestitionen den Verkaufsergebnissen zugeschrieben werden, was ihnen hilft, zukünftige Kampagnen zu optimieren und zu individualisieren. Entscheidend für die Händler: Datenmanagement ist kein Add-on, sondern wird zukünftig immer mehr zum zentralen Bestandteil der Geschäftsstrategie. Aber: Die fortschrittliche Anwendung von Daten zur Personalisierung verstärkt jeden Fehltritt und erfordert aus diesem Grund ein Höchstmaß an Präzision, Sicherheit und Respekt für die Daten und ihre Verwendung.

          Treu sein ist – beinahe – out

          Weltweit sind Verbraucher immer auf der Suche nach Produkten und Lösungen, die ihr Leben vereinfachen und bequemer machen. Grundsätzlich sind sie dabei zunehmend offen für Neues und legen sich nicht mehr so langfristig wie früher auf eine Marke fest. Der Reiz der Innovation schlägt immer öfter die Vertrautheit mit einer gewohnten Marke. Der Wechsel von einer bereits bekannten zu einer neuen Marke kommt dem Hunger nach einem spannenden Einkaufserlebnis entgegen, das immer mehr Verbraucher suchen. Auch ein großer Teil der Deutschen gehört zu den sogenannten Markenentdeckern, die auf Abwechslung im Einkaufskorb setzen. Rund ein Drittel der Verbraucher zählen zu den Markenbeobachtern, die zwar den gewohnten Marken treu sind, aber Neuheiten interessiert beobachten. Grund für einen Wechsel ist häufig das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Produktqualität. Allerdings sind die Verbraucher bei einigen Produktsegmenten echte Gewohnheitstiere und bleiben altbewährten Marken treu: Vor allem bei Kaffee und Pflegeprodukten setzen die Deutschen noch besonders auf die gewohnten Labels.

          Verbraucher denken immer mehr an Nachhaltigkeit

          Ernährung ist für die Deutschen ein essentielles Thema und beeinflusst zunehmend ihre Wahl bei Lebensmitteln. Dabei spielen Nachhaltigkeit und Achtsamkeit eine immer größere Rolle. Was auf die Teller kommt, ist heute bei der Mehrheit der Käufer deshalb eine bewusste Entscheidung für Umwelt, Nachhaltigkeit, Tierschutz und Fair-Trade. Auffallend ist, dass gesundheitsorientiertes Essen dagegen aktuell etwas weniger Zuspruch findet als vor ein paar Jahren. Fett- und kohlenhydratarme Ernährung ist nicht mehr der wichtigste Entscheidungspunkt beim Kauf. Die Konsumenten achten stattdessen vermehrt darauf, dass sie den Fleischkonsum reduzieren. Das Bewusstsein für den Umweltschutz fängt aber bereits bei der Produktverpackung an. Immer mehr Käufer achten bewusst darauf, dass beim Einkauf weniger Verpackungsmüll anfällt. Die Deutschen sind außerdem Fans von Gütesiegeln und legen besonders Wert auf die Kennzeichnung von Qualität. Die Labels müssen allerdings transparent sein – undurchschaubare Herkunftssiegel verlieren deshalb immer mehr an Bedeutung. Besonders wichtig ist die Fair-Trade-Kennzeichnung, gefolgt von Bio-Siegeln und Kennzeichnungen für regionale Herkunft. Das gute Gewissen ihrer Kunden wird für die Händler in Zukunft immer wichtiger werden.

          Jens Ohlig ist Geschäftsführer von Nielsen DACH. 

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