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Große
Routen
Goethes Italienische Reise
Goethes
Italienische Reise
1786 — 1788
Teil 1/3
Teil 1__Kennst du das Land,
wo die Zitronen blühn
Sehnsuchtsort Italien – das süße Leben, abwechslungsreiche Natur und einzigartige Schätze der Kultur üben eine ungebrochene Faszination auf Reisende aller Welt aus. Mit dem Bericht seiner Italienischen Reise legte Johann Wolfgang von Goethe den Grundstein für das Italienweh der Deutschen.
Im September 1786 begab sich der Dichter auf die Grand Tour, die sein Leben für immer verändern sollte. Gefangen im trägen Alltag des Ministerlebens zog es ihn in das Land der Kunst und Kultur, das ihn seit der Kindheit begeisterte. Erst anderthalb Jahre später kehrte er heim als veränderte Person, die ihre Inspiration wiedererlangt hatte. Auf den Spuren eines außerordentlichen Menschen in einem außerordentlichen Land.
Wer möglichst nah am Dichterfürsten reisen möchte, sollte mit dem Reisemobil fahren. Gilt Goethe doch als einer der ersten Camper, da er recht komfortabel das eigene Reisebett in der Postchaise mitführte. Nur durch ein buchstäbliches Erfahren Italiens ist es möglich, seine umfassenden Einblicke, die er beim Durchqueren des Landes sammelte, zu teilen. Als bekannter Sammler hätte Goethe sicher die Möglichkeit geschätzt, im Reisemobil verschiedene Erinnerungsstücke und regionale Schätze, wie eine Kiste des Weins, den man so nur in Italien findet, einfach mitzunehmen, ohne sich über deren Gewicht Sorgen machen zu müssen.

„Ein köstliches Schauspiel, der Gardasee, den wollte ich nicht versäumen, und bin herrlich für meinen Umweg belohnt“
Torbole, den 12. September, nach Tische

Seine Freunde wünschte sich Goethe herbei, um in Torbole die Aussicht zu teilen. Heute ist es zum Glück leicht möglich, ein Foto oder Video mit den Daheimgebliebenen zu teilen. Mit einer Smartphone-Halterung an der Frontscheibe des Reisemobils lassen sich eindrucksvolle Zeitrafferaufnahmen machen, so dass sich später im Schnelldurchlauf, ganz ablenkungsfrei und kompakt, die Schönheit der Strecke wieder und wieder erfahren lässt.
Erwartungsvoll den Schildern nach, die den „Lago di Garda“ ausweisen, tut sich eine Lücke auf, und dann liegt er plötzlich da. Der See glitzert sanft in der Sonne, vom Scherenschnitt des Alpenpanoramas begrenzt. Zypressen stehen als expressive Striche inmitten der Landschaft wolkig begrünter Berge. Kleine Orte wirken wie um den See gestreut.
Hier bietet es sich an, die Via Santa Lucia, die einst die einzige Verbindung zwischen Nago und Torbole war, zu begehen. Die alte Römerstraße führt einen öffentlichen Olivenhain entlang, dessen Bäume zu den ältesten des Gardasees gehören und Goethe „nun wirklich in einem neuen Lande“ willkommen hießen.
Ein morgendlicher Spaziergang zum Piazza Goethe, an dem eben jener rastete, führt vorbei an Häusern mit Fensterläden in allen Farben, die sich dem letzten Rest der Bergkühle öffnen. Kleine Gassen, deren rasches Abknicken geheimnisvoll zum Erkunden einlädt, und mit schweren Blüten behangene Balkone machen den pittoresken Charme des Dorfes aus.
 

„Es ist der erste venezianische Ort an der Morgenseite des Sees“
Den 13. September, abends

Viel zu kurz ist die Fahrt nach Malcesine, lässt sich doch vom erhöhten Sitz aus dem Reisemobil heraus das bunte Treiben um den See so gut betrachten. Einem heftigen Wind ist es zu verdanken, dass Goethe während seiner Überfahrt des Gardasees hier an Land ging. Das Mediterrane, das sich in Nago-Torbole erahnen lässt, umarmt die Besuchenden in den glatt getretenen Kieselstraßen Malcesines bereits herzlich. Auf schmalen Gängen an natursteinernen Häusern und zahlreichen Ateliers vorbei, geht es zum majestätisch über dem See thronenden Castello Scaligero hinauf. Das alte Schloss mit seinem fünfeckigen Bergfried bescherte Goethe ein gefährliches Abenteuer: Beim Zeichnen der Ruinen halten ihn Einwohner für einen österreichischen Spion und holen eilig die örtliche Autorität herbei. Der Dichter entgeht nur knapp einer Verhaftung, indem er wortgewandt seine Begeisterung für das Gebäude teilt. Die Schilderung des Ereignisses in der Italienischen Reise verhalf Malcesine zu einigem Ruhm, so dass Goethe heute ein eigener Raum im Castello gewidmet ist.
Abends mit gutem Gewissen einen für die Region Venetien typischen Aperol Spritz zu trinken und am Morgen als erste Person im erfrischenden See zu baden ist hier, dank der nah am Wasser gelegenen Stell- und Campingplätze, leicht möglich.

„Alles, was nur kann, ist unter freiem Himmel“
Verona, den 17. September

Belebte Küstenorte reihen sich auf der Strecke nach Verona aneinander, zum Greifen nah säumen blühende Oleandersträucher den Blick auf den See. Seine Verabschiedung fällt erst schwer, doch die 73 Kilometer bis Verona führen den Reisenden die Kraft der italienischen Landschaft vor. Das satte Grün der Felder strahlt mit dem sanften Terracotta der Häuser und dem Taubenblau des Himmels um die Wette.
Fast scheint es, sie würde ihren weiten, rötlichen Körper hinter den Zedern und Pinienbäumen in der Mitte des mit Cafés gesäumten Piazza Bra verstecken. Die Arena di Verona war für Goethe eines der bedeutendsten Ziele, da sie, auch heute noch, eines der intaktesten Bauwerke der Antike ist. Ihre oberen naturbelassenen Reihen laden zum Verweilen ein; zum Beobachten derer, die zum ersten Mal das Amphitheater betreten und sich ehrfürchtig umblicken. Um das Gebäude jedoch in seinem eigentlichen Sinn verstehen zu können, empfiehlt es sich, eine der dort aufwendig aufgeführten Opern zu besuchen. Dieser Überzeugung war auch Goethe, da zum Maße die Arena gefüllt sein müsse und sie leer ihren Zweck verfehle.
 
 
 
 
Wer den Trubel der Stadt nicht scheut, findet am Piazza Bra leicht einen Platz in einem der vielen Cafés. Etwas weniger touristisch, aber dennoch mitten im regen Treiben, lässt sich auf dem Piazza delle Erbe das Tagesgeschäft der Marktstände beobachten, natürlich im Schatten mit duftendem Espresso und frischem Obst.
Während seines Aufenthalts ließ sich der Dichter durch die hellmarmorierten Straßen Veronas treiben, deren Häuser wirken, als würde ihnen ein eigenes Leuchten innewohnen. Selbst die Etsch (ital: Adige), die nahe des Reschenpasses entspringt und in die Adria mündet, fließt in einem stetigen Mint-Ton dahin.

„Wenn man nun diese Werke gegenwärtig sieht, so erkennt man erst den großen Wert derselben“
Vicenza, den 19. September

Unerlässlich für Goethe-Reisende ist ein Abstecher nach Vicenza, das nur etwa 50 Kilometer von Verona entfernt liegt. Vicenza ist, durch den dort ansässigen Schmuck- und Bekleidungshandel, eine der reichsten und vor allem schönsten Städte Italiens. Aufgeräumt und entspannt, ähnlich einer Kulisse, macht sie es den Besuchenden leicht, sich treiben zu lassen und sie a piedi zu erkunden. Niemand scheint in Eile zu sein. Das klassisch schlichte Stadtbild machen vor allem die zahlreichen Bauwerke Andrea Palladios aus. Dessen an der Antike orientierter Anspruch ästhetischer Ausgewogenheit brachte Goethe ins Schwärmen. Er lobte Palladio in den höchsten Tönen, bezeichnete ihn als von innen heraus großen Menschen.
Palladios wohl herausragendstes Bauwerk ist die Villa Rotonda, eine nach den Himmelsrichtungen orientierte, tempelartige Sommerresidenz, die der Erholung dienen soll. Heute noch in Privatbesitz befindlich, steht das Gebäude zur Besichtigung offen. Selbstbewusst wirft es seinen eigenen Schatten und lädt zum Beschreiten der vier Treppen ein, die einen einzigartigen Blick über das Umland offenlegen.
Beim Betrachten fällt es schwer, nicht neidisch zu sein auf die Personen, die ein solches Kunstwerk bewohnen dürfen. Etwas erinnern die elfenbeinfarbenen Gebäude in ihrer Ausgewogenheit jedoch an den eigenen fahrbaren Palast, der bereitsteht, das nächste Ziel zu erkunden.
Goethe betrachtete die Bauwerke Palladios als Vorbereitung für das Hauptziel seiner Reise. So beeilte er sich, nach Rom zu kommen, in die „Hauptstadt der Welt“. Zu Schiff fuhr er den Tiber entlang, nahe der Autostrada, die heute den schnellsten Weg nach Rom bietet. Beeindruckende Bauwerke vergangener Zeiten, wie die Cascata delle Marmore, zwei malerische Städte Umbriens, Spoleto und Terni, und Goethes Spuren in Rom erwarten die Reisenden im zweiten Teil der Großen Routen.
Praktische
Tipps

Maut

Die Autostrada in Italien ist meist mautpflichtig (durchschnittlich 7 ct pro km). Die Strecke vom Brenner bis nach Nago-Torbole kostet zum Beispiel etwa 13 €. Die Vignette (9,20 €) für Österreich gibt es in Tankstellen vor der Grenze und online, für den Brennerpass wird eine zusätzliche Maut (9,50 €) fällig.

Camping- und Stellplätze

Camping ist in Italien auf Campingplätzen, ausgezeichneten Stellplätzen (Area Sosta) und Bauernhöfen/Weingütern (Agricampeggio) möglich. Der Unterschied liegt vor allem im Komfort. Während Campingplätze sich mit vollausgestatteten Sanitäranlagen, Restaurants und Versorgungsstationen auch für längere, luxuriöse Aufenthalte eignen, ist eine Area Sosta eher für einen kurzen, spontanen Halt geeignet. Stromanschluss und Frischwasser gibt es dort selten.

Bei einer Reise in den Urlaubsmonaten Juli und August lohnt es sich, zeitig zu buchen. Campingführer-Apps (z. B. die ADAC Camping- und Stellplatzführer-App) helfen mit Bewertungen bei der Suche nach dem schönsten Platz. Ebenso schön und etwas spontaner reist es sich in der Nebensaison.

Besondere Stellplätze

Wer ein besonderes Erlebnis sucht, sollte einen Agricampeggio-Platz suchen. Dort kann es passieren, dass die Gäste abends von den Eigentümern auf ein Glas Wein eingeladen werden und die Möglichkeit haben, Produkte aus eigener Herstellung zu erwerben.

Wildcamping hingegen ist in Italien, wie in den meisten Ländern Europas, verboten und wird mit hohen Strafen geahndet.

Allgemeines

Gerade in beliebten Stadtregionen haben viele Parkplätze eine Höhenbeschränkung – etwas Planung am Vorabend mit Streetview oder Campingführern (online z. B. www.camping.info oder stellplatz.info) vermeidet das Suchen vor Ort.

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Italienische Reise

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Quelle: Caravaning

Veröffentlicht: 29.08.2019 12:49 Uhr