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Eine Serie über Management im Wandel

„Dafür braucht es

großen Mut“

Ilse Henne, CEO thyssenkrupp Schulte
über Künstliche Intelligenz

„Dafür braucht es

großen Mut“

Ilse Henne, CEO thyssenkrupp Schulte

über Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz verspricht höhere Effizienz, weniger repetitive Aufgaben für Mitarbeiter, bessere Prognosen von Kundenentscheidungen. Doch die Verunsicherung vieler Menschen ist groß. Wie Manager damit umgehen und wie sich ihre Arbeit selbst verändert, erläutert Ilse Henne, CEO des Werkstoffdienstleisters thyssenkrupp Schulte.

Zugegeben, jemanden wie die Belgierin Ilse Henne wird man im Werkstoffhandel wohl lange suchen müssen: Eine studierte Sprach- und Literaturwissenschaftlerin (Romanistik), die sich für den optimalen Lagerstand und die perfekten Lieferwege genauso begeistern kann wie für Reformpädagogik, die Möglichkeiten der Kommunikation. Und offensichtlich für gelborange strahlende Kleider. Das Thema Künstliche Intelligenz ist also bei ihr genau richtig aufgehoben. Oder?

Frage: Frau Henne, wie setzt thyssenkrupp Schulte bereits Künstliche Intelligenz ein?

 

Ilse Henne: Wir haben Algorithmen entwickelt, die uns helfen, den optimalen Bestand in unseren über ganz Deutschland verteilten Lagern zu berechnen. Das ist aber nur der Anfang, wir arbeiten schon an weiteren Anwendungsmöglichkeiten, unter anderem dem Pricing.

F: Warum haben Sie gerade im Lager mit K.I. begonnen?

H: Der Werkstoffhandel steht seit geraumer Zeit unter großem Margendruck. Dem kann man nur mit höherer Produktivität begegnen. Wir standen also vor der Herausforderung, die Lager zusammenzufassen, ohne dass dies zulasten von Kunden und unserem Vertrieb geht. Aber wann welche Ware bestellt werden muss, was wann wohin rausgeht – das ist alles sehr komplex. Zugleich haben wir sehr viele Daten vorliegen. Beste Voraussetzungen, dass Künstliche Intelligenz da bessere Entscheidungen treffen kann, als wir Menschen das bislang konnten.

F: Verliert der Mensch den Wettstreit Mensch gegen Maschine?

H: Das ist die falsche Frage. Es wird Bereiche geben, in denen Künstliche Intelligenz uns Menschen überlegen ist. Aber die Veränderungen sind viel komplexer. Zu Anfang habe ich gedacht, dass wir die Intelligenz der Menschen 1:1 in einer Maschine übersetzen können. Aber das funktioniert nicht. Maschinen sind eben keine Menschen. Maschinen arbeiten ganz anders und schöpfen darum auch anders Wert. Entsprechend verändern sich Prozesse und damit die Interaktion zwischen Menschen, die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine. Beide werden sich die Arbeit künftig anders „aufteilen“.

Menschen
und Maschinen

werden sich die Arbeit künftig anders „aufteilen“

F: Das nimmt vielen Mitarbeitern wahrscheinlich nicht ihre Unsicherheit. Sie sehen vielleicht, welche Arbeit durch Künstliche Intelligenz obsolet wird – aber nicht, wie dann ihre Rolle in der Zukunft aussieht. Wie begegnen Sie dieser Verunsicherung?

 

H: Die grundsätzliche Schwierigkeit ist: Wir müssen eine Zukunft beschreiben, die wir heute noch nicht kennen; eine Zukunft, für die wir auch noch keine Worte haben. Denn wie sehr sich unsere Arbeit und unser Leben verändert, und auf welche Art, das weiß heute noch niemand von uns. Ich wünschte, ich könnte diese Sicherheit geben, aber das geht nicht. Das wird auch nicht so schnell zu lösen sein, denn der Fortschritt ist so schnell. Ich versuche, als Managerin meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zweierlei zu vermitteln: erstens das Vertrauen in die Künstliche Intelligenz und zweitens den souveränen Umgang mit Komplexität.

F: Wieso ist das Vertrauen in die Maschine so wichtig?

H: Es ist so wie mit dem ersten Zug. Wenn sich damals nicht genügend Menschen getraut hätten, in den Zug zu steigen und der unbekannten Technologie zu vertrauen, würden wir heute noch mit der Pferdekutsche unterwegs sein. Das heißt für mich konkret: Ich muss mich auf die K.I. für unsere Lagerbestände verlassen. Wenn die Mitarbeiter sehen, dass ich immer noch mal persönlich alles nachprüfe, dann werden sie der Software nie vertrauen. Ich muss allerdings zugeben: Ich bin zwar so weit, etwas völlig der Maschine zu überlassen. Aber noch nicht so weit, dass mir dieses Loslassen leichtfällt. Wenn etwas schiefgeht, dann ist es ja meine Schuld – ich habe ja gesagt: Verlasst Euch auf die Technologie. Dafür braucht es ordentlich Mut.

Aber Vertrauen war für Henne nur ein Punkt. Der zweite war der souveräne Umgang mit Komplexität. Sollte K.I. nicht genau das leisten? Doch, aber der Weg dahin ist entscheidend, sagt sie.

 

H: Damit KI funktionieren kann, müssen wir Menschen auch die richtigen Fragen stellen. Wir stehen jedoch vor einem Meer von Daten, und die Maschine kann sehr viele Muster anzeigen. Um aber genau die Muster identifizieren zu können, die wirklich Wert schöpfen für das Unternehmen, dafür braucht es Menschen, die die richtigen Fragen an die Daten stellen, die mit Komplexität umgehen und das Wesentliche herausfiltern können.

F: Das wird nicht jeder können. Was geschieht mit diesen Beschäftigten?

H: Wer sagt, dass man das nicht lernen kann? Dagegen wehre ich mich, das will ich nicht einfach hinnehmen.

Ilse Henne ist ganz in ihrem Element. Sie berichtet begeistert vom Buch „Wer sagt, dass Elefanten nicht tanzen können“ vom Ex-IBM CEO Louis Gerstner und von den reformpädagogischen Ansätzen von Maria Montessori und Célestin Freinet.

 

H: Ich bin überzeugt, dass wir mit anderen Akzenten in der Ausbildung und einer offenen, optimistischen Unternehmenskultur sehr viel erreichen können. Unterschätzen wir nicht unsere Mitarbeiter/-innen! Mein Sohn war lange auf einer reformpädagogischen Schule. Da werden Selbstverantwortlichkeit, gegenseitige Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit gelernt – das sind genau Maximen, die uns auch beim Umgang mit Komplexität und Digitalisierung weiterhelfen. Wir müssen unseren Beschäftigten die Freiräume geben, die notwendigen Fähigkeiten zu entwickeln. Zugegeben, das ist angesichts eines hohen Produktivitätsdrucks nicht ganz einfach. Aber die Veränderung ist machbar, daran glaube ich ganz fest.

Selbstverantwortlichkeit, gegenseitige Verantwortlichkeit und Zusammenarbeit — das sind genau Maximen, die uns auch beim Umgang mit Komplexität und Digitalisierung weiterhelfen.

Zur Person

Die gebürtige Belgierin Ilse Henne kam nach dem Studium der romanischen Philologie als Einkäuferin zum Stahlhandel. Nachdem sie für ein belgisches Familienunternehmen in Frankreich tätig war, begann sie 1999 als Vertriebsleiterin von thyssenkrupp Christon. Schon mit 28 Jahren wurde sie dort zur Geschäftsführerin ernannt; seit 2012 leitete Henne als CEO den Bereich Westeuropa/Asien von thyssenkrupp Materials, bis sie Anfang 2016 CEO von thyssenkrupp Schulte wurde. Inzwischen hat sie nicht nur die Verantwortung für Deutschland, sondern auch wieder für gesamt Westeuropa im Werkstoffhandel von thyssenkrupp. Der Werkstoffdienstleister thyssenkrupp Schulte setzt mit 3.400 Mitarbeitern jährlich rund 2,4 Milliarden Euro mit über 70.000 Kunden in Deutschland um.

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Quelle: thyssenkrupp

Veröffentlicht: 27.09.2018 14:27 Uhr