https://www.faz.net/-ikm-9500o
Anzeigensonderveröffentlichung
Anzeigensonderveröffentlichung

So wollen wir
leben

Die große multimediale Reportageserie über alles,
was für ein gutes Leben wichtig ist

Teil fünf
Infrastruktur &
Wohnen

Urbane Mitte oder Bauernidylle, anonyme Freiheit oder nachbarschaftliche Nähe, Loft oder Haus mit Garten? Gerade junge Deutsche wollen sich nicht mehr zwischen diesen Polen entscheiden — und werden selbst kreativ.

Stadt, Land, alles im Fluss

Ein Einfamilienhaus zum Drumherumlaufen, modern aber individuell eingerichtet, naturnah und in Reichweite von Geschäften des täglichen Lebens und Arztpraxen: So stellen sich die meisten jungen Deutschen ihr Heim vor. Rund 242.000 Euro geben sie im Durchschnitt dafür aus. Doch was genau sie für diesen Preis bekommen, ist regional höchst unterschiedlich: Einmal drumherum laufen, das dürfte in München kaum möglich sein, denn in der bayrischen Hauptstadt sind gerademal 44 Quadratmeter Wohnung drin, in Berlin reicht es immerhin für 98 Quadratmeter Wohnfläche und in Erfurt werden daraus 149 Quadratmeter im eigenen Haus.

Noch extremer werden die Unterschiede deutlich, wenn man das durchschnittliche Haushaltsjahresnettoeinkommen in Verhältnis zum Kaufpreis setzt: In München muss der Käufer 12,7 Jahre arbeiten, um den Wohntraum zu verwirklichen, im thüringischen Wartburgkreis braucht er nicht einmal vier Jahresverdienste zu investieren. Logisch, dass es auch bei den Mieten ähnlich aussieht: Für drei Zimmer in guter Wohnlage in Erfurt oder Jena zahlen die Mieter gerademal halb so viel wie für ein vergleichbares Münchner Objekt.

Landschaft um Schloss Leuchtenburg, Thüringen

Einöde oder Rückzugsort?

Kein Wunder, dass Deutschlands hochpreisige Metropolen Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München und Stuttgart seit einigen Jahren wieder einen leichten Rückgang erleben. Doch was ist die Alternative zur Großstadt? Wohnen auf dem Lande hat in Deutschland ein eher zwiespältiges Image. Ihm haftet bis heute etwas Hinterwäldlerisches, ja Langweiliges an, weckt das Bild von Misthaufen und Kuhherden, aber nicht wirklich von Nachtleben oder gar kulturellen Höhepunkten.

Vor allem junge Menschen sehnen sich nach der Anonymität der Städte mit all ihren persönlichen Freiheiten, den beruflichen Möglichkeiten und dem ungleich größeren Freizeitangebot. Und doch kehren sie der Großstadt einige Jahre später nicht selten den Rücken, denn was beim Einstieg ins Berufsleben wenig erstrebenswert scheint, gewinnt mit der Familiengründung an Attraktivität: Neugierige Nachbarn stehen nun für soziale Anbindung und Sicherheit, die Abgeschiedenheit für einen entspannten Lebensstil. Ein bisschen Verklärung ist auch dabei: Das Land gilt seit jeher als Ort der Ruhe und der Selbstfindung, quasi der idyllische Gegenentwurf zur Stadt. Vielleicht wohnen deshalb mit 47 Millionen Menschen immerhin mehr als die Hälfte der Deutschen im ländlichen Raum ?

Warum lieber in der Stadt oder auf dem Land gelebt wird.

Gründe für das Stadtleben

Geschäfte des täglichen Bedarfs direkt in meiner Nähe

34,9

gute Verkehrsanbindung

19,6

Nähe zu meiner Arbeit

15,8

umfangreiches Kultur- und Sportangebot

11,6

umfangreiche Ausgehmöglichkeiten

7,6

sonstige

10,5
Gründe für das Landleben

Wegen der Natur und Ruhe

45,3

Eltern wohnen auf dem Land/geerbte Immobilie

21,7

Wegen einem Garten

9,7

Wegen der Familienplanung

6,6

Niedrige Immobilienpreise

6,2

Wegen des großen Platzbedarfs

1,9

Andere

8,5

Quelle: Social Trends Wohnen und Leben, April 2013 (Angaben in %)

Große Chancen in kleinen Städten

Doch muss man sich eigentlich immer entscheiden? Ein bisschen Landatmosphäre mit Stadt-Flair wünschen sich viele – und das ist die Chance der Klein- und Mittelstädte. Gerade sie locken mit geringen Kriminalitätsraten, einer überdurchschnittlich guten Infrastruktur an Freizeitmöglichkeiten, Kinderbetreuung und – das Pièce de Résistance – immer noch vergleichsweise niedrigen Mieten und Baupreisen.

Sie sind die Kompromisslösung für all jene, die das städtische Umfeld nicht missen wollen und trotzdem den entschleunigten Lebensrhythmus zu schätzen wissen. Erreichbar sind sie mittlerweile allemal, denn Deutschland schrumpft: Brauchte man 1965 noch mehr als neun Stunden, um mit dem TEE von Hamburg nach München zu reisen, sind es heute gerademal fünfeinhalb Stunden, und das sogar ohne Umsteigen. Noch ein wenig extremer ist die Veränderung der Strecke Berlin – Erfurt: Mehr als fünf Stunden zuckelte er im Jahr 1965 durchs Land, 2018 rauscht der Passagier auf der neuen ICE-Strecke nur noch eine Stunde und 40 Minuten durch die Landschaft. Und das hat nicht nur Auswirkungen auf den Reisekomfort: Immer weiter können Arbeitnehmer pendeln, die schlichte Auswahl „Stadt oder Land“ ist also längst einer ganzen Palette an Abstufungen gewichen.

Projekte wie das Genial Zentral (www.genialzentral-thueringen.de) helfen, den Trend zu verstärken: Seit fünfzehn Jahren unterstützt diese Initiative thüringische Kleinstädte bei der Nutzung innerstädtischer Brachflächen. 78 Projekte wurden mittlerweile auf den Weg gebracht – Platz für viele Neuzugänge.

Wieviel Jahresnettoeinkommen kostet ein Einfamilienhaus in ... ?

Quelle: Sparda Verband, Wohnen in Deutschland

Gemeinsam planen, gemeinsam wohnen

Aber auch in den Mittelstädten gibt es längst Bestrebungen, wieder für mehr soziale Nähe zu sorgen. Geradezu typisch für die neue Wohn-Kreativität ist das Projekt Ro70 eG in Weimar (www.ro70-weimar.de): Rund 200 Menschen haben sich hier zusammengetan, um die ehemalige Hufeland-Klinik aus den 1930ern nach 18 Jahren Leerstand in ein generationsübergreifendes Wohnprojekt zu verwandeln: „Wir sind eine Genossenschaft, das heißt, die Bewohner legen Anteile ein und erwerben damit ein Wohnrecht,“ erklärt Vorstand Michael März, „für diese Rechtsform haben wir uns entscheiden, weil es die urdemokratischste Alternative ist.

Michael März: „ Nachbarschaft ist uns wichtig, aber ohne Zwang. Die aktive Beteiligung ist freiwillig, wir sind ja keine Kommune.“

Planungsskizze, Draufsicht auf das künftige Wohnprojekt Ro70

 

Hier bestimmt nicht die Anlagesumme über die Beteiligung, sondern jedes Mitglied hat eine Stimme“. Von der Einteilung der Wohnungen bis zur Gestaltung der Gärten wurden alle wichtigen Aspekte in der Gemeinschaft entschieden und oft auch gemeinsam umgesetzt. „Nachbarschaft ist uns wichtig“ unterstreicht März, „aber ohne Zwang. Die aktive Beteiligung ist freiwillig, wir sind ja keine Kommune“. Der besondere Reiz ist freilich die Zusammensetzung: „Mittlerweile haben wir eine gute Mischung mit Menschen aus verschiedenen Lebensabschnitten, Familien, Singles, Senioren und eine Behinderten-Lebensgruppe. Aktiv ausgesucht haben wir in diesem Sinne nicht: Es kamen einfach die richtigen Leute zusammen, da haben wir vielleicht auch ein bisschen Glück gehabt“ erklärt der Bankangestellte weiter. Auch er selbst kam zufällig zum Projekt: „Anfang 2015 waren meine Frau und ich auf der Suche nach einer Wohnung. Auf dem Flohmarkt sahen wir einen Stand des RO70 – und haben uns gleich angesprochen gefühlt“.

Dass RO70 erfolgreich umgesetzt wird, ist übrigens keine Frage mehr: „Das Dach ist schon drauf, die Fassade ist da, im Spätsommer 2018 sollen die ersten Bewohner einziehen“. Den Idealvorstellungen der Deutschen wird das Wohnprojekt dank grüner Stadt-Lage und niedriger Preise übrigens durchaus gerecht. Nur die Sache mit dem drumherum Laufen dürfte bei mehr als 25000 qm Grundfläche etwas länger dauern.

mehr zum Thema
Kunst & Kultur in Thüringen
finden Sie hier:

So wollen wir leben

Lesen Sie demnächst auch die weiteren Teile der großen multimedialen Reportageserie

Eine Content Marketing-Lösung der F.A.Z. Media Solutions Manufaktur.
Für Freistaat Thüringen.

Quelle: Freistaat Thüringen

Veröffentlicht: 19.10.2017 10:57 Uhr