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So wollen wir
leben

Die große multimediale Reportageserie über alles,
was für ein gutes Leben wichtig ist

Teil vier
Kunst &
Kultur

Deutschland gilt als „Land der Dichter und Denker“ – und fürchtet doch insgeheim, das Interesse an Kultur und Literatur könne im digitalen Zeitalter einfach verschwinden. Doch wie steht es wirklich um das Verhältnis zur Kunst?

Ist das Rebellion oder schon Klassik?

Ins Theater gehen, Museen besuchen, Konzerte genießen: Jenseits aller Altersgrenzen gehören diese Freizeitaktivitäten für die meisten Menschen in Deutschland zum Leben dazu. Jeder Zehnte bescheinigt sich selbst sogar ein „sehr großes Interesse“ an diesen kulturellen Vergnügungen. Mindestens genauso wichtig ist jedoch die Frage nach der persönlichen Kreativität, quasi dem aktiven Kunstgenuss. Wie viele Menschen in Deutschland spielen eigentlich ein Instrument, greifen selber zu Pinsel und Farbkasten, schreiben vielleicht in den Abendstunden an einem eigenen Buch? Und wie viele lesen es dann?

Allen Unkenrufen zum Trotz steht der Buchmarkt gut da: Immerhin rund 72.000 Erstauflagen werden in Deutschland jedes Jahr verlegt und um die 355 Millionen Bücher verkauft. Damit ist der deutsche Buchmarkt gleich nach dem chinesischen und dem US-amerikanischen der drittgrößte weltweit. Rund ein Drittel aller Landesbürger malt zudem gerne, fast zehn Millionen Menschen über 14 Jahre spielen ein Instrument. Das klingt erst einmal viel, ist aber Anbetracht der Tatsache, dass immerhin jedes zweite Kind ein Instrument lernt, schon weniger beeindruckend, denn die Hälfte hört nach der Grundschule auf. Ist die Jugend von heute also kunstresistent und verdaddelt die Freizeit?

Die Statistiken geben Entwarnung: Gerade Jugendliche, digitale Versuchungen hin oder her, verwenden immerhin ein Drittel ihrer Freizeit für Malen, Musizieren, Dichten oder Schreiben. Solche hohen Werte erreichen nicht einmal die mit Zeit gesegneten Ruheständler, die nur zehn Prozent ihrer Zeit investieren. Bleibt die Frage: Was ist denn nun Kunst — und was zählen wir dazu?

Kunst provoziert

Dieser Frage mussten sich auch viele der etablierten Klassiker einst stellen – oft mit weitreichenden Konsequenzen. So musste Friedrich Schiller 1782 immerhin Hals über Kopf aus Württemberg fliehen. Der Grund: Sein Theaterstück „Die Räuber“, heute eine der schulischen Pflichtlektüren schlechthin, war der württembergischen Obrigkeit zu revolutionär. Herzog Karl August von Sachsen-Weimar-Eisenach im heutigen Thüringen hatte damit keine Probleme.

Er regierte in seinem Großherzogtum nach den Grundsätzen des aufgeklärten Absolutismus und gab seinem Land als Erster 1816 eine Verfassung, die den Untertanen Pressefreiheit und Meinungsfreiheit garantierte. Eine geradezu unerhörte Haltung in den Augen vieler Regenten und ein Anziehungspunkt für die Dichter und Denker der Weimarer Klassik wie Schiller, Goethe, Herder, Fichte und viele andere, deren Werke oft als Provokation wahrgenommen wurden. So betrachtet, dürfen sich die Jungen von heute entspannt zurücklehnen: Manch eine neue Kulturform, die heute noch mit Skepsis betrachtet wird, könnte in gar nicht allzu ferner Zukunft ein echter Klassiker werden. Gut möglich, dass Schiller heute seine Werke auf einem Poetry Slam vorführen würde – und sich erst einmal gegen die etablierten Künste durchsetzen müsste.

Zeitverwendung für Kultur
und kulturelle Aktivitäten

Kulturelle Aktivität
Stunden pro Woche
Fernsehen und Video/DVD schauen 14:27
Lesen 3:46
Bereich "Spiele" 1:50
Kulturelle Veranstaltung/Einrichtungen 1:32
Radio, Musik- oder andere Tonaufnahmen hören 0:31
Künstlerische Tätigkeiten 0:21

 

Quelle: Zeitverwendungserhebung 2012/2013; Personen ab 10 Jahre; eigene Berechnungen

Neuer Groove vor klassischem Hintergrund

Das Nebeneinander von alter und neuer Kultur kann natürlich auch gelingen: Während die Touristen im thüringischen Weimar auf den Spuren von Schiller und Goethe wandeln, die historische Sammlung der Anna Amalia Bibliothek mit ihren rund einer Million Büchern bewundern, in Bachs Heimatregion den Konzerten während der Bachwochen lauschen oder die Eindrücke bei einem Gourmet-Mahl sprichwörtlich verdauen, lockt die Region heute auch mit zahlreichen modernen Festivals wie dem Urban Art Festival Wallcome in Schmalkalden und der zweimonatigen Kulturarena Jena. Das Open-Air-Festival „Sonne, Mond und Sterne“ (www.sonnemondsterne.de) in Saalburg zieht alljährlich rund 35.000 Besucher an und gehört damit zu den größten Europas.

Kein Wunder, dass das moderne Thüringen auch für groovige Beats steht: „Das Dreieck Erfurt – Gera – Jena ist der Geburtsort der House-Musik in Thüringen und bis heute ein Hotspot geblieben“ erzählt Mathias Kaden, 36. Der DJ ist ein fester Teil der lokalen Musik-Szene, auch wenn er mittlerweile für seine Auftritte rund um den Erdball jettet. Die ersten Gigs absolvierte der Geraer mit 17 Jahren auf kleineren Partys in Gera und ab 1999 im Club Muna in Bad Klosterlausitz, 2003 kam die erste Platte mit dem ebenfalls thüringischen Liveact Marek Hemmann. Heute ist er weltweit unterwegs, in Deutschland natürlich, aber auch in Übersee: „Im Januar geht es wieder einmal zwei Wochen nach Lateinamerika.

Mathias Kaden bei einem seiner Gigs

Mathias Kaden: "Ich brauche die Erdung, die Ruhe,
meine Freunde — und die sind in Gera."

Rathaus-Turm, Gera

Außerdem wird es 2018 in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut einen DJ Workshop in Japan geben“. Allerdings macht er keinen Hehl daraus, dass er genauso gerne zurückkommt. „Ich brauche die Erdung, die Ruhe, meine Freunde – und die sind in Gera. Hier bin ich zu Hause, da verliere ich mich nicht so sehr. Ich bin da sehr heimatverbunden.“ Logisch, dass man ihn auch heute noch ab und an in seinem Heimat-Club Muna in Bad Klosterlausitz erleben kann. Nur bis zum Status des Klassikers dürfte es noch ein wenig dauern.

Öffentliche Ausgaben der Länder für Kultur

Grundmittel, je Einwohner/-in
  1. Hamburg: 194 €
  2. Sachsen 192 €
  3. Berlin: 175 €
  4. Bremen: 161 €
  5. Thüringen: 140 €
  6. Sachsen-Anhalt: 123 €
  7. Hessen: 107 €
  8. Baden-Württemberg: 107 €
  9. Bayern: 105 €
  10. Brandenburg: 99 €
  11. Mecklenburg-Vorpommern: 97 €
  12. Nordrhein-Westfalen: 89 €
  13. Saarland: 78 €
  14. Niedersachsen: 71 €
  15. Schleswig-Holstein: 69 €
  16. Rheinland-Pfalz: 65 €

Höhere Ausgaben
Niedrigere Ausgaben

Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistisches Jahrbuch 2017, Angaben aus 2013

Das Interview mit Maria Groß

„Ohne Scheu deftig würzen“

 

Maria Groß, Jahrgang 1979, ist im thüringischen Straußfurt aufgewachsen – und erst spät zur Kochkunst gelangt. Mit 25 Jahren brach sie das Studium der Philosophie und Germanistik ab, um eine Kochlehre zu beginnen. Es folgten zahlreiche hochkarätige Stationen in Deutschland und der Schweiz. 2013 zog es Maria Groß wieder zurück in die Heimat: Als Küchendirektorin des Erfurter Kaisersaals und Chefin des Restaurants Clara wurde sie 2013 als jüngste Köchin Deutschlands mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet.

Frage: Ist Kochen eine Kunst wie Malen oder Musizieren?

Maria Groß:
Ich würde das nicht unbedingt so hoch aufhängen, man kocht ja schließlich erst mal, um satt zu werden. Und Kunst entsteht nicht unbedingt, weil man sich fest vornimmt, Kunst zu erschaffen, sondern aus einem Reifeprozess. Kochen ist für mich eher ein Kunsthandwerk, das oft erst durch Gastro-Kritiker abstrakt wird.

Frage: Trotz des Michelin-Sterns haben Sie 2015 das Restaurant Clara verlassen und kochen nun in der Bachstelze. Warum?

Maria Groß:
Ich glaube, die Haltung zum Michelin-Stern ist so eine Männersache. Ich habe mich natürlich über die Auszeichnung gefreut, aber ich lasse mich nicht vom Ehrgeiz geißeln. Neben der Clara war ich auch für den Kaisersaal mit seinen rund 1000 Sitzplätzen zuständig, da ging es irgendwann weniger darum, den Stern zu halten, als den Gesamtstress auszuhalten. Das erheblich kleinere Erfurter Traditionslokal Bachstelze habe ich vor zwei Jahren übernommen. Mein Ziel ist es, die Thüringer Wirtshauskultur wiederzubeleben.

Frage: Braucht man einen geschulten Gaumen, um Ihre Kreationen zu genießen?

Maria Groß:
Ich halte nicht viel von diesem arroganten Ansatz. Natürlich wünsche mir, dass ein geschulter Gaumen meine Küche wertschätzen kann, aber auch der Mensch, der sich nicht mit Küche auskennt, soll seine Freude haben und sich bei uns wohl fühlen.

Frage: Jeder kennt thüringische Bratwürste und thüringische Klöße... und sonst?
Was macht die thüringische Küche aus?

Maria Groß:
Klöße und Bratwurst gehören unbedingt dazu, das ist schon richtig. Aber darauf sollte man Thüringen nicht reduzieren. Wir haben eine so vielfältige Landwirtschaft und können regionale und saisonale Produkte verwenden, das ist Qualität und Geschmack natürlich zuträglich. Das Mehl unseres Bäckers stammt beispielsweise aus der Mühle vom Nachbardorf, das Fleisch kaufen wir bei lokalen Höfen. Geschmacklich bedeutet thüringische Küche, ohne Scheu deftig zu würzen.

Frage: Wie würden Sie Ihre Kochkunst in wenigen Worten zusammenfassen?

Maria Groß:
Bodenständige Küche, also ganz alltägliche Gerichte, aber mit einer kleinen Besonderheit, die das Aha-Erlebnis ausmacht. Die Optik ist untergeordnet. Natürlich soll das Essen gut aussehen, aber wichtig ist: Mach die Augen zu, iss langsam – was schmeckst du? Berührt dich das?.

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Lesen Sie demnächst auch die weiteren Teile der großen multimedialen Reportageserie

Eine Content Marketing-Lösung der F.A.Z. Media Solutions Manufaktur.
Für Freistaat Thüringen.

Quelle: Freistaat Thüringen

Veröffentlicht: 19.10.2017 10:57 Uhr