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So wollen wir
leben

Die große multimediale Reportageserie über alles,
was für ein gutes Leben wichtig ist

Teil drei
Familie &
Bildung

Abwechselnde Elternzeit, Patchwork-Familien, gleichberechtigte Erziehung: das Familienleben ist in den letzten Jahrzehnten vielfältiger geworden, die Verwirklichungsmöglichkeiten sind größer denn je – und trotzdem kehren viele junge Familien zu klassischen Lebensmodellen zurück. Doch in Sachen Betreuung und Vereinbarkeit von Familie und Beruf bewegt sich viel.

Familienfreundlichkeit zählt

Als Friedrich Fröbel 1840 im thüringischen Bad Blankenburg den ersten Kindergarten Deutschlands eröffnete, ging es ihm vor allem um die frühkindliche Förderung: Das spielerische Entdecken der Welt war damals ein geradezu revolutionäres Konzept, das seither ein wichtiges Grundthema der Pädagogik ist. Ganz nebenbei brachte die qualifizierte Kinderbetreuung nicht nur einen „Bildungsvorschub“, sondern langfristig auch neue Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt. Allen gesellschaftlichen Veränderungen und verbesserten Ausgangsbedingungen zum Trotz – Frauen stellen mittlerweile die Hälfte der Hochschulabgänger – sind es in Deutschland allerdings auch heute oft noch die Mütter, die sich überwiegend um die Kinder kümmern.

Die Kluft zwischen Wunsch
und Realität

Dabei starten die Jungen mit guten Vorsätzen ins Familienleben: Fast zwei Drittel aller Väter von unter Sechsjährigen würden gerne mindestens die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen – und nur 18% tun es letztlich. Die Gründe dafür sind vielfältig, berufliche Einschränkungen dürften jedoch eine große Rolle spielen. Nicht zuletzt liegt es daran, dass die üblichen Kinderbetreuungszeiten nicht zwingend den gesamten Arbeitstag abdecken oder nicht genügend Plätze vorhanden sind. Immerhin 83% aller deutschen Eltern wünschen sich mehr Betreuungsplätze.

In dieser Hinsicht tut man sich in Thüringen um einiges leichter: Etwas mehr als die Hälfte aller Kinder unter drei Jahren werden dort betreut, während es in den westdeutschen Bundesländern nur 28% sind. Eine wichtige Rolle spielt hier die Ausstattung mit Krippen- und Ganztagesbetreuungsplätzen. Besonders wichtig ist dieses Angebot für die wachsende Zahl alleinerziehender Eltern – immerhin ein Fünftel aller Kinder wächst in einem Alleinerzieher-Haushalt auf.

Unternehmensmonitor
Familienfreundlichkeit

Welche der folgenden Maßnahmen bietet Ihr Unternehmen für die Beschäftigten bereits heute an?
Anteil der Unternehmen mit einer bestimmten familienfreundlichen Maßnahme, in Prozent
(aus dem Jahr 2015)

Teilzeit

89,3%

Individuell vereinbarte Arbeitszeiten

75,9%

Vertrauensarbeitszeit

46,6%

Jobsharing

14,2%

Sabbaticals

10,0 %

Die ausdrückliche Ermunterung von männlichen Mitarbeitern,
Elternzeit zu nehmen

13,9 %

Unterstützung bei der Kinderbetreuung
(z.B. finanziell, Tagesmütterservice)

15,7 %

Betriebliche Kinderbetreuung

2,1 %

 

* Die Tabelle weist die Anteile der Unternehmen mit einer bestimmten familienfreundlichen Maßnahme im Jahr 2015 und gegebenenfalls den Vorgängererhebungen mit gleichem Befragungsitem aus.

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2016

Gleichberechtigung durch Flexibilität

Doch auch Unternehmen können ihren Teil dazu beitragen, dass junge Familien individuelle Lösungen in Sachen Betreuung finden: „Wir bieten unseren Mitarbeitern mehr als 30 unterschiedliche Arbeitszeitmodelle“, berichtet Thomas Kaeser, Vorstandsvorsitzender bei Kaeser Kompressoren. „Am Standort Gera zum Beispiel befindet sich gerade einer der Mitarbeiter in Elternzeit und kommt währenddessen einen Tag pro Woche ins Büro. Ein anderer, ein Vater von fünf Kindern, arbeitet flexible Teilzeit.“ Ähnlich flexibel zeigt man sich auch bei der ZF Friedrichshafen AG: „Wir haben am Standort Gotha Arbeitszeitmodelle entwickelt, die es Eltern ermöglichen, ihre Kinder umfassend zu betreuen. Das gilt beispielsweise für den bedarfsgerechten täglichen Arbeitsbeginn als auch für die Gestaltung eines Schichtmodells mit einer dauerhaften Normalschicht.“

Im thüringischen Ilmenau trägt das Unternehmen BN Automation AG „durch flexible Arbeitszeiten, Teilzeitarbeitsmodelle, Möglichkeiten zur Heimarbeit, Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen und der Zahlung von Kindergartenzuschüssen den Bedürfnissen von Müttern und Vätern Rechnung“, unterstreicht Heiko Nikolaus, der dort als Prokurist arbeitet. „Ein gutes Beispiel für die gelungene Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist die Mitarbeiterin Kristin Jacob. Sie stand vor der Herausforderung, ihre Zwillinge zu betreuen und zugleich fest im Berufsleben zu stehen. Dies gelang durch die Einrichtung eines Homeoffice-Arbeitsplatzes und die Zuordnung von Tätigkeiten, die eine hohe Flexibilisierung der Arbeitszeit ermöglichen. Heute ist Kristin Jacob, nach der Absolvierung eines zweijährigen Nachwuchsförderkreises, Gruppenleiterin Konstruktion und führt vier Mitarbeiter in ihrem Team.“

Kristin Jacob, BN Automation, Ilmenau:
„Familie und Beruf sind machbar — wenn die Unterstützung passt.“

Betreuung endet nicht mit dem Kindergarten

Spätestens bei der Einschulung müssen sich junge Eltern gleich zwei großen Fragen stellen: Welches Bildungsmodell passt zu meinem Kind? Und was passiert am Nachmittag? Bei allen öffentlichen Diskussionen um Krippen- und Kita-Plätze wird oft übersehen, dass der Betreuungsbedarf mit der ersten Klasse nicht aufhört – wer will schon seinen Sechsjährigen tagtäglich als Schlüsselkind unbeaufsichtigt lassen? Das Bundesland Thüringen hat darauf mit einer Hortplatzgarantie reagiert: Bis zum Ende der Grundschulzeit ist die qualifizierte Nachmittagsbetreuung gesichert. Kein Wunder, dass die Ganztagsbetreuungsquote dort fast viermal so hoch ist wie im Westen Deutschlands.

Pro-Kopf-Ausgaben Bildung — Ranking

Das Handlungsfeld Ausgabenpriorisierung zeigt an, wie viele Finanzmittel ein Bundesland in seine Bildungssysteme pro Kopf investiert — verglichen mit den Pro-Kopf-Gesamtausgaben des Landes.
  1. Thüringen
  2. Bayern
  3. Sachsen
  4. Hamburg
  5. Sachsen-Anhalt
  6. Niedersachsen
  7. Saarland
  8. Rheinland-Pfalz
  9. Mecklenburg-Vorpommern
  10. Baden-Württemberg
  11. Hessen
  12. Brandenburg
  13. Schleswig-Holstein
  14. Berlin
  15. Nordrhein-Westfalen
  16. Bremen

Besser
Schlechter

Quelle: INSM Bildungsmonitor `17

Das Interview

„Jedes Kind ist einzigartig“

 

In Bildungsvergleichen wie der Pisa-Studie schneidet Thüringen sehr gut ab und darf sich über einen zweiten Platz unter allen deutschen Bundesländern freuen. Gute Schulen sind in Thüringen also keine Seltenheit – doch was macht den Unterschied? Cornelia Schäfer, Leiterin der Evangelischen Grundschule Erfurt, kennt die Herausforderungen aus dem eigenen Alltag:

Frage: Was macht für Sie eine gute Schule aus?

Cornelia Schäfer:
Das Miteinander von Pädagogen, Schülern und Eltern ist essentiell. Nur wenn die Zusammenarbeit klappt, kann eine Schule wirklich erfolgreich sein. Genauso bedeutsam ist aber auch die individuelle Leistungsbewertung der Kinder: Wir vergeben keine Noten, sondern für alle Lernstandstests, Wochenpläne und Zeugnisbriefe gibt es individuelle Rückmeldungen. Die Kinder erhalten ein ausführliches Lernberichtsbuch, in dem ihre Leistungen eines halben Jahres dokumentiert sind. Auf dessen Grundlage wird der Leistungsstand mit dem Kind selbst und den Eltern besprochen. Die Kinder schätzen sich dabei auch erst einmal selbst ein: Wie hat das in letzter Zeit mit dem Lernen geklappt? Gleichzeitig ist Wissen für uns enorm wichtig. Mathematische Inhalte sind beispielsweise nicht diskutierbar.

Frage: Warum haben Sie sich für ein Konzept nach den Grundlagen der Jenaplan-Pädagogik entschieden — und was bedeutet das konkret?

Cornelia Schäfer:
Wir sind eine evangelische Schule, uns liegt also das christliche Menschenbild zugrunde. Da haben wir uns bei der Gründung der Schule natürlich gefragt: Welche Pädagogik ist geeignet, dies abzubilden? In dieser Hinsicht ist der „Jenaplan“ des Pädagogen Peter Petersen ideal. Die Grundidee ist: Jedes Kind ist einzigartig, jedes Kind ist wichtig und die Schule eine Lebensgemeinschaft. Konkret bedeutet das, dass in den ersten beiden Jahren altersgemischt unterrichtet wird. unterrichtet wird. Die Kinder lernen, Unterschiedlichkeit als normal zu begreifen. Neben dem Blockunterricht in Mathe und Deutsch gibt es die Wochenplanarbeit. Dies sind differenzierte Kurse wie „Mathe für Asse“, „Mathe-Bausteine zur Vertiefung“, Kunst, freies Schreiben oder Sprachfähigkeit, um nur einige zu nennen.

Frage: „Sprachfähigkeit und freies Schreiben" — das klingt schon sehr tiefgreifend. Was steckt dahinter?

Cornelia Schäfer:
Die Kinder sollen verstehen, wie Sprache aufgebaut ist, sich mündlich und schriftlich ausdrücken können – auch schwierige Sachverhalte. Das ist unglaublich förderlich für die intellektuelle Entwicklung. Auch die Rechtschreibung ist uns sehr wichtig.

Frage: Welche Rolle spielt die Musik im Schulalltag?

Cornelia Schäfer:
Für unsere Schulgemeinschaft, für das Zusammengehörigkeitsgefühl ist das gemeinsame Musizieren eine gute Basis. Neben dem regulären Unterricht bieten wir ein großes Zusatzangebot, darunter sehr viele musikalische Elemente wie Geigen-, Gitarren-, Flöten-, Trommel- oder Keyboard-Unterricht. Gleichzeitig sollen die Kinder durch die Musik Möglichkeiten erhalten, sich zu beweisen. So ein Auftritt vor vielen Menschen, das ist eine echte Herausforderung für ein Kind, schon allein wegen des Lampenfiebers. Das gibt Selbstbewusstsein für ein ganzes Leben.

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Familie & Bildung in Thüringen
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Lesen Sie demnächst auch die weiteren Teile der großen multimedialen Reportageserie

Eine Content Marketing-Lösung der F.A.Z. Media Solutions Manufaktur.
Für Freistaat Thüringen.

Quelle: Freistaat Thüringen

Veröffentlicht: 19.10.2017 10:57 Uhr