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Eine dicke Jacke
für den Winter

Viele Flüchtlinge aus Syrien leben derzeit im Nachbarland Jordanien. Doch auch hier wird das Leben zur Belastungsprobe, wie die Geschichte von Imans und Hassans Familie zeigt. Die Corona-Pandemie verschärft die an sich schon angespannte Lage weiter.

Seit Iman vor sechs Jahren vor dem Krieg in Syrien nach Jordanien floh, steht sie jeden Winter vor demselben Dilemma: Soll sie mit den wenigen Dinar, die ihr Mann Hassan verdient, warme Kleidung für ihre vier kleinen Kinder kaufen oder lieber eine Kartusche Gas, um die Wohnung zu heizen? Und wie viel Geld bleibt dann noch übrig für Fladenbrot, Gemüse und Reis?

Es sind Fragen, die sich Eltern eigentlich nicht stellen sollen müssten. Und doch könnten sie für Iman, Hassan und viele andere Familien in Jordanien in diesem Corona-Jahr besonders drängend werden.

Rund 750.000 Geflüchtete sind in Jordanien registriert – in einem Land, das selbst lediglich zehn Millionen Einwohner zählt. Manche sind seit Jahren in einem der vier großen Flüchtlingslager untergebracht. Die meisten Familien aber haben inzwischen in privat vermieteten Wohnungen in der Hauptstadt Amman und anderen Städten Unterschlupf gefunden. Darunter sind nicht nur Flüchtlinge aus Syrien, sondern auch aus dem Jemen, dem Irak und Somalia.

„Die Familien können sich meist nur einfache Wohnungen in den Armenvierteln leisten“, erklärt Lilly Carlisle vom Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR). „Im Winter wird das Leben dort zur echten Belastungsprobe.“

Auf den heißen und trockenen Sommer folgen in Jordanien kalte und nasse Monate. Im Dezember und Januar fallen die Temperaturen nachts mitunter unter den Gefrierpunkt, an manchen Tagen herrscht Dauerregen.

„Viele Häuser, in denen die Flüchtlinge leben, sind nicht für diese Temperaturen gebaut. Sie sind nicht isoliert und haben keine richtige Heizung. Das Dach leckt, die Fenster sind undicht, es zieht und schimmelt“, sagt Carlisle.

Auch die Wohnung von Iman und Hassan ist nicht winterfest. Zwar ist das Dach nicht mehr undicht, so wie in ihrer letzten Unterkunft, aber kalt und feucht ist es auch jetzt. „Wir können nur einen Raum mit einem kleinen Gasofen aufwärmen, der leider nicht mehr richtig funktioniert“, sagt Iman. Eigentlich brauchten sie einen neuen Ofen. Auch einen Wasserboiler für das Badezimmer würden sie gerne kaufen, damit sie im Winter nicht mit eiskaltem Wasser duschen müssen. Für beides aber ist kein Geld da.

Die Miete für die Wohnung kann die Familie dank einer Corona-Hilfe des UNHCR gerade so stemmen. Ansonsten lebt sie von dem, was der gelernte Ingenieur Hassan verdient. Er leidet unter einer Augenerkrankung und kann nur unregelmäßig arbeiten. Wie viele Syrer in Jordanien schlägt er sich als Tagelöhner durch, hilft auf Baustellen aus oder übernimmt einfache Handwerksarbeiten. Doch in diesem Jahr brachen auch die wenigen Aufträge weg, die er davor noch hatte.

Viele Länder im Nahen Osten haben mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen. Ein harter Lockdown im Frühjahr half in Jordanien zwar, die Infektionszahlen relativ niedrig zu halten, ließ aber die Zahl der Arbeitslosen nach oben schnellen. Fast jeder zweite Syrer in Jordanien hat laut UNHCR in diesem Jahr seinen Job verloren.

„Das Virus selbst ist für die Geflüchteten keine größere Bedrohung als für andere Menschen in Jordanien, weil alle Zugang zum Gesundheitssystem haben. Aber sie leiden besonders stark unter den wirtschaftlichen Folgen“, erklärt Lilly Carlisle.

Vielen Familie fehlt es nun an Geld, um Planen für die Dächer kaufen oder kaputte Fenster flicken zu können. Selbst für warme Kleidung wird es bei vielen nicht reichen: „Ich würde meinen Kindern gerne dicke Jacken kaufen, damit sie im Winter nicht so frieren“, sagt Iman.

Um die Geflüchteten mit dem Allernötigsten zu versorgen, stellt das UNHCR Thermodecken, Plastikplanen und Winterkleidung zur Verfügung. Auch die Unterkünfte in den Flüchtlingslagern werden so gut es geht wetterfest gemacht. Aber ohne direkt finanzielle Unterstützung kann die Lage vieler Familie nicht dauerhaft verbessert werden. Bei einer Hotline des UNHCR in Jordanien häufen sich die Anrufer, die Rechtsbeistand benötigen, weil ihre Vermieter ihnen wegen Mietrückständen mit der Kündigung drohen.

Um den Menschen über den Winter zu helfen, hat das UNHCR ein Bargeldprogramm aufgelegt. Umgerechnet rund 150 Euro soll eine fünfköpfige Familien einmalig als Winterhilfe erhalten. Davon könnten in Jordanien 385 000 Geflüchtete profitieren. Doch die dafür nötigen 28 Millionen Euro fehlen dem UNHCR noch, das von den Mitteln staatlicher Geber und privater Spender abhängig ist.

Auch in den Nachbarländern ist der Hilfsbedarf enorm. Insgesamt benötigen 3,88 Millionen Menschen im Libanon, dem Irak, Syrien und Jordanien dringend Unterstützung, um sich für die Kälte der Wintermonate zu wappnen. Allein in Syrien versucht das UNHCR die Grundbedürfnisse von 300 000 Familien zu decken, die vom Krieg im eigenen Land vertrieben wurden.

Die UNO-Flüchtlingshilfe, der deutsche Partner des UNHCR, ruft deshalb unter dem Motto „Schutz schenken“ zu Spenden für die Geflüchteten in Jordanien und den Nachbarländern auf. Schon wenige Euro machen einen Unterschied.

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So reichen 27 Euro für zwei Planen, um Unterkünfte winterfest zu machen. Ein Ofen kostet circa 70 Euro. Und mit 187 Euro kann eine Familie wie die von Iman und Hassan mit Schlafsäcken, Matratzen und Winterkleidung versorgt werden.

Ich möchte Schutz schenken

Die F.A.Z. Media Solutions Manufaktur für die UNO-Flüchtlingshilfe

Quelle: UNO Flüchtlingshilfe

Veröffentlicht: 03.11.2020 09:33 Uhr