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: Das Laden muss einfacher werden

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Bild: SimonSkafar/iStock

Der Anteil der Elektroautos wächst rapide. Nutzer und Besitzer wünschen sich vor allem eines: viele und gut erreichbare Ladesäulen sowie einfache Zahlungsmöglichkeiten ohne Karten-Chaos.

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          Ist vom Straßenverkehr die Rede, fallen schnell Superlative: Auf 82 Millionen Menschen in Deutschland kommen über 48 Millionen Pkw. Über 52 Milliarden Personen wurden 2019 im motorisierten Individualverkehr befördert, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. Knapp 52 Millionen Tonnen Kraftstoff wurden 2020 verbraucht, zwei Drittel Diesel, ein knappes Drittel Benzin und ein wenig Biokraftstoff. Es sind Zahlen, die zeigen: Da ist ein gewaltiges System am Werk, das nun in vieler Hinsicht umgebaut werden soll.

          Die Zukunftstechnologie der Wahl, die Elektromobilität, nimmt sich da noch eher zwergenhaft aus. Zwar wächst das Segment stark: Im bisherigen Jahresverlauf bis einschließlich Oktober waren über 41 Prozent aller neu zugelassenen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben ausgerüstet – wozu neben Elektroantrieb auch Brennstoffzelle, Gas und Wasserstoff gezählt werden. Zum Vergleich: Im Vorjahreszeitraum war der Anteil der zu neu zugelassenen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben mit knapp 22 Prozent nur etwa halb so groß.

          Dennoch ist erst Anfang August 2021 das Ziel der Bundesregierung, dass eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen fahren, erreicht worden. Etwas mehr als die Hälfte davon sind rein elektrische Fahrzeuge, sogenannte BEV (Battery Electric Vehicle), etwas weniger als die Hälfte sind Plug-in-Hybride, die Kurzstrecken elektrisch fahren können und für längere Wege einen Verbrennungsmotor an Bord haben. Womit sich die eine Million im Sinne des anvisierten Beitrags zum Klimaschutz in gewisser Hinsicht als Mogelpackung herausstellt.

          Plug-in-Hybride: wenig elektrisch genutzt

          Eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung zeigt, dass Plug-in-Hybride als Dienstwagen nur zu 18 Prozent elektrisch genutzt werden, als Privatwagen immerhin zu 43 Prozent. Dennoch feierte der damalige Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier die eine Million im August als entscheidenden Meilenstein und sagte: „Unser Verkehr wird unumkehrbar auf erneuerbare Energien umgestellt.“ Sein Kollege, der damalige Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, legte nach: „14 Millionen E-Fahrzeuge bis 2030 muss laut Experten das neue Ziel lauten. Das schaffen wir nur, wenn auch die Rahmenbedingungen stimmen.“ Die neue Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP erhöhte diese Zahl bei der Vorstellung ihres Koalitionsvertrages just sogar auf 15 Millionen.

          Um die Elektromobilität zu befördern, würde eine Neueinsteigerin im Bundestag, Ye-One Rhie aus Aachen, zunächst bei den Menschen selbst ansetzen. Rhie, einige Jahre verkehrspolitische Sprecherin der SPD in ihrer Heimatstadt, fordert vor allem eines: Informationen. „Viele finden das Thema spannend und würden es gerne angehen, aber es stellen sich Fragen nach den Betriebskosten, den Lademöglichkeiten, ob man eine Wallbox vor der Haustüre braucht, wer bei Mietimmobilien für die Ladepunkte zuständig ist, wie lange die Akkus der Autos halten und wie viel das alles eigentlich insgesamt kostet“, so Rhie. Solche Informationen sollten bundesweit einheitlich und zentral angeboten werden. „Man muss den Menschen vermitteln, dass Elektromobilität nicht komplizierter ist als die Nutzung eines Autos mit Verbrennungsmotor.“

          E-Zukunft: Lademöglichkeit ist ein zentraler Punkt

          Unter all den Fragestellungen zukünftiger Elektromobilisten sei die Frage nach den Lademöglichkeiten zentral, so Rhie: „Dabei geht es nicht nur darum, dass Ladesäulen oder Stationen fehlen, sondern darum, dass man gefühlt ein ganzes Portemonnaie braucht, nur für die Ladekarten. Es schreckt ab, wenn vor der Fahrt in eine andere Stadt die Recherche steht, wo man laden kann und welche Zahlkarte man dazu braucht“, so Rhie. Insgesamt rund 45.500 Ladepunkte unterschiedlichster Leistungsfähigkeit gibt es derzeit in Deutschland.

          Verbesserung soll die Novelle der Ladesäulenverordnung bringen, die im Oktober beschlossen wurde und am 1. Januar 2022 in Kraft treten wird. Darin ist beispielsweise geregelt, dass ab Juli 2023 neu errichtete Ladepunkte Informationen über ihren Standort, Betriebsbereitschaft und Belegung übermitteln können müssen. Die Betreiber öffentlicher Ladepunkte müssen zudem dort oder in unmittelbarer Nähe eine Möglichkeit bieten, die Zahlung mittels einer gängigen Debit- oder Kreditkarte abzuwickeln. Die Pläne waren bei den Verbänden der Energiewirtschaft, der Automobilindustrie und der Elektrotechnik auf wenig Begeisterung gestoßen – zu kompliziert und zu teuer, hieß es von den Kritikern.

          Ladesäulen-Chaos: Es muss sich etwas ändern

          Rhie begrüßt die Novelle, hat jedoch auch gewisse Zweifel: „Es soll besser werden, ob das tatsächlich eintritt, bleibt abzuwarten.“ Der Grund liegt für sie allerdings nicht in technischen Schwierigkeiten oder zu hohen Kosten. Das Problem sei, dass es nun, nachdem der Wildwuchs in den vergangenen Jahren unkontrolliert habe wuchern können, schwer sein werde, alle Beteiligten wieder an einen Tisch zu bekommen. „Dass sich etwas ändern muss, ist aber klar, denn so macht das keinen Spaß. Es ist ein ständiger Stressfaktor, wenn man nicht weiß, wo und zu welchem Preis man das Auto laden kann“, so Rhie.

          Bild: CreativeSolutions

          Die meisten Nutzer von E-Autos müssen sich derzeit offenbar diesem Stress stellen. Laut einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstituts infas quo im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme e. V. nutzen knapp zwei Drittel der Haushalte mit ihren E-Autos öffentliche Ladesäulen. Dieser Anteil ist mit über 70 Prozent sogar noch höher bei denjenigen, die in den nächsten Jahren die Anschaffung eines E-Autos planen. Und es sind erstaunlich viele, die sich ein neues oder gebrauchtes Elektroauto kaufen wollen: Insgesamt denken 56 Prozent der Befragten grundsätzlich über den Kauf eines E-Autos nach. 9 Prozent wollen dies innerhalb der kommenden 12 Monaten tun, weitere 17 Prozent innerhalb der nächsten ein bis zwei Jahre.

          Präferiertes Zahlungsmittel: Debit- und Kreditkarte

          Für diese Neueinsteiger ist das Angebot unterschiedlicher Bezahlmethoden eine wichtige oder sogar sehr wichtige – 70 Prozent von ihnen äußerten diese Meinung und nannten auch ihre präferierte Zahlart: Fast 80 Prozent würden an der Ladesäule mit einer Debit- oder einer Kreditkarte bezahlen, wenn sie die Möglichkeit dazu bekämen. Damit haben die Teilnehmer der Umfrage, die noch vor der Novelle der Ladesäulenverordnung stattgefunden hatte, ihre Präferenz klar formuliert. Sie wird es freuen, dass die Erfüllung ihres Wunsches schon wenige Wochen später in die Wege geleitet wurde. Und die scheidende Bundesregierung darf für sich verbuchen, in diesem Punkt die Unterstützung der E-Mobilisten fast geschlossen hinter sich zu wissen.

          * Zur Befragung

          Für die online-repräsentative Studie wurden im Herbst 2021 Autobesitzer in Deutschland, Frankreich, Griechenland, den Niederlanden, Polen, Schweden und Slowenien durch infas quo befragt. Auftraggeber ist die Initiative Deutsche Zahlungssysteme. Um ein ausgewogenes Bild innerhalb Europas zu erhalten, wurden Länder gewählt, die sich nicht nur in ihrer Lage innerhalb Europas unterscheiden, sondern zudem in ihrer Banking-Historie, der Bezahlkultur sowie der Verbreitung der E-Mobilität.

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