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Verlagsspezial

: Direktinvestments locken mit Rendite

Bild: dimarik/iStock

Container, Kakaobäume, Solaranlagen: das Investment in Sachanlagen bietet Chancen – und hat Risiken.

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          Die Zinsen für sicheres Festgeld sind noch immer niedrig: Wer zwei Prozent für eine Laufzeit von fünf Jahren bekommt, kann sich glücklich schätzen. Viele Angebote liegen noch deutlich darunter. „Kein Wunder also, dass sich in einer solchen Niedrigzinsphase Anleger für lukrativer klingende Produkte interessieren“, sagt David Riechmann. Er ist bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen Referent für Bank- und Kapitalmarktrecht. „Sachanlagen zum Beispiel versprechen eine deutlich höhere Rendite.“ Wer beispielsweise in eine Kakaoplantage 3000 Euro für sechs Jahre investiert, darf laut Emittent mit einer jährlichen durchschnittlichen Rendite von fünf Prozent rechnen. Schließlich tragen die Bäume nach einigen Jahren Früchte, die verkauft werden können. Nach sechs Jahren bekommt der Anleger 133 Prozent seiner Investition zurück, sagt der Anbieter. Das sind dann also insgesamt 4000 Euro. „Das kann aber nur klappen, wenn alles gutgeht“, so Riechmann. Der Anbieter selbst weist allerdings darauf hin, was alles schiefgehen kann: Feuer, eine Schlammlawine oder ein Sturm kann den Wald zerstören, die Ernte kann schlecht ausfallen oder auch der Kakaopreis einbrechen. Die Natur ist unberechenbar. „Fünf Prozent klingt in der heutigen Marktsituation toll“, so Riechmann. „Aber wenn die Rendite für eine Anlage deutlich höher ist als das Marktniveau, dann ist auch das Risiko entsprechend hoch.“

          Warum Anleger in Direktinvestments gehen

          Ähnlich war es auch mit Schiffscontainern des Münchner Unternehmens P&R, einem der bekannteren Fälle in der jüngsten Zeit, in dem Anleger Geld verloren haben. Wer dort beispielsweise 2012 für rund 11000 Euro in vier Container des Typs ST1202G investiert hatte, bekam nach der Laufzeit von fünf Jahren gut 13500 Euro zurück – Glück gehabt. Wer sich nicht auszahlen ließ, weiter investiert blieb oder später einstieg, verlor unter Umständen seinen gesamten Einsatz. Die Verbraucherzentrale schätzt, dass etwa 54000 Anleger  von der Insolvenz des Unternehmens betroffen sind, das über Jahrzehnte pünktlich die Erlöse aus Mieten für die Container überwiesen hatte. Ende August hat der Insolvenzverwalter übrigens auch Altanleger angeschrieben, auf die möglicherweise Forderungen zukommen. Sie sollten sich juristisch beraten lassen, so die Verbraucherzentrale.

          Auch Windparks, Solaranlagen oder Immobilien können ähnlich wie Kakaoplantagen oder Schiffscontainer Ziele für Direktinvestments in Sachanlagen sein. „Aus Gesprächen mit Verbrauchern wissen wir, dass sie sich für diese Investitionen entscheiden, weil es sich um eine vermeintlich sichere Anlage handelt“, sagt Riechmann. „Aber auch Steuervorteile können eine Rolle spielen – oder der Klimaschutzaspekt: Wer in Wald oder Solaranlagen investiert, möchte mit seinem Geld meist auch etwas Gutes tun“, so der Finanzmarktexperte. Das Problem dabei: Die Risiken, die mit diesen Anlagen verbunden sind, werden oft nicht deutlich genug hervorgehoben. „Das Risiko muss sich nicht nur auf den gezahlten Betrag beschränken.“

          Weitere Risiken als Miteigentümer

          „Bei Investitionen in Sachwerte kann man je nach Ausgestaltung sogar Miteigentümer werden und trägt damit weitere Risiken", so David Riechmann. Die Anleger können in diesem Fall nicht nur ihr gesamtes eingesetztes Kapital verlieren, sondern müssen im schlimmsten Fall auch noch Geld draufzahlen. So könnten laut Verbraucherzentrale beim Investment in Container Hafenkosten entstehen oder bei Plantagenmiteigentümern zusätzliche Kosten für eine Bewirtschaftung.

          Allerdings regelt Paragraph 5b des Vermögensanlagegesetzes mittlerweile: „Vermögensanlagen nach diesem Gesetz, die eine Nachschusspflicht vorsehen, sind zum öffentlichen Angebot oder Vertrieb im Inland nicht zugelassen“. Da das Gesetz seit 2015 gilt, sollte eine Nachschusspflicht eigentlich nur noch bei Investments möglich sein, die vorher getätigt wurden und die noch laufen. Dies schließe eine Eigentümerhaftung aber nicht aus, so Riechmann.

          Das noch relativ junge Gesetz zeigt, dass der Graue Kapitalmarkt zunehmend reguliert wird. „Ab 2021 wird es noch strengere Gesetze geben“, so David Riechmann. „Dann muss nicht nur die Anlage besonderen Ansprüchen genügen, sondern auch der Vermittler. Nur so kann er Anleger fachkundig beraten. Als Verbraucherzentrale begrüßen wir das, weil wir uns wünschen, dass Anleger eine qualifizierte Entscheidung treffen können.“ Möglicherweise führe eine weitere Regulation auch dazu, dass nicht mehr so viele Streitfälle vor Gericht landen. Doch obwohl der Gesetzgeber beim Grauen Kapitalmarkt in den vergangenen Jahren immer wieder verbraucherfreundlichere Vorgaben gemacht hat, halten sich längst nicht alle Anbieter daran. So gibt es zum Beispiel das Verkaufsprospektgesetz seit den 1990er Jahren. Nach etlichen Wandlungen ist es heute Teil des Vermögensanlagegesetzes – und trotzdem sind noch viele Anbieterinformationen intransparent. Das stellten die Marktwächter der Verbraucherzentrale im August fest, nachdem sie Werbung und Unterlagen von 36 Vermögensanlagen geprüft hatten, die im Herbst 2018 öffentlich angeboten wurden. In 23 Fällen war nicht klar beschrieben, worin genau die Verbraucher investierten. Beispielsweise bei Infrastrukturprojekten sollten der Umfang, die Lage und die Leistung geklärt sein, bei Projekten mit regenerativen Energien Informationen zur Anbindung ans Netz gegeben werden. Neun Anbieter hatten keine transparente Darstellung der Provisionen, bei 26 Anlagen wurden die Prognosen nicht nachvollziehbar gemacht. Der vorgeschriebene Risikohinweis wurde bei 13 Anbietern nicht deutlich hervorgehoben.

          Wann Anleger Direktinvestments nicht scheuen sollten

          Trotz dieser Mängel und vieler Risiken können Direktinvestments in Sachanlagen lukrativ sein. Sie bieten sich für die Investoren an, die sogenanntes Spielgeld übrig haben: „Man sollte nie sein gesamtes Vermögen in eine solche Anlageform stecken“, sagt David Riechmann. „Wer sich dafür entscheidet, muss sicher sein, dass er den Verlust der Summe auf jeden Fall verschmerzen kann.“ Der Tipp „Finger weg“ gelte allerdings, wenn die Summe beispielsweise als Puffer für den Hausbau oder als Rente gedacht sei. Grundsätzlich sollte man auch auf den Leitsatz bauen: „Wenn ich eine Anlageform nicht verstehe, sollte ich dort mein Geld nicht anlegen“, gibt Riechmann Anlegern mit auf den Weg.

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