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Verlagsspezial

: Guter Rat muss nicht teuer sein

Bild: BMWi

Bei ihren Digitalisierungsprojekten benötigen kleine und mittlere Unternehmen oft Beratung. Die staatlich geförderten Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren helfen anbieterneutral und kostenfrei.

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          Ob intelligente Datenbrillen, die bei der Wartung unterstützen, digitale Zeiterfassungslösungen auf der Baustelle oder effektivere Einsatzplanung dank Künstlicher Intelligenz: an Beispielen für gelungene Digitalisierungsmaßnahmen oder Potentiale im deutschen Mittelstand mangelt es nicht. Knapp ein Drittel aller Mittelständler haben von 2015 bis 2017 laut aktuellem KfW-Digitalisierungsbericht für den Mittelstand Digitalisierungsprojekte erfolgreich abgeschlossen, Tendenz steigend. Dabei gibt es sowohl Firmen, die bereits ganze Unternehmensbereiche oder Prozesse digitalisiert haben, während andere noch ganz am Anfang stehen. Besonders für die zuletzt genannten ist es angesichts der Flut von Informationen, Angeboten und auch Versprechen oft schwierig herauszufinden, in welchen Unternehmensbereichen sich die Digitalisierung mit welchen Mitteln lohnt.

          Wichtig sind ein neutraler Blick und passende Maßnahmen

          Wie bei jeder Prozessanpassung oder Integration besteht die erste zu lösende Aufgabe daher darin, eine Übersicht darüber zu erhalten, welche Ziele mit der Digitalisierung erreicht werden sollen und können. Um diese Einschätzung zu erhalten, ist es für Unternehmen sinnvoll, Unterstützung von außen zu suchen. Dabei geht es nicht nur um einen neutralen Blick auf die unternehmerische Ausgangslage, sondern vor allem darum, gemeinsam mit Fachleuten über passende Maßnahmen für den eigenen Betrieb zu diskutieren. Das umfasst naturgemäß auch einen Blick in die finanziellen Möglichkeiten.

          Ein geringes Investitionsbudget bedeutet dabei nicht zwangsläufig einen Digitalisierungsstopp. Im Gegenteil setzt ein gelungener Digitalisierungsfahrplan sogar genau hier an: Abgestimmt auf die kurz- und langfristig zu erwartenden Digitalisierungsmehrwerte, wie Zeitgewinn, höhere Auslastung oder neue Geschäftsfelder, wird eine Strategie erarbeitet, die eine dafür passende, langfristige Finanzierung mitdenkt. Besonders wichtig ist dabei, dass die Digitalisierungsstrategie realistisch aufgesetzt wird. Für einige Betriebe sind bereits Einzelmaßnahmen wie die Erfassung ausgewählter Maschinendaten eine sinnvolle Investition, während andere die ganze Produktionsstrecke vernetzen, um agiler, günstiger und innovativer zu agieren.

          Die regionalen Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren und Themenzentren mit ihren Stützpunkten

          Abhängig davon, welche Maßnahmen letztendlich umgesetzt werden sollen, bietet sich Unternehmen eine Vielzahl von Finanzierungsmöglichkeiten. Guter Rat ist dabei nicht teuer – im Gegenteil. Wie bei der Einschätzung, welche Digitalisierungsmaßnahmen im konkreten Fall sinnvoll sind, sollte auch bei der Budgetierung des Projekts der Rat Dritter eingeholt werden. Passende Anlaufstellen sind etwa die 26 Mittelstand-4.0-Kompetenzzentren, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie gefördert werden. Sie informieren anbieterneutral und kostenfrei rund um die Digitalisierung und geben Mittelständlern Orientierung bei der Frage nach passenden Maßnahmen und möglichen Finanzierungsoptionen.

          Besonders attraktiv sind dabei Förderprogramme: Es gibt mittlerweile zahlreiche Angebote der Bundesländer, vom Bund oder auch der EU, die häufig gezielt kleine und mittlere Unternehmen bei der Digitalisierung unterstützen. Gefördert werden können sowohl die Anschaffung technischer Geräte wie beispielweise 3D-Drucker als auch qualifizierte Beratungsdienstleistungen. Wie bei der Erarbeitung der richtigen Digitalisierungsstrategie gilt auch bei der Suche nach möglichen Fördermitteln, dass sich externe Unterstützung lohnt. Denn einige der Angebote können miteinander kombiniert werden, während andere sich gegenseitig ausschließen.

          Förderprogramme können zu neuen Geschäftsideen führen

          Durch die Auseinandersetzung mit Förderprogrammen ergeben sich zudem häufig auch neue Ideen für Produkte oder Geschäftsfelder. Beispielweise werden auch Mittel für die Zusammenarbeit von Unternehmen mit Forschungseinrichtungen bereitgestellt. So können Innovationen gemeinsam vorangetrieben werden, die viele kleinere Unternehmen ohne eigene Forschungsabteilung nicht umsetzen könnten.

          Um Fördermittel zu beantragen, die für eine konkrete Digitalisierungsmaßnahme bestimmt sind, ist ein darauf zugeschnittener Digitalisierungsfahrplan unverzichtbar. Ein schlüssiges Konzept sollten Unternehmen aber auch dann vorlegen, wenn sie den klassischen Weg einschlagen und sich mit ihrer Hausbank über eine mögliche finanzielle Unterstützung ihrer Digitalisierungsvorhaben beraten.

          Ein solches Konzept hilft nicht nur dabei, die nötigen finanziellen Ressourcen einzuwerben, sondern legt generell den Grundstein für eine erfolgreiche und nachhaltige Digitalisierung, durch die sich die Investitionen nicht nur amortisieren, sondern auch Potentiale für neue, digitale Geschäftsmodelle entstehen.

          Martin Lundborg ist Leiter der Begleitforschung von Mittelstand-Digital, einem Förderschwerpunkt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

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