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Verlagsspezial

Klaus Baumgärtner, Geschäftsführer von bridgingIT Bild: bridgingIT

Interview : Mobilität als ganzheitliches Konzept

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Das Beratungshaus bridgingIT nutzt seit 2014 E-Autos. Mittlerweile sind das 31 Fahrzeuge von Tesla, meist als Model S. Dazu kommen einige weitere E-Modelle von BMW, Hyundai und Renault. Klaus Baumgärtner, Geschäftsführer von bridgingIT, beschreibt welche Erfahrungen das Unternehmen und seine Mitarbeiter mit den E-Fahrzeugen gemacht haben.

          Herr Baumgärtner, wie sieht das Fahrprofil der Berater aus?

          Jeder Berater fährt im Schnitt 40.000 km im Jahr. 3,5 Millionen Kilometer in der Flotte sind unsere Berater bisher rein elektrisch gefahren. Dabei kommt ihnen die verhältnismäßig große Reichweite des Model S zugute.

          A propos Reichweite: Die Tesla S-Modelle gab und gibt es nicht gerade zum Schnäppchenpreis. Das E-Auto kostete und kostet auch mit Rabatt in einigen Fällen deutlich über 100.000 Euro. Geht die Rechnung für das Unternehmen unter dem Strich auf?

          Im Schnitt haben wir einen Verbrauch mit diesen E-Fahrzeugen von 22,8 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Das ist deutlich weniger, als einen vergleichbaren Verbrenner mit hoch besteuertem Benzin zu betreiben. Hinzu kommen die Steuerersparnisse. So müssen unsere Mitarbeiter ab 1. Januar 2019 nur noch ein halbes Prozent an geldwerten Vorteil an das Finanzamt abführen, statt weiterhin 1 Prozent für einen Verbrenner. Damit entfällt für sie ab 1. Januar diesen Jahres auch die bisher höhere Belastung von circa 150 bis 200 EUR pro Monat für die Teslas im Vergleich zu einem Verbrennerfahrzeug. Angesichts dieser Ausgangssituation will heute keiner der 31 Fahrer zurück zu einem Verbrenner. Das zeigt uns, dass die Rechnung nicht nur fürs Unternehmen aufgeht sondern vor allem auch für unsere Mitarbeiter.

          Wie steht es um die Umweltbilanz der E-Fahrzeuge?

          Den Verbrauch von 22,8 Kilowattstunden pro 100 Kilometer habe ich schon erwähnt. Bei der Produktion einer Kilowattstunde (kWh) deutschen Durchschnittsstroms entstehen 569 Gramm CO2. Das entspricht abgebildet auf den Verbrauch der Teslas 131 Gramm CO2 je Kilometer. Für diese gute CO2-Bilanz haben wir für alle Ladepunkte zu Hause und im Unternehmen Ökostromverträge abgeschlossen. Der CO2-Ausstoß eines vergleichbaren Benziners liegt bei einem deutlich höheren CO2-Anteil. Allerdings ist in unserer CO2-Bilanz der Energieverbrauch durch die Produktion dieser Fahrzeuge, insbesondere der Akkus nicht inbegriffen.

          Wie beurteilen Sie aktuelle Erhebungen wie vom ADAC und vom Fraunhofer Institut, nach denen sich E-Autos bisher nur für den Einsatz auf kürzeren Strecken lohnen?

          Dazu gibt es auch gegenteilige Erhebungen wie die der dena Deutschen Energie-Agentur. Danach können gerade bei einer hohen jährlichen Laufleistung die geringeren Energiekosten die höheren Anschaffungskosten weitgehend wettmachen. Die Auswahl eines E-Autos ist letztlich abhängig vom persönlichen Fahrprofil. Deshalb überlassen wir es unseren Mitarbeitern, anhand ihres Fahrprofils sich ihr Auto, E-Fahrzeug oder Verbrenner, auszusuchen. Für solche, die eher Kurzstrecken zurücklegen, haben wir deshalb zum Beispiel an E-Modellen auch einige BMW i3 und Hyundai Ioniq im Einsatz.

          Diese Ausgangssituation wird sich sowohl aus betriebswirtschaftlicher als auch ökologischer Sicht durch das neue Tesla-Modell 3 verbessern. Es kostet im Leasing nur etwas mehr als die Hälfte im Monat im Vergleich zum Modell S, das derzeit von unseren Beratern genutzt wird. Wir gehen davon aus, dass sich deshalb auch andere Mitarbeiter vermehrt für dieses E-Fahrzeug entscheiden werden. Für Mitarbeiter mit hoher Laufleistung und voller Nutzbarkeit auf Langstrecken, sowohl beruflich als auch privat, lohnt sich die Anschaffung mit Sicherheit. Letztlich kommt es auf das Konzept an, dass das Unternehmen in punkto Mobilität fährt.

          Können Sie näher auf das Konzept Ihres Unternehmens eingehen?

          Unsere Firmenwagenregelung ist nur Teil eines übergreifenden Mobilitätskonzepts, da sich unsere Mitarbeiter in unterschiedlichen Lebens- und Mobilsituationen befinden. Es beinhaltet auch weitere betriebswirtschaftliche, ökologische und soziale Stellschrauben wie Home-Office, Bahn Card oder Shuttleservice zu Veranstaltungen. Wenn aber Auto, dann idealerweise mit einem alternativen Antriebskonzept.

          Würde sich Ihr Unternehmen bzw. Ihre Mitarbeiterschaft nicht eine breitere Auswahl an deutschen E-Fahrzeugen wünschen – E-Autos, die weit mehr als nur rund 200 bis 250 Kilometer an Reichweite bieten?

          Ja, wir vermissen bis heute mehr alltagstaugliche E-Autos von deutschen Herstellern, auf deren Offerten wir ansonsten gern zurückgreifen würden. Zumal insbesondere unsere Berater und Vertriebsmitarbeiter für längere Strecken E-Fahrzeuge mit Alltagstauglichkeit brauchen. Bis dahin ist die geringe Reichweite eher ein Entscheidungsgrund gegen deutsche E-Fahrzeuge.

          Muss sich mit einem ganzheitlichen Mobilitätskonzept nicht auch die Firmenkultur wandeln?

          Einer der Erfolgsfaktoren ist eine gesamtheitliche Betrachtung. Die Elektrifizierung einer Flotte ist ein Gemeinschaftsprojekt von Management, Personalabteilung, Facility-Management, Unternehmenskommunikation, Nachhaltigkeitsbereich und Fuhrparkmanagement. Eine einfache Betrachtung lediglich entlang der klassischen Fuhrparkparameter ist hingegen nicht zielführend. Nur gemeinsam kann ein Mobilitätskonzept unternehmensintern gelebt werden.

          Das Interview führte Hadi Stiel.

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