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Benjamin Kibies, Automotive Analyst des Marktforschungsunternehmens Dataforce Bild: Dataforce

Interview : „Immer noch die meist gewählte Kraftstoffart“

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Benjamin Kibies, Automotive Analyst des Marktforschungsunternehmens Dataforce, über den Diesel-Skandal, die Alltagstauglichkeit alternative Antriebsarten und die Digitalisierung von Fahrzeugen.

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          Herr Kibies, was sind die Topthemen für Fuhrparks im kommenden Jahr?

          Im Unterschied zu den vergangenen Jahren sind die Unsicherheiten größer geworden. Ich sehe drei wesentliche Bereiche im Fokus: Abgaswerte, Antriebsarten und die Digitalisierung beziehungsweise Elektrifizierung.

          2018 waren die Auswirkungen aus dem Diesel-Skandal ein stets präsentes Thema. Zeigen sich Konsequenzen?

          Bislang war bei einem Firmenwagen klar, das wird ein Diesel. Das ist nun definitiv anders. Jetzt wird stärker differenziert: Wie wird das Fahrzeug eingesetzt, welche Fahrprofile stehen dahinter und entsprechend wird die passende Kraftstoffart gewählt. Manche Hersteller gehen auf dieses veränderte Verhalten ein und geben Leitfaden zur Kraftstoffwahl heraus.

          Zeigt sich das auch in rückläufigen Zahlen für Dieselfahrzeuge im Fuhrpark?

          Der Dieselanteil in Flotten ging in den letzten beiden Jahren sehr deutlich zurück – auch wenn es noch immer die meist gewählte Kraftstoffart ist. Lange lag der Anteil bei den Flotten bei 75 Prozent. 2018 sank er knapp unter 60 Prozent. Zum Jahresende zeichnete sich eine Stabilisierung ab, denn es kommen immer mehr saubere Diesel auf den Markt. Mancher Hersteller hat die Euro 6c-Norm übersprungen und bietet nun die Euro 6d-Norm an, die die geforderten Emissionsgrenzwerte im realen Fahrbetrieb einhält. Damit werden die Sorgen im Hinblick auf Restwerte auch deutlich kleiner.

          Damit einher gehen die Verschärfungen der Grenzwerte für Feinstaub und Schadstoffe wie Stickoxide. 2019 werden die tolerierten Höchstmengen weiter sinken. Sind die Hersteller gerüstet? Auf was müssen sich Flottenmanager einstellen?

          2018 waren die Hersteller wenig vorbereitet. Das wird sich 2019 nicht wiederholen. Jetzt ist der zeitliche Vorlauf größer, die Hersteller sind früher informiert. Allerdings wird es ein hoher Aufwand, die Grenzwerte für alle Fahrzeuge auf der Straße testen zu müssen. Das wird für die Hersteller eine Herausforderung. Der Stichtag für die verschärften Grenzwerte ist der 1. September. Fuhrparkleiter sollten deshalb vor einem Kauf präzise auf den Zulassungstag achten.

          Ob CO2 oder Diesel-Norm – eine Lösung wären alternative Antriebsarten. Wie interessant sind die Optionen für Flotten 2019?

          Das ist nach wie vor noch kein großes Thema. Die Flottenmanager sind eher skeptisch und wollen noch von der Alltagstauglichkeit überzeugt werden.

          Das gilt auch für die Elektro- oder Hybrid-Antriebe?

          Grundsätzlich ja. Was wir dieses Jahr sehr stark sehen werden, sind die Mild-Hybride. Das heißt, in fast jedem neuen Modell, das dieses Jahr herauskommt, wird eine kleine Elektrifizierung verbaut sein. Das kann beispielsweise eine elektrische Motorunterstützung sein, ohne dass das Fahrzeug dadurch im Elektromodus fährt. Diese Teil-Elektrifizierung ist im Hinblick auf die CO2-Ziele relevant. Zulieferer bieten diese Bausteine an, die jeder Hersteller einkaufen kann.

          Wie sieht es mit E-Fahrzeugen beziehungsweise Hybride 2019 aus. Werden sie den Durchbruch schaffen?

          Ich denke nein, aber ein bisschen was bewegt sich sicherlich. Praxisrelevant wird das angekündigte Model 3 von Tesla werden. Das ist preislich mit rund 60.000 Euro zwar noch recht hoch angesetzt, doch es wird ein Türöffner sein, da es die benötigte Reichweite mitbringt. Ich gehe davon aus, dass Tesla Angebote entwickeln wird, die sich einem Mittelklassewagen annähern.

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