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: „Ridesharing ist Teil der notwendigen Verkehrswende“

Bild: shutterstock/Jacob Lund

ÖPNV und Individualverkehr werden durch zunehmende Angebote wie das Ridesharing ergänzt. Im Interview spricht Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, über Chancen und Risiken.

          Herr Landsberg, Ridesharing ist derzeit in aller Munde. Inwieweit können solche Konzepte die Verkehrssituation in den Städten verbessern?

          Ridesharing-Angebote der Verkehrsunternehmen sind ein Teil der notwendigen Mobilitätswende in den Städten: weg vom motorisierten Individualverkehr hin zu attraktiven Alternativen etwa durch flexiblere Bedienformen. Ridesharing ist dabei nicht nur eine Alternative zum eigenen Pkw, sondern auch die Eintrittskarte in einen noch attraktiveren, weil flexibleren ÖPNV. Auch in den Städten gibt es nachfrageschwache Gebiete und Zeiten, die damit geschlossen werden können. Werden Fahrzeuge mit E-Antrieb eingesetzt, führt dies nicht nur zu einer Verbesserung der Verkehrssituation in den Städten, sondern auch zu geringerer Umweltbelastung und weniger Lärm.

          Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

          Im ländlichen Raum ist es vielfach eine Herausforderung, eine Grundversorgung mit Öffentlicher Mobilität sicherzustellen. Sind On-Demand-Angebote ein Lösungsansatz?

          Im Interesse lebenswerter ländlicher Räume dürfen wir beim Thema Verkehrsanbindung nicht stehenbleiben, sondern müssen die klassischen Mobilitätsangebote ergänzen und fortentwickeln. Die öffentlichen Verkehre, allen voran Bus- und Bahnanbindungen, werden dort auch in Zukunft eine tragende Rolle spielen. On-Demand-Angebote wie Rufbusse, aber auch das Bike-, Car- oder Ridesharing können sinnvolle Ergänzungen sein. Gerade dort, wo sich ein regelmäßiger Busverkehr nicht rechnet, kann so Mobilität jenseits des eigenen Fahrzeuges gewährleistet werden. Ich bin mir sicher, dass wir hier erst am Anfang stehen. Digitalisierung und autonomes Fahren haben das Potenzial, den Unterschied zwischen Stadt und Land immer mehr aufzuheben.

          In vielen Städten und Gemeinden werden derzeit On-Demand-Angebote erprobt. Wie bewerten Sie die bisher gemachten Erfahrungen?

          Fakt ist, dass derzeit gerade in den Großstädten immer mehr Angebote entstehen. Für eine Bewertung ist es aber noch ein bisschen zu früh. Gradmesser für uns ist dabei die Frage: Schaffen wir ein Angebot in den Städten, das die Menschen tatsächlich dazu bringt, auf das eigene Auto zu verzichten, indem es den ÖPNV, den Rad- und Fußgängerverkehr sinnvoll ergänzt? Was wir nicht wollen, sind Angebote, die zusätzlich zum eigenen Auto genutzt werden und ggf. noch die Auslastung des ÖPNV verschlechtern. Dies führt zu noch mehr Verkehr und Schadstoffbelastung und damit zu einer geringeren Lebensqualität in den Städten.

          Welche Rolle sollten Städte und Gemeinden künftig bei der Zulassung innovativer Angebote haben?

          Das ein wesentlicher Punkt, weil die Verkehrsbedienung in der Stadt und auf dem Land immer etwas mit funktionierender Daseinsvorsorge zu tun hat, für die die Kommunen verantwortlich sind. Deshalb plädieren wir für eine starke Rolle der Kommunen als Aufgabenträger des ÖPNV bei der Zulassung neuer Angebote. Dafür spricht, dass Verkehr nicht gleich Verkehr ist, sondern sich örtlich und regional sehr stark unterscheidet, mithin Vor-Ort-Kenntnisse entscheidend sind. Deshalb ist zudem richtig, dass nach den aktuellen Eckpunkten zur Änderung des Personenbeförderungsgesetzes auch entsprechende Beschränkungen vorgesehen werden können. Etwa, indem die neuen Dienste nicht überall Fahrgäste aufnehmen bzw. herauslassen dürfen, mit dem Ziel, bestimmte Bereiche für den Taximarkt zu reservieren.

          Studien zufolge kommt es in den USA durch Ridesharing eher zu mehr als weniger Verkehr, weil viele Sharing-Fahrzeuge mit einer geringen Auslastung unterwegs sind. Wie können solche Fehlentwicklungen in Deutschland vermieden werden?

          Das kann nur durch eine möglichst ortsnahe Regulierung erreicht werden. Nicht zuletzt deshalb, weil wir nicht das Taxengewerbe schwächen sollten, das eine wichtige Funktion im Rahmen der verlässlichen Verkehrsbedienung in der Stadt und auf dem Land hat. Es geht darum, den bestehenden Ordnungs­rahmen­ vorsichtig weiterzuentwickeln, um ein verlässliches und zugleich zukunftsgerichtetes Angebot zu schaffen, das einen echten Mehrwert zur Verbesserung der individuellen Mobilität leistet. Umgekehrt darf es nicht dazu kommen, dass private Ridesharer sich auf lukrative Innenstadtlagen konzentrieren, während die Allgemeinheit für die nicht lukrativen Strecken zahlen muss.

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