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: Modellprojekte für saubere Luft in den Städten

Essen setzt auf Taktverdichtung beim ÖPNV und den Ausbau des Radverkehrs. Bild: Jochen Tack/Stadt Essen

Tickets für einen Euro am Tag, Taktverdichtungen bei Bus und Bahn und zusätzliche Haltestellen – die Modellstädte Essen und Reutlingen starten eine Nahverkehrsoffensive für ein besseres Klima.

          Hamburg, Stuttgart, Frankfurt, Berlin und Aachen – die Liste der Städte, in denen Dieselfahrverbote drohen oder schon real sind, wächst stetig. Der Grund: Seit Jahren werden die per EU-Gesetz vorgeschriebenen Grenzwerte für Stickoxide in vielen deutschen Ballungszentren überschritten. Auch in Essen und Reutlingen dürfte man die Debatte um Fahrverbote mit großem Interesse verfolgen. Schließlich verzeichnen beide Städte ebenfalls hohe Stickoxidwerte. Im Kampf um saubere Luft wollen sie nun die Verkehrswende in Schwung bringen. Unterstützung erhalten sie dabei von der Bundesregierung. Denn Essen und Reutlingen gehören neben Bonn, Herrenberg und Mannheim zu den fünf Modellstädten in Deutschland, die innovative Verkehrsprojekte zur Luftreinhaltung erproben. Der Bund fördert die Maßnahmen bis 2020 mit insgesamt 130 Millionen Euro. Das Geld steht zusätzlich zum eine Milliarde schweren „Sofortprogramm saubere Luft 2017-2020“ zur Verfügung. „Wir unterstützen die Modellstädte dabei, den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) vor Ort noch attraktiver zu machen und die Luftqualität in den Innenstädten zu verbessern“, so Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer. Die geförderten Maßnahmen würden wichtige Anreize setzen, das Auto auch mal stehen zu lassen.

          Maßnahmen in Reutlingen und Essen

          Reutlingen setzt unter anderem ein Jahresticket für einen Euro am Tag um. „Wir nehmen hier einen tiefgreifenden Wandel im Nahverkehrsangebot vor. Das vom Bund geförderte 365-Euro-Ticket kommt dem Wunsch vieler Bürger entgegen, dass Busfahren günstiger sein müsste, um sich als echte Alternative zum Auto zu etablieren“, sagt Oberbürgermeisterin Barbara Bosch. Insgesamt erhält die Stadt in Baden-Württemberg rund 19 Millionen Euro für ihre Sofortmaßnahmen. Dazu gehört auch ein neues Stadtbuskonzept, das bereits im Herbst kommenden Jahres an den Start gehen soll. Mit zehn neuen Buslinien, 100 neuen Haltestellen, verbesserten Takten und einer optimierten Anbindung der Außenbezirke will die Stadt zwei Millionen mehr Fahrgäste im Stadtverkehr ­gewinnen.

          Auch Essen setzt unter anderem auf Taktverdichtungen und neue Tarifangebote im ÖPNV und erhält dafür rund 21 Millionen Euro. Ein weiterer Teil des Geldes fließt in den Ausbau des Radverkehrs. „Der Modal Split ist unsere Achillesferse“, gibt Essens Oberbürgermeister Thomas Kufen zu. Die Fördergelder sollen helfen, das zu ändern: Bei fünf Buslinien sowie einer Straßenbahnlinie wird der Takt in der Hauptverkehrszeit voraussichtlich zum nächsten Fahrplanwechsel im Juni 2019 von zehn auf fünf Minuten verdichtet. Damit mehr Pendler ihr Auto stehen lassen, sind außerdem Rabatte für Neukunden angedacht. Zudem will die Stadt neue Fahrradstraßen mit einer Länge von insgesamt 12,8 Kilometern einrichten, um Lücken im bestehenden Radverkehrswegenetz zu schließen. „Die Verbesserung der Luftqualität und Senkung der NOx-Werte ist aus Sicht der Stadt Essen nur durch ein ineinandergreifendes Maßnahmenpaket zu erreichen. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind ein zusätzlicher Baustein der Luftreinhalteplanung in Essen und werden zu einer nachhaltigen Verbesserung der Luftverhältnisse beitragen“, erklärt Thomas Kufen.

          Autobauer in der Pflicht

          Im Jahr 2020 soll feststehen, welche Projekte auf andere Städte übertragen werden können. Eine Anschlussfinanzierung durch den Bund ist allerdings nicht vorgesehen. Genau die müsse aber sichergestellt werden, um die erreichten Ziele auch dauerhaft fortschreiben zu können, fordert Thomas Kufen. Seine Amtskollegin aus Reutlingen sieht zudem auch die Autohersteller in der Pflicht. „Weder die kommunale Verkehrspolitik noch die kurzfristig geförderten Maßnahmen von Bund und Land allein können Diesel­fahrverbote im Jahr 2020 ausschließen. Alle Akteure sind gefragt – auch die Autoindustrie“, erklärt Barbara Bosch und fordert die Bundesregierung auf, sich mit den bislang erzielten Ergebnissen bei den Verhandlungen mit der Automobilindustrie nicht zufrieden zu geben. Wichtig sei es, vor allem jene Dieselfahrer zu unterstützen, die sich kein neues Auto leisten und eine Umtauschprämie daher auch nicht in Anspruch nehmen können.

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