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Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrs­unternehmen (VDV) Bild: Marco Urban

: „Die Verkehrswende kann gelingen“

Deutschland steht vor großen verkehrs- und klimapolitischen Herausforderungen. Ingo Wortmann, Präsident des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), spricht im Interview über die Studie der Initiative „Deutschland mobil 2030“ und Konzepte für die Mobilität der Zukunft.

          Herr Wortmann, Deutschland steht vor großen verkehrs- und klimapolitischen Herausforderungen: Das Verkehrsaufkommen im Personen- und Güterverkehr wächst stetig und bringt die Infrastruktur vielerorts an ihre Grenzen. Wie wird die Verkehrswende politisch und fachlich möglich?
          Indem alle verantwortlichen Akteure den bereits eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen. Eine andere Alternative gibt es ohnehin nicht. Der Klimawandel ist weltweit genauso real wie die konkreten Probleme der Luftreinhaltung in vielen Städten. Da müssen wir im Verkehrssektor deutlich gegensteuern. Unter anderem natürlich durch die Stärkung der umweltfreundlichen Verkehrsträger wie Busse und Bahnen. Das kann gelingen, ist aber angesichts der nur kurzen Zeit, die uns mit Blick auf die Erreichung von Umwelt- und Klimaschutzzielen bleibt, ein Kraftakt. Unser Ziel als Branche ist es, bis zum Jahr 2030 unsere Marktanteile deutlich zu erhöhen: plus 30 Prozent im öffentlichen Personenverkehr und plus 22 Prozent im Schienengüterverkehr. Das gelingt nur, wenn wir selber noch besser werden und wenn die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.

          Der VDV zeigt in seiner neuesten Studie „Deutschland mobil 2030“, dass die Umstellung auf eine moderne, bezahlbare und klimaschonende Mobilität in Deutschland gelingen kann. Welche Trends haben Sie ermittelt?
          Die Verkehrswende, oder wie man das notwendige Handeln in unserem Sektor auch immer bezeichnen möchte, kann gelingen. Das ist die zentrale und natürlich aus politischer wie unternehmerischer Sicht wichtige Erkenntnis dieser Studie. Die Gutachter zeigen aber deutlich, dass dafür eine ganze Reihe von Maßnahmen umgesetzt werden müssen, auch unbequeme. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen wir die Mobilität in Deutschland künftig deutlich verändern. Es muss gelingen, künftig weniger Verkehr bei trotzdem wachsender Mobilität zu gewährleisten. Das heißt also, dass die individuellen Mobilitätsbedürfnisse der Menschen vermehrt in gemeinsam nutzbaren Verkehrsangeboten wie dem ÖPNV stattfinden werden. Denn nur so können wir begrenzte Flächen effizient nutzen und finanziell attraktive Angebote für alle Bürger garantieren. Dafür müssen wir in unserer Branche die Angebote ausweiten und die Infrastruktur sanieren, ausbauen und um neue Strecken ergänzen, damit wir attraktiver für deutlich mehr Kunden werden.

          Die Studie spricht von einem Weg zu mehr Mobilität und Lebensqualität. Mit welchen Maßnahmen und Projekten kann dies erreicht werden?
          Da gibt es einiges zu tun. Das jetzt alles aufzuzählen würde sicher den Rahmen sprengen. Es ist wohl unstrittig, dass wir für lebenswertere Städte, für die Gleichwertigkeit von Lebensverhältnissen in den Städten und auf dem Land sowie für mehr Klima- und Umweltschutz insgesamt die Verkehre stärken und ausbauen müssen, die effizient und nachhaltig Menschen und Güter befördern können. Neben der bereits erwähnten Angebots- und Infrastrukturausweitung, die wir als Branche brauchen, um einfach mehr Kundinnen und Kunden zu befördern, braucht es dazu auch auf politischer Ebene ganz konkrete Anpassungen bei den Rahmenbedingungen. Die Genehmigungs- und Planungsverfahren für unsere Bauvorhaben dauern beispielsweise viel zu lange. Es kann nicht sein, dass wir 20 Jahre planen, um ein Projekt dann am Ende doch nicht umzusetzen. Zudem wird sich der Verkehrsmarkt weiterentwickeln, neue Anbieter drängen in den Markt. Doch die wollen nicht alle Verkehrsdienstleistungen im Sinne der Daseinsvorsorge erbringen, sondern in erster Linie Kundendaten abschöpfen und Gewinne maximieren. Hier ist dann ebenfalls die Politik gefordert, für faire Wettbewerbsbedingungen im Sinne der Kunden und der Verkehrsunternehmen zu sorgen. Unsere Branche wiederum muss sich mit diesen neuen Anbietern und Geschäftsmodellen aktiv auseinandersetzen und dort, wo es sinnvoll und möglich ist, kooperieren. Diesen Weg gehen immer mehr unserer Unternehmen gerade.

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