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Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) Bild: vdv

: „Der ÖPNV benötigt auskömmliche und planbare Rahmenbedingungen“

Die deutschen Städte stehen auf dem Weg zur Mobilität der Zukunft vor großen Herausforderungen. Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), spricht im Interview über finanzielle Rahmenbedingungen und neue Angebote.

          Herr Wolff, der Runde Tisch bei der F.A.Z. stand unter dem Motto „Mobilität findet Stadt“. Vor welchen Herausforderungen stehen die Städte bei der Gestaltung einer zukunftsfähigen Mobilität?
          Gerade die großen Städte und Ballungszentren Deutschlands wachsen rasant. Damit steigt jedoch auch das Verkehrsaufkommen – zunehmende Belastungen durch Staus und Lärm sind die Folgen. Damit die Lebensqualität der Menschen erhalten bleibt, müssen wir umdenken und neue Wege finden, Mobilität effizienter und klimaverträglicher zu gestalten. Wir müssen wegkommen von der isolierten Betrachtung einzelner Verkehrsmittel und hinkommen zu einer intelligenten Vernetzung unterschiedlicher Mobilitätsformen. Die enormen Aufgaben, die damit verbunden sind, kann keiner allein lösen, das gelingt nur im Schulterschluss. Darum ist es so wichtig, dass die Akteure zusammenkommen und gemeinsam über die dringend benötigten Lösungen für die Mobilität der Zukunft sprechen. Der Runde Tisch der F.A.Z. hat hierzu einen wichtigen Beitrag geleistet.

          Welche Unterstützung benötigen die Verkehrs­unternehmen bei der Gestaltung einer attraktiven und nachhaltigen Mobilität?
          Der Nahverkehr mit Bus und Bahn bildet das Rückgrat einer umweltfreundlichen Mobilität in den Städten. Und er wird von den Menschen gut angenommen, wie die seit Jahren steigenden Fahrgastzahlen eindrucksvoll belegen. Wenn diese positive Entwicklung weitergehen soll, sind die Unternehmen allerdings auf eine dauerhafte, auskömmliche und planbare Finanzierung angewiesen. Nur so können die Kapazitäten ausgebaut, nur so kann auch der enorme Modernisierungsbedarf im Öffentlichen Personennahverkehr in den Städten gestemmt werden. Die sukzessive Erhöhung der Mittel aus dem Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz ist ein erster und wichtiger Schritt, dem aber weitere folgen müssen. So ist es von zentraler Bedeutung, dass die Fördermittel des Bundes künftig auch für Modernisierungen und nicht mehr nur für Neubaumaßnahmen zur Verfügung stehen. Darüber hinaus sehe ich auch die Länder in der Pflicht, zweckgebundene Gelder für den ÖPNV zur Verfügung zu stellen. Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Hessen und Berlin haben das bereits vereinbart, in anderen Ländern fehlt eine solche Regelung.

          Die Menschen wollen ihre Mobilität immer individueller und flexibler gestalten. Was bedeutet das mit Blick auf den öffentlichen Verkehr?
          Das bedeutet, dass die Verkehrsunternehmen ihre Angebote weiterhin bedarfsgerecht und nutzer­orientiert ausbauen müssen. Wenn wir wollen, dass die Menschen häufiger das eigene Auto stehen lassen oder sogar ganz darauf verzichten, müssen ent­sprechende Alternativen zur Verfügung stehen. Am Ende benötigen die Kunden ein attraktives Gesamtangebot aus einem Guss, aus dem sie für sich das jeweils passende Verkehrsmittel auswählen können. Die Verkehrsunternehmen und -verbünde arbeiten daher bereits intensiv an einem umfassenden Mobilitätsmanagement. Ein Beispiel dafür sind die innovativen On-demand-Services, die derzeit von immer mehr Verkehrsunternehmen in Deutschland geschaffen werden. Diese Angebote ergänzen die klassischen öffentlichen Verkehrsmittel beispielsweise in Vororten oder zu Zeiten mit geringerer Nachfrage und tragen so dazu bei, den Öffentlichen Nahverkehr insgesamt attraktiver zu machen. Die bisherigen Erfahrungen zeigen, dass diese Angebote bei den Kunden gut ankommen.

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