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: Den Schienengüterverkehr stärken

Bild: VDV

Die Umstellung auf eine klimaschonende Mobilität in Deutschland kann nur gelingen, wenn auch im Güterverkehr umgedacht wird und verstärkt Transporte auf die Schiene verlagert werden. Das Ziel der im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) organisierten Güterbahnen sind 22 Prozent mehr -Güterverkehr auf der Schiene bis 2030. Damit das gelingt, sind unter anderem mehr Gleisanschlüsse erforderlich.

          Der Güterverkehr auf der Schiene leistet bereits heute einen signifikanten Beitrag zur Verkehrswende. Nach Angaben des VDV werden in Deutschland jährlich 600 Millionen Tonnen Güter auf der Schiene transportiert – das entspricht einem Marktanteil von 18,2 Prozent. Dabei erzeugt der Schienengüterverkehr pro Tonne und Kilometer nur 23 Gramm CO2. Das sind rund 80 Prozent weniger, als bei entsprechenden Lkw-Fahrten entstehen würden. Der VDV will die Umstellung auf eine moderne, bezahlbare und klimaschonende Mobilität in Deutschland vorantreiben und dazu auch den Güterverkehr auf der Schiene stärken. Wie das gelingen kann, zeigt die Studie „Deutschland mobil 2030“, die 2018 im Auftrag des Verbandes von den Beratungsunternehmen PwC und Intraplan erstellt worden ist. Danach kann die Schiene ihren Anteil am Modal Split bis 2030 um 22 Prozent gegenüber dem im Bundesverkehrswegeplan (BVWP) vorausgesagten Wert steigern. Voraussetzung dafür ist, dass die Branche in Infrastruktur, Innovationen, Digitalisierung sowie Qualifizierung investiert und die Politik finanziell wie rechtlich die notwendigen Rahmenbedingungen schafft. Mit der Initiative „Deutschland mobil 2030“ will der VDV gemeinsam mit zahlreichen Partnern darauf hinwirken, dass die Verkehrswende im Personen- und Güterverkehr gelingt.

          An vielen Stellschrauben drehen

          Die Politik hat den Handlungsbedarf erkannt und mit der Verabschiedung des Masterplans Schienengüterverkehr im Juni 2017 einen wichtigen Schritt zur Stärkung des Schienengüterverkehrs unternommen. Der Masterplan ist das Ergebnis der Arbeit eines runden Tisches, an dem neben dem Bundesverkehrsministerium auch Bahnunternehmen, Branchenverbände aus Verkehr, Logistik und Industrie sowie Wissenschaftler mitgewirkt haben. Zu den empfohlenen Maßnahmen gehören unter anderem die Ertüchtigung des Schienennetzes, der Ausbau der Großknoten, eine stärkere Elektrifizierung und mehr Tempo bei der Digitalisierung. Zudem empfiehlt der Masterplan, die Finanzierung sicherzustellen, Anlagen- und Trassenpreise zu reduzieren und Abgaben sowie Steuern zu senken. „Der Masterplan Schienengüterverkehr bietet eine sehr gute Grundlage, um die Leistungsfähigkeit der Schiene zu erhöhen“, konstatiert Dr. Martin Henke, Geschäftsführer Eisenbahnverkehr im VDV. „Er zeigt, dass wir als Sektor gemeinsam mit der Politik an vielen Stellschrauben drehen müssen, um die Güterbahnen wieder wettbewerbsfähiger zu machen.“ Mittlerweile hat die Bundesregierung erste Maßnahmen auf den Weg gebracht – allen voran die Trassenpreissenkung im Schienengüterverkehr sowie die Aufnahme des Ausbaus wichtiger Güterverkehrsstrecken für 740 Meter lange Güterzüge in den vordringlichen Bedarf des Bundesschienenwegeausbaugesetzes. Aber auch die Güterbahnen haben wichtige Schritte unternommen. Insbesondere an der Lärmsanierung der Güterwagenflotte und an der Digitalisierung der Fahrzeuge arbeitet die Branche mit Hochdruck. „Wir brauchen eine schnelle Umsetzung der notwendigen Maßnahmen, um den Schienengüterverkehr moderner und leistungsfähiger aufzustellen. Es bleibt noch viel zu tun“, bilanziert Dr. Henke.

          Ein Ansatzpunkt für die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit im Schienengüterverkehr ist die im Masterplan verankerte Gleisanschlussförderung. Erhebungen der Bundesnetzagentur zufolge ist die Zahl der Gleisanschlüsse von rund 11 000 im Jahr 1997 auf aktuell etwa 2 000 geschrumpft. Um zusätzliche Mengen auf die Schiene zu verlagern, benötigt der Wagenladungsverkehr ein ausreichendes Netz von Gleisanschlüssen und multimodalen Logistikknoten. Der VDV macht sich daher zusammen mit über 30 Verbänden und Interessenvertretungen aus Industrie, Handel, Wirtschaft und öffentlichen Einrichtungen branchenübergreifend für mehr Gleisanschlüsse im Schienennetz stark. Gemeinsam haben die Akteure eine Gleisanschluss-Charta erarbeitet, die den Masterplan ergänzen und die Wachstumspotentiale der Schiene umfassend erschließen soll. Die umsetzungsreifen Vorschläge der Charta richten sich an Bund, Länder, Kommunen, Industrie, Handel, Logistik und die Eisenbahnbranche selbst. Damit ist die Charta auch als eine Selbstverpflichtung der Branche zu verstehen. „Das Thema Gleisanschluss braucht stärkeren Rückenwind, um politisch und wirtschaftlich weiter nach vorn gebracht zu werden“, erklärt Dr. Henke. „Gleichzeitig muss die Bedeutung des Verkehrsträgers Schiene, insbesondere vor dem Hintergrund der angestrebten CO2-Reduzierung, wieder stärker ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.“ 

          Wachsendes Interesse bei Unternehmen 

          Bei Unternehmen der verladenden Wirtschaft und der Logistik ist ein wachsendes Interesse an der Schiene und am eigenen Gleisanschluss festzustellen. Auch die Ver- und Entsorgung von Metropolregionen und Logistikzentren per Bahn wird von Kommunen, Ländern und Unternehmen verstärkt in Betracht gezogen. Dabei werden Unternehmen und Akteure jedoch häufig von hohen finanziellen und administrativen Hürden abgeschreckt. Der Betrieb werksinterner Straßeninfrastrukturen und der Anschluss an das öffentliche Straßennetz sind oft mit deutlich weniger Aufwand und Risiko verbunden als ein eigener Gleisanschluss. Unterstützung erhalten interessierte Unternehmen vom Bund. Auf Grundlage der Gleisanschlussförderung, die 2004 auf Initiative des VDV ins Leben gerufen worden ist, stellt das Eisenbahn-Bundesamt Fördermittel für Unternehmen bereit, die private Gleisanschlüsse reaktivieren, erweitern oder neu bauen. Die Förderung ist an die Verpflichtung gekoppelt, ein festgelegtes Volumen über die Schiene zu transportieren. Im Gegenzug werden bei Bewilligung Zuschüsse in Höhe von maximal 50 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten gewährt.

          Zu den Unternehmen, die eine solche Förderung erfolgreich beantragt haben, gehört auch GoodMills Deutschland. Deutschlands größter Getreidemühlen-Konzern zieht 2020 mit der Ellmühle vom Deutzer Hafen in Köln nach Krefeld um. Für die Ansiedlung der größten Mühle Europas hat GoodMills ein 47 000 Quadratmeter großes Grundstück erworben. Mehr als 300 000 Tonnen Getreide sollen dort künftig pro Jahr zu Mehl verarbeitet werden. Dafür entstehen eine komplett neue Fabrik mit einer hochautomatisierten Mühle sowie Gebäude für Verwaltung, Labors und Warenannahme. Im Krefelder Hafen findet das Unternehmen dafür gute Bedingungen vor. Der kombinierte Verkehr ist dort längst Wirklichkeit. Der Rheinhafen in Nordrhein-Westfalen bietet seit 2008 auf mehr als 30 000 Quadratmetern trimodalen Umschlag, so dass die Systemvorteile der unterschiedlichen Verkehrsträger miteinander verknüpft werden können. „Mit GoodMills wurde eine geradezu idealtypische Ansiedelung für unseren Hafenstandort gewonnen, da das Unternehmen durch seine Hafen- und Bahnaffinität die von uns vorgehaltene Infrastruktur intensiv nutzen und damit zu einer signifikanten Steigerung im Massengutumschlag des Krefelder Hafens beitragen wird“, erklärt Elisabeth Lehnen, Geschäftsführerin des Hafens Krefeld.

          Ein Höchstmaß an Versorgungssicherheit 

          Die Unternehmen im Hafen sind über die Schieneninfrastruktur und den hafeneigenen Bahnhof direkt mit der Bahnstrecke Duisburg–Köln verbunden. Die eigene Hafenbahn bietet neben den Zustellverkehren auf der „letzten Meile“ auch flexible Dienstleistungen im regionalen Umfeld an. Die zusätzliche Möglichkeit des Wasserumschlags sichert allen Unternehmen ein Höchstmaß an Versorgungssicherheit im Rohstoffzufluss. „Die Anbindung an verschiedene Verkehrsträger ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil von Hafenstandorten“, betont Lehnen. Durch den Umzug in den Krefelder Hafen kann die Ellmühle die Produktion maßgeblich steigern. „Wir freuen uns auf den Neustart in Krefeld“, sagt Gunnar Steffek, Geschäftsführer von GoodMills Deutschland. „Der neue Standort bietet uns optimale Verkehrsanbindungen und beste Rahmenbedingungen, um eine der modernsten Mühlen Europas von Grund auf neu zu konzipieren. Der trimodale Umschlag mit seiner Anbindung an Straße, Schiene und Binnenschifffahrt ist für uns essentiell, um den effizienten Transport großer Getreidemengen zu realisieren.“

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