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: Auf dem Weg zu mehr Wettbewerbsfähigkeit

Längere Züge, bessere Gleisanschlüsse und eine sichere Finanzierung für Investitionen in digitale Infrastruktur sollen mehr Güter von der Straße auf die Schiene bringen: Bis zum Jahr 2030 soll die Transportleistung im Güterverkehr um 38 Prozent steigen. Bild: Shutterstock.com/Denis Belitsky

Vor dem Hintergrund zunehmender Lieferverkehre wird seit langem gefordert, mehr Güter über die Schiene zu transportieren. Den nötigen Instrumentenkasten dafür liefert der Masterplan Schienengüterverkehr des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur.

          Fast 565 Millionen Tonnen Güter werden dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) zufolge jährlich in Deutschland auf der Schiene transportiert, werktäglich ersetzt der Schienengüterverkehr (SGV) somit rund 77.000 Lkw. Dabei erzeugt er pro Tonnen und Kilometer nur etwa 23 Gramm CO2 – rund 80 Prozent weniger, als bei entsprechenden Lkw-Fahrten entstehen würden. Insgesamt sind die Kohlenstoffdioxid-Emissionen im SGV seit dem Jahr 2000 trotz zunehmender Transportmengen um 26 Prozent gesunken. DB Cargo, die Güterbahntochter der Deutschen Bahn, will bis zum Jahr 2050 sogar komplett CO2-frei auf der Schiene unterwegs sein. Angesichts gleichermaßen hoher Energieeffizienz und Leistungsfähigkeit wird der SGV als ein ideales Instrument zur Umsetzung von Klimaschutz und Energiewende im Verkehrsbereich gehandelt, was auch die deutsche Automobilindustrie dazu veranlasst, vermehrt auf den Verkehrsträger Schiene zu setzten. Denn die Verlagerung der Absatzlogistik auf die Schiene ist eine wirkungsvolle Maßnahme zur Reduzierung der Kohlenstoffdioxid-Emissionen und somit auch zum Erreichen der unternehmensinternen Nachhaltigkeitsziele. Über 60 Prozent aller Neufahrzeuge verlassen die Produktionsanlagen der Münchener BMW Group bereits auf der Schiene, bei der Audi AG im benachbarten Ingolstadt sind sämtliche Bahntransporte innerhalb Deutschlands seit vergangenem Jahr CO2-frei. Somit wickelt die VW-Tochter als erstes Unternehmen in Deutschland seine Logistikverkehre auf der Schiene vollständig klimaneutral ab und spart dabei jährlich mehr als 13.000 Tonnen CO2 ein.

          Masterplan für den Schienengüterverkehr

          Obwohl der SGV einen signifikanten Beitrag zur Energiewende leistet, sieht er sich mit hohen Belastungen und einer starken Konkurrenz durch den Straßengüterverkehr konfrontiert. Damit die Verlagerung von Transporten auf die Schiene dennoch gelingt, sollen die Wettbewerbsbedingungen angeglichen werden. Eine Allianz von Unternehmen und Verbänden erarbeitete gemeinsam mit dem Bund den Masterplan Schienengüterverkehr, der im Juni 2017 vom Bundesverkehrsministerium verabschiedet wurde. Das Papier sieht vor, den Anteil des Schienengüterverkehrs am Logistikmarkt zu erhöhen und die Digitalisierung der Branche voranzutreiben. Erste im Strategiepapier definierte Vorhaben konnten bereits umgesetzt werden: Die Trassenpreise für Schienengüterverkehrsunternehmen sind mit Wirkung zum 1. Juli 2018 halbiert worden. Die daraus resultierenden Erlösausfälle der Eisenbahninfrastrukturunternehmen kompensiert der Bund mit Mitteln aus dem Haushalt 2018. „Jetzt hoffen wir, dass die angekündigte Senkung der Stromsteuer und die Befreiung von der EEG-Umlage schnellstmöglich umgesetzt werden, denn als energieeffizienter, aber energieintensiver Verkehrsträger ist die Schiene in den letzten Jahren besonders stark von steigenden Kosten betroffen“, erklärt Joachim Berends, Vorstand des Eisenbahnverkehrsunternehmens Bentheimer Eisenbahn AG.

          Schienen, Weichen, Gleisanschlüsse – alles neu

          Der Bundesverkehrswegeplan definiert ein weiteres Maßnahmenbündel, um die Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit des Schienenverkehrs auszubauen. Eine besonders hohe Priorität hat dabei die Erhöhung der maximalen Zuglänge. Denn während es in Europa Standard ist, dass Güterzüge mit einer Länge von 740 Metern unterwegs sind, bleiben Züge in Deutschland aufgrund punktuell fehlender Überholgleise oft hinter dieser Vorgabe zurück. Das Bundesverkehrsministerium stuft die Ausbauprojekte für längere Güterzüge deshalb als besonders wichtig ein. „Mit einer Standardzuglänge von 740 Metern erhöhen wir die Wettbewerbsfähigkeit der Schiene gegenüber dem Lkw in puncto Preis und Qualität“, sagt der Vorstandsvorsitzende von DB Cargo, Roland Bosch. Darüber hinaus haben sich im Rahmen der 1. Gleisanschlusskonferenz Mitte Oktober in Berlin 21 Verbände und Interessenvertretungen branchenübergreifend für mehr Gleisanschlüsse im deutschen Schienennetz ausgesprochen. Neben dem Neu- und Ausbau ist es aus Sicht der Branche dringend nötig, die Rahmenbedingungen für die Nutzung und den Betrieb bestehender Gleisanschlüsse und multimodaler Logistikknoten zu verbessern. „Ein solch breites Bündnis aus Handel, Wirtschaft, Verkehr und Politik, das sich aktiv hinter die Forderung nach mehr Gleisanschlüssen stellt, gab es noch nie. Wir dürfen beim Güterverkehr nicht länger nur über Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene reden, sondern müssen diese unter anderem durch mehr Gleisanschlüsse auch tatsächlich möglich machen“, so der Geschäftsführer für den Bereich Eisenbahnverkehr im VDV, Dr. Martin Henke.

          Smarte Logistik mit sicherer Finanzierung

          Zu einer erheblichen Stärkung des Schienenverkehrs soll dem Masterplan Schienengüterverkehr zufolge die Leistungs- und Finan­zierungsvereinbarung III beitragen. Der Vertrag wird aktuell zwischen dem Bund und der DB AG ausgehandelt und soll der Bahn Finanzmittel zusichern, um in Betriebsabläufe und Digitalisierung zu investieren. Letztere bietet große Chancen, die Produktivität und Qualität des Schienengüterverkehrs deutlich zu steigern, da der Einsatz digitaler Innovationen die Zuverlässigkeit des Betriebs erhöht und gleichzeitig Abläufe beschleunigt. Eine fortwährende Synchronisierung von Verkehrsmitteln, Verladern und Infrastrukturinformationen ermöglicht einerseits eine intermodale Planung und andererseits einen kurzfristigen Wechsel der Transportroute. Somit können Logistikunternehmen ihre Transportketten unter Einbezug sämtlicher relevanter Daten optimieren. Gleichzeitig entlasten die flexiblen Abläufe auch die Infrastruktur – gerade an stark befahrenen Bahnknoten. Der verbesserte Informationsaustausch beschleunigt auf diese Weise nicht nur einzelne Transportketten, sondern ermöglicht zudem die Erhöhung von Zugfolgen im gesamten Schienennetz.

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