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: Alternative Antriebe: In Zukunft elektrisch?

Bild: VDV

Die Diskussionen um den Diesel haben die Aufmerksamkeit auf die Situation in den Ballungszentren gelenkt. Aber welchen Beitrag können alternative Antriebe leisten, um die Situation in den ­Städten zu verbessern?

          Vorreiter ist der öffentliche Verkehr. Dort sind Elektrobusse im Kommen. Ob in Berlin, Hamburg, Köln, Osnabrück, Wiesbaden oder Darmstadt – immer mehr Verkehrsunternehmen arbeiten daran, zunächst komplette Linien und später eventuell sogar die gesamte Flotte auf den Einsatz von Elektrobussen umzustellen. Nach Zahlen des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) setzen bereits rund 47 Verkehrsunternehmen auf die lokal emissionsfreie Alternative, Tendenz steigend. Allein für das Förderprogramm des Bundesumweltministeriums wurden nach VDV-Angaben rund 1000 Busse angemeldet. „Allerdings werden aufgrund der Begrenzung der Fördermittel wahrscheinlich lediglich etwa 60 E-Busse pro Jahr gefördert“, sagt Martin Schmitz, VDV-Geschäftsführer Technik. Damit ist bereits ein Teil des Problems genannt. Noch sind Elektrobusse mit rund 700.000 Euro Anschaffungskosten fast doppelt so teuer wie ein moderner Dieselbus. Zusätzlich entstehen Kosten zum Aufbau der Ladeinfrastruktur, zum Netzanschluss und einem Umbau der Depots- und Werkstätten sowie im Betrieb. Die Verkehrsunternehmen sind daher dringend auf die Förderung angewiesen. „Wenn eine lokale Zero-Emissions-Politik gewünscht wird, muss akzeptiert werden, dass dies teurer ist als die aktuellen Angebote. Damit müssen die Zuschüsse erhöht oder die Mobilität teurer bepreist werden“, so Martin Schmitz. Ein weiteres Problem: Das Angebot von E-Bussen auf dem Markt ist eher überschaubar – gerade bei deutschen Herstellern. So hat zum Beispiel Daimler erst auf der IAA im September mit dem Mercedes Benz eCitaro seinen Beitrag vorgestellt. Der Bus soll ab 2019 ausgeliefert werden – unter anderem an die Hamburger Hochbahn und die Berliner Verkehrsbetriebe. Und MAN wird nach Probeläufen in einigen Verkehrsunternehmen voraussichtlich erst 2020 in Serie gehen. Das kleinere Unternehmen Sileo ist hier schon einen Schritt weiter. Erste Fahrzeuge sind bereits in einigen deutschen Städten im Einsatz. Der ­Bedarf ist also vorhanden. Doch was tun, wenn das Angebot fehlt? Eine mögliche Antwort auf diese Frage bietet das Unternehmen in-tech aus Garching bei München. Mit e-troFit hat es eine Lösung entwickelt, um Dieselbusse auf Elektroantrieb umzurüsten. Nach Angaben des Unternehmens ist die Umrüstung im Vergleich zum Neukauf eines Elektrobusses um rund 50 Prozent günstiger. in-tech hat dafür eine individuelle Lösung entwickelt: Mit der Analyse des Liniennetzes werden die Anforderungen an Batteriereichweite, Motorleistung und Ladekonzept ermittelt. Darauf aufbauend, wird ein maßgeschneiderter Antriebsstrang ausgelegt, der nur so viel Batteriekapazität enthält wie notwendig. So lassen sich Kosten und Gewicht einsparen. Die Umrüstung des Busses findet in einem Partnerwerkstattnetz statt.

          Maßgeschneiderte Umrüstlösung

          „Viele Städte und Gemeinden suchen den Einstieg in die Elektromobilität“, sagt Andreas Hager, Leiter Business Unit New Mobility Solutions bei in-tech. „Neue Elektrobusse sind derzeit aber nur begrenzt am Markt verfügbar und außerdem teuer in der Anschaffung. Wir haben uns gefragt: Warum sollte man Dieselbusse verschrotten, die technisch noch in Ordnung sind? Mit der Umrüstung auf Elektroantrieb machen wir diese Fahrzeuge fit für die Zukunft.“ Mit diesem Ansatz gehört in-tech zu den Gewinnern des Deutschen Mobilitätspreises 2018. Und Interessierte gibt es auch schon. So wurde ein erster Bus im Rahmen eines Pilotprojektes mit den Stadtwerken Landshut umgerüstet. Übergabe und Einsatz im Linienbetrieb soll im kommenden Jahr ­beginnen.

          Wie viele Verkehrsunternehmen setzt auch die Hamburger HOCHBAHN verstärkt auf innovative Antriebstechnologien – zum Beispiel auf diesen Batteriebus mit Brennstoffzelle.

          Auch Taxis können einen Beitrag leisten, um die Situation in den Innenstädten zu entlasten. In München sind zum Beispiel schon seit 2010 sogenannte Eco-Taxis unterwegs. Das Projekt geht auf den ADAC Südbayern zurück, der umweltschonende Taxifahrzeuge auszeichnet. Mittlerweile gibt es rund 300 zertifizierte Umwelttaxis, die kaum Stickoxide oder Feinstaub ausstoßen und an einem eigenen Aufkleber direkt für die Kunden zu erkennen sind. „Wir haben eine ganze Reihe von Unternehmen gewonnen, die nur noch Eco-Taxis ordern“, sagt Florian Hördegen, Projektleiter beim ADAC. Seit September 2017 geht man in München noch einen Schritt weiter und nimmt auch die Elektromobilität in den Blick. Das Umweltreferat der Stadt fördert den Kauf eines E-Taxis mit bis zu 40 Prozent der Anschaffungskosten. Insgesamt stehen dafür rund zwei Millionen Euro zur Verfügung. Der ADAC Südbayern, der das Projekt begleitet und federführend entwickelt hat, zieht eine vorsichtig positive Bilanz. „Aktuell gibt es 17 E-Taxis in München. Das reicht noch nicht“, sagt Florian Hördegen. Er setzt darauf, dass etwa mit dem Ausbau wichtiger Standorte wie dem Taxi-Speicher am Münchner Flughafen auch die Nachfrage angekurbelt wird. Martin Schmitz unterstreicht die Bedeutung des Umdenkens, macht aber auch klar: „Es dürfen nicht einseitig der öffentliche Verkehr und das Taxi-Gewerbe zur Nutzung emissionsfreier Fahrzeuge gezwungen werden, während der motorisierte Individualverkehr (MIV) mit herkömmlicher Antriebstechnik weiterbetrieben werden darf. Vielmehr sind Investitionen in einen Angebotsausbau im öffentlichen Verkehr und innerstädtische Maßnahmen nötig, um den MIV zu reduzieren.“

          Topmeldungen

          : Auf dem Weg zur Mobilität der Zukunft

          Der Aufbruch in ein neues mobiles Zeitalter hat längst begonnen. Im Interview diskutieren Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident für Verkehr des ADAC, und Dieter Babiel, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, wie sich die Mobilität in Deutschland bis 2030 entwickeln wird.
          Der Round Table der Frankfurter Allgemeinen (v.l.): Ulrich Klaus Becker, Vizepräsident des ADAC; Dr. Tom Kirschbaum, Geschäftsführer von door2door; Prof. Knut Ringat, Sprecher der Geschäftsführung des RMV; Oliver Wolff, Hauptgeschäftsführer des VDV; Moderator Johannes Pennekamp, F.A.Z.; Ralph Spiegler, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Nieder-Olm; Matthias Kalbfuss, Vorsitzender der Geschäftsführung Heag mobilo; Tim-Oliver Müller, Geschäftsbereichsleiter des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie.

          : Mehr Mobilität mit weniger Verkehr

          Unsere Städte ersticken im Stau. Wie mehr Mobilität mit weniger Umweltbelastung gelingen kann und welche Finanzierung dafür notwendig ist, diesen Fragen stellten sich Experten aus Politik, Wirtschaft und Verbänden während des Round Table der Frankfurter Allgemeinen.
          Ein Konzept mit Vorbildcharakter: Mit myBUS hat die Duisburger Verkehrsgesellschaft 2017 ein digital gesteuertes On-Demand-Angebot gestartet. Viele weitere Verkehrsunternehmen erproben mittlerweile ähnliche Services.

          : Nahverkehr auf Bestellung

          Immer mehr Verkehrsunternehmen erproben On-Demand-Angebote, bei denen sich Fahrgäste mit ähnlichem Ziel einen Kleinbus teilen. Die innovativen Konzepte ergänzen den klassischen Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) und machen die Mobilität individueller und flexibler.