: Neue Blickwinkel auf die Kunst in Basel
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Bild: Basel Tourismus / Pascal Feig
In der Rheinmetropole Basel beleuchten drei Ausstellungen scheinbar Bekanntes aus neuen Blickwinkeln. Wie entwickelte Mondrian seinen abstrakten Stil? Welchen Einfluss hatte El Greco auf das künstlerische Werden von Picasso? Und wie werden die Junk-Art und der Nouveau Réalisme der 60er-Jahre ins Heute übersetzt?
Vergangenen Sommer jubelten Kunstliebhaberinnen und -liebhaber auf der ganzen Welt, als zwei gestohlene Kunstwerke in einem ausgetrockneten Flussbett außerhalb von Athen gefunden wurden. Der Grund: Die Gemälde, die 2012 aus der Nationalgalerie Athen entwendet wurden, stammen von zwei der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts – Pablo Picasso und Piet Mondrian.
In Basel widmen sich im Sommer zwei Ausstellungen den großen Meistern und gehen der Frage nach, welche Personen bzw. Dinge ihr Schaffen geprägt haben. Die Fondation Beyeler widmet sich Mondrians Frühwerk und seiner künstlerischen Evolution von der Landschaftsmalerei über den Kubismus hin zur Abstraktion, während das Kunstmuseum Basel den Einfluss des Altmeisters El Greco auf alle künstlerischen Phasen Picassos beleuchtet. Das Museum Tinguely behandelt ab dem Herbst ein unbequemes Thema, das uns alle betrifft: „Territories of Waste“ interpretiert die Junk-Art der 60er-Jahre neu und hinterfragt den heutigen künstlerischen Umgang mit der Vermüllung unseres Planeten.
Picasso im Dialog mit El Greco
Vom 11. Juni bis 25. September zeigt das Kunstmuseum Basel die Sonderausstellung „Picasso – El Greco“. Das legendäre Haus, das die älteste öffentliche Kunstsammlung der Welt beherbergt, präsentiert als weltweit einziges Museum 30 Paarungen, die jeweils mindestens ein Werk von Picasso (1881–1973) und eines von El Greco (1541–1614) zusammenführen. Sie stellen eindrücklich unter Beweis, wie intensiv Picassos Schaffen von El Grecos Werken beeinflusst wurde. Die Gegenüberstellung der Werke macht einen der faszinierendsten Dialoge in der Kunstgeschichte sichtbar. Kuratiert wird die Ausstellung von der Picasso-Expertin Carmen Giménez, die lange am Solomon R. Guggenheim-Museum in New York gewirkt hat. Aufgrund der Fragilität vieler Leihgaben wird die Schau ausschließlich in der Rheinmetropole gezeigt. Hatte Picasso doch ohnehin eine besondere Beziehung zu Basel: Er war mit seiner Familie oft zu Besuch und schwärmte von seinen Aufenthalten im Grand Hotel Les Trois Rois, das am Ufer des Flusses thront, mit herrlichem Blick auf die Rheinpromenade und die Altstadt. Die Zuneigung war gegenseitig: In einer Volksabstimmung sprachen sich die Basler 1967 für einen Staatskredit aus, um zwei Gemälde Picassos zu erwerben, die ein heimischer Sammler aus Geldknappheit veräußern musste. Tief beeindruckt, schenkte Picasso der Stadt vier weitere seiner Werke.
Mondrians künstlerische Entwicklung
Piet Mondrian feiert dieses Jahr seinen 150. Geburtstag. Die Fondation Beyeler nimmt das runde Jubiläum zum Anlass, die Arbeiten des niederländischen Malers vom 5. Juni bis 9. Oktober mit der Einzelausstellung „Mondrian Evolution“ zu ehren. Schließlich gilt Mondrian (1872–1944) doch als einer der bedeutendsten Künstler der Avantgarde-Bewegung und prägte die gegenstandslose Malerei wie kein anderer. Seine Werke zeichnen die Entwicklung der Malerei von der Figuration zur Abstraktion nach. Die Fondation Beyeler besitzt in ihrer Sammlung vor allem Bilder aus der späteren Schaffensphase Mondrians. Die kommende Schau fokussiert jedoch auf Werke, welche Mondrians künstlerische Entwicklung bis in die 20er-Jahre und die stilistische Entstehung seines Spätwerks unter die Lupe nehmen. Wiederkehrende Motive aus der niederländischen Landschaftsmalerei werden dabei in einzelnen Kapiteln behandelt, welche die unterschiedlichen Stufen der Abstraktion verdeutlichen. Mondrians Lebenselixiere – die Kunst und die Natur – finden ihr museales Pendant in der Fondation Beyeler, die wie kaum ein anderes Haus das Erlebnis von Kunst und Natur verbindet. Als eines der schönsten Museen weltweit gepriesen, liegt das vom Stararchitekten Renzo Piano erbaute Gebäude inmitten eines Parks, den alte Bäume und Seerosenteiche zieren.
Für Kunst- und Designfans ist die pittoreske Stadt ohnehin ein Eldorado: Basel bietet auf konzentriertem Raum eine einzigartige Fülle an Weltklassemuseen, die schweizweit ihresgleichen sucht. Hier im Dreiländereck von Schweiz, Deutschland und Frankreich haben sich zudem die renommiertesten Architektinnen und Architekten der Welt mit ihren Entwürfen verewigt. Allein auf dem Novartis-Campus finden sich Gebäude von zwölf Pritzker-Preisträgerinnen und -Preisträgern.
Kunst im Kontext des Konsums
Einem ganz anderen Thema widmet sich das Museum Tinguely ab September. In Anbetracht der planetarischen Krise ist die Vermüllung des Planeten – neben dem Klimawandel und dem Artensterben – erneut ins Zentrum künstlerischer Praktiken gerückt. Die Gruppenausstellung Territories of Waste im Museum Tinguely stellt diese Positionen zeitgenössischer Kunst in den Mittelpunkt und fragt danach, auf welchen Gebieten sich die Auseinandersetzung mit dem Übrigen heute manifestiert, um damit zugleich einen neuen Blick zurück auf die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu werfen. Schon in den 1960er Jahren haben die Künstlerinnen und Künstler des Nouveau Réalisme und der Junk Art (darunter auch Jean Tinguely) den fundamentalen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Wandel vom Mangel zur Konsum- und damit einhergehenden Wegwerfgesellschaft in ihrer Praxis durch die Verwendung von Abfall und Schrott als Material ihrer Kunstwerke gespiegelt. Während die Abfallberge der überquellenden Deponien und der achtlos in der Natur entsorgte Müll in den 1960er Jahren überall sichtbar wurde, ist er heute in den westlichen Teilen der globalisierten Welt im Wesentlichen unsichtbar.
Heute wird in den zeitgenössischen Diskursen und ästhetischen Praktiken nach den versteckten und verdrängten ökologischen, geologischen und globalen Bedingungen unseres Konsums gefragt. Schonungslos werden dabei die ausbeuterischen Strukturen der westlichen Welt offengelegt. Der Begriff Müll wird nicht auf Abfall im Boden, in der Luft oder im Wasser reduziert: Die Schau thematisiert auch, welche sozioökonomischen Folgen etwa unser Datenmüll auslöst. Eine Ausstellung, die aufrüttelt und zum Denken anregt.
Nächtigen wie Picasso und Chagall
Pablo Picasso war nicht der einzige Künstler, der im Grand Hotel Les Trois Rois logierte. So war bereits Marc Chagall zu Gast im imposanten Fünf-Sterne-Hotel am Rhein. Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle fühlten sich im Les Trois Rois gar so wohl, dass sie über Jahrzehnte immer wieder kamen. Doch das waren noch längst nicht alle berühmten Gäste in der Geschichte des Traditionshauses: 1797 stattete Napoleon Bonaparte dem Hotel einen Kurzbesuch für ein Staatsdiner ab. Hundert Jahre später legte Theodor Herzl hier den Grundstein für den Staat Israel. Das Les Trois Rois, übrigens eines der ältesten Stadthotels Europas, beherbergte alles, was Rang und Namen hat. Wer heute hier das Arts & Culture Package bucht, genießt den puren Luxus und erhält freien Eintritt ins Kunstmuseum Basel und in die Fondation Beyeler sowie die BaselCard. Die kostenlose Gästekarte berechtigt zur freien Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sowie 50% Rabatt auf den Eintritt in vielen Basler Museen, aber auch auf Tickets für den Zoo Basel und an der Abendkasse des Theaters Basel.