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Vietnam: Magnet für die Industrie

Nachdem die Textilbranche bereits einen Großteil ihrer Produktion nach Vietnam verlagert hat, boomt inzwischen auch die Elektronikindustrie. Mit deutscher Hilfe wird nun außerdem der erste Autohersteller des Landes aufgebaut.

s war die Überraschung des Pariser Automobilsalons. Voriges Jahr, 2018, nahm dort ein Hersteller teil, dessen Namen die allermeisten Messebesucher nie zuvor gehört haben dürften – die Firma VinFast aus Vietnam. Der junge Autohersteller präsentierte seine beiden ersten Modelle, eine Limousine der oberen Mittelklasse und einen SUV.

Hinter VinFast steckt jedoch eines der größten privaten Unternehmen Vietnams, die Vin Group. Sie ist vor allem in der Immobilien- und Bauwirtschaft aktiv, spielt aber auch im Einzelhandel, im Tourismus und in anderen Branchen eine große Rolle. Nun will die Firmengruppe in Rekordzeit den ersten Autohersteller Vietnams aus dem Boden stampfen und die Vorherrschaft der japanischen, koreanischen und chinesischen Hersteller auf dem heimischen Markt brechen.

Das geht offenbar am schnellsten mit fremder Unterstützung. VinFast arbeitet eng mit dem BMW-Konzern zusammen, der die Basis-Technologie für die ersten Modelle des neuen Autobauers lieferte. Die Pkw, die die Vietnamesen in Paris vorstellten, beruhen auf zwei Baureihen, deren Fertigung bei BMW ausgelaufen ist und die VinFast nun in Lizenz fertigen darf. Die Karossiere ist jedoch neu, sie wurde vom italienischen Design-Studio Pininfarina entworfen.

In kurvenloser Geradeausfahrt braust Vietnam in die Zukunft. Ähnlich wie China hat das kommunistisch regierte Land 1986 damit begonnen, die Wirtschaft zu liberalisieren und sich dem Ausland zu öffnen.

Die Produktion soll noch in diesem Jahr anlaufen. Gefertigt werden die Limousine und der SUV in einem Werk nahe der Stadt Haiphong, in das die Vin Group insgesamt 3,5 Milliarden Dollar gesteckt hat. Von den Investitionen profitierten zu einem Gutteil deutsche Unternehmen. Lackierstraßen, Pressen, Roboter und die Anlagen für die Motorenfertigung stammen von Lieferanten aus der Bundesrepublik. „Die Fertigung ist fast zu 100 Prozent deutsch“, sagt Vo Quang Hue, Vizechef der Vin Group. Der Manager, der aus Südvietnam stammt, hat lange für BMW gearbeitet. Aus dieser Zeit rührt seine hohe Wertschätzung für deutsche Technologie. Auch die Autoteile und Komponenten, die Vietnam nur zum kleineren Teil selbst produzieren kann, sollen weitgehend aus der Bundesrepublik kommen.

Das Beispiel zeigt: In kurvenloser Geradeausfahrt braust Vietnam in die Zukunft. Ähnlich wie China hat das kommunistisch regierte Land 1986 damit begonnen, die Wirtschaft zu liberalisieren und sich dem Ausland zu öffnen. „Der Staat zieht sich zunehmend zurück und überlässt privaten Unternehmen wie der Vin Group die Initiative“, sagt Max Steinert, Senior Vice President, German Desk ASEAN, bei der britischen Großbank HSBC. Die pragmatische Wirtschaftspolitik trägt Früchte. So dynamisch wie in Vietnam entwickelt sich die Wirtschaft in kaum einem anderen Land der ASEAN-Staatengruppe. 2018 legte das Sozialprodukt um gut sieben Prozent zu, für das laufende Jahr erwarten die Weltbank und die Asian Development Bank ein Wachstum bis zu 6,8 Prozent. Wichtigste Triebkraft der wirtschaftlichen Entwicklung ist die verarbeitende Industrie, sie steigerte 2018 die Umsätze um rund 13 Prozent.

Der Handelsstreit zwischen China und den USA belastet jetzt freilich die dynamische Entwicklung – die beiden Länder sind die wichtigsten Exportmärkte Vietnams. Auf der anderen Seite hat die Regierung am 30. Juni 2019 ein Freihandelsabkommen mit der EU geschlossen, das die Zölle für einen Großteil der Waren aufhebt. „Das wird dem Handel zwischen Vietnam und Europa neue Impulse geben“, sagt Steinert.

Zugleich ist das Lohnniveau in Vietnam noch sehr niedrig. Die Löhne lagen im ersten Halbjahr 2018 bei durchschnittlich 5,6 Millionen Dong pro Monat, dies sind umgerechnet lediglich 215 Euro. „Die niedrigen Löhne wirken wie ein Magnet für die Ansiedelung arbeitsintensiver Industriezweige.“ Angezogen von den günstigen Bedingungen in Vietnam investierte zunächst vor allem die Textil- und Bekleidungsindustrie. Unzählige Betriebe schneidern Blusen, Jeans und T-Shirts für Modemarken wie GAP, H&M und Zara. Adidas lässt in Vietnam Jahr für Jahr Millionen von Sportschuhen herstellen. Längst ist das Land der größte Produktionsstandort des fränkischen Unternehmens. Die Rolle, die einst China spielte, hat jetzt Vietnam übernommen.

Nach der Textilindustrie hat die Konsumelektronik entdeckt, wie gut und günstig sie in Vietnam für den Weltmarkt produzieren kann. Zu den führenden Investoren gehören die japanische Firma Panasonic und die koreanischen Elektronikkonzerne Samsung und LG Group. Sie lassen in dem Land Bildschirme, Fernseher und Smartphones fertigen.

 

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HSBC ist eines der weltweit größten Finanzinstitute. In unseren vier globalen Geschäftsbereichen – Retail Banking and Wealth Management, Commercial Banking, Global Banking and Markets und Global Private Banking – sind wir für rund 39 Millionen Kunden tätig. Unser Netzwerk erstreckt sich über 65 Länder und Territorien in Europa, im asiatisch-pazifischen Raum, im Nahen Osten, in Nordafrika sowie in Nord- und Südamerika.

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Zukünftig könnten auch amerikanische IT-Konzerne nach Vietnam kommen. Apple lässt seine Computer und Smartphones heute fast ausschließlich in China produzieren. Doch die Handelssanktionen der amerikanischen Regierung verteuern die Exporte aus China Richtung USA. Überdies ist die Volksrepublik schon lange kein Billiglohnstandort mehr. Wie Apple prüft offenbar auch Dell, seine Fertigung zumindest zu einem Tel nach Vietnam zu verlagern.

Robert Bosch produziert bereits seit mehreren Jahren in dem südostasiatischen Land. 2011 eröffnete der Autozulieferer das erste Werk, es fertigt Vorprodukte für Automatikgetriebe. Seit dem gleichen Jahr bietet Bosch in Vietnam Ingenieur-Dienstleistungen und Software-Lösungen an. Überdies betreibt die Firma in Ho-Chi-Minh-Stadt ein Forschungs- und Entwicklungszentrum. Das Elektronikunternehmen beschäftigt heute in Vietnam mehr als 3.000 Mitarbeiter. Ausländische Investoren wie Bosch, Panasonic und Samsung sind die Motoren des stürmisch wachsenden Außenhandels.

Auf Platz drei der Exportstatistik – nach Elektronik und Textilien – liegen Agrarprodukte. Vietnam ist nach Brasilien der zweitgrößte Kaffeeproduzent der Welt, angebaut wird vor allem die Sorte Robusta. Auch bei Reis gehört das südostasiatische Land zu den führenden Ausfuhrländern. Aufgrund der langen Küste und der vielen Flüsse und Binnenseen hat die Fischerei in Vietnam eine große Bedeutung. Exportiert werden vor allem Krabben und Welse. Auf Nahrungs- und Genussmittel entfallen rund zwölf Prozent der vietnamesischen Ausfuhren.

Bei den Importen stehen Elektronik, chemische Erzeugnisse und Maschinen an erster Stelle. Hier dominieren die asiatischen Nachbarländer. Deutschland liegt bei den vietnamesischen Importen bislang weit abgeschlagen auf Platz zehn. Dank des Autoherstellers VinFast, der auf Technologie „Made in Germany“ setzt, beginnt sich dies nun zu ändern.

Eine Content Marketing-Lösung der F.A.Z. Media Solutions Manufaktur.
Für HSBC.

Quelle: HSBC

Veröffentlicht: 27.08.2019 12:36 Uhr