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Manager-Porträt : Kein Interesse an Großkonzernen

Bild: Dieter Schwer

Image und Statussymbole sind ihm egal: Stattdessen will Dirk Söhnholz, CEO von Veritas investment, mit Performance glänzen.

          Manche Vertreter seiner Zunft fühlen sich hinter dem Steuer eines Aston Martin am wohlsten und spielen – vor allem um Kontakte zu pflegen – Golf mit Gleichgesinnten. Für Dirk Söhnholz (50) ist das nichts. Er spielt in seiner Freizeit Tischtennis, und werktags pendelt er mit der S-Bahn zur Arbeit. Der CEO von Veritas Investment, der dort zugleich auch der Hauptverantwortliche für sämtliche Portfolios ist, ist pragmatisch und legt mehr Wert auf Funktionalität als auf Image oder Statussymbole.

          Er fährt S-Bahn, weil es unkomplizierter ist als mit dem Auto. Tischtennis ist ein schneller Sport, der ihn fordert und bei dem er Stress abbaut. Sein Büro ist ein Arbeitsplatz und mehr nicht. Auf seinem Schreibtisch liegen einige kleine akkurate Stapel, daneben steht ein PC mit einem großen Monitor – das Standardmodell für alle Veritas-Mitarbeiter –, links vom Schreibtisch hängt ein kleines Bücherregal. Keine Fotos seiner vier Kinder oder seiner Ehefrau, keine Bilder an den Wänden, noch nicht einmal eine Kaffeetasse mit witzigem Aufdruck – einzig drei Bücher geben einen persönlichen Hinweis: Auf einem Buchtitel steht sein Name als Koautor. Ansonsten könnte dieses Büro jedem gehören.

          Der gebürtige Niedersachse aus einem kleinen Dorf bei Celle mag es nüchtern und sticht vor allem mit seinen Ansichten aus der grauen Masse in der Finanzbranche hervor. Das berufliche Vorankommen ist eine Folgeerscheinung, aber nicht  seine Priorität: „Karriere ist nicht das Einzige. Arbeit muss Spaß machen. Das ist sehr wichtig“, sagt er. Söhnholz mag eben Flexibilität und nichts, was ihn einengt. Dazu zählen auch Krawatten, die er nur für offizielle Termine anlegt. Für ihre Träger sind Krawatten seiner Ansicht nach das, was für einen Fondsmanager die Benchmark ist – Freiheitsberaubung.  Söhnholz bevorzugt kleine Strukturen, und Veritas ist eine kleine Struktur. „Ich habe mich nie dafür interessiert, in Konzernen zu arbeiten“, sagt er. Über die Jahre hat sich diese Einstellung verfestigt, und das passt zu dem 50-Jährigen. Der promovierte BWLer, der nebenbei auch als Dozent an der Universität Leipzig unterrichtet, mag Leistung mit eindeutigen Ergebnissen. „In kleinen Unternehmen zählt in erster Linie der Erfolg und nicht politisches Taktieren und Grüppchenbildung“, findet er. Aus seiner Zeit als Unternehmensberater kennt er große Firmen  und hat dort vor allem eines beobachtet: „Es geht zu viel Energie verloren, wenn man sich nicht auf die Arbeit konzentriert, sondern lediglich darauf, seine eigene Position im Unternehmen zu verbessern.“

          Alleskönner

          Durch seine verschiedenen beruflichen Stationen deckt Söhnholz fast alles ab, was die Fondsindustrie zu bieten hat: Private Equity, Hedgefonds, Immobilien, klassische Investmentfonds, Dachfonds und nun auch ETFs, also börsengehandelte Indexfonds – in Deutschland eine Seltenheit. Das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass Söhnholz auch nach seinen persönlichen Interessenschwerpunkten seinen beruflichen Werdegang gestaltet hat. Auch wenn es schwerfällt zu glauben – schließlich steht Fondsmanager nicht unter den Top Ten der Traumberufe –, der neue CIO von Veritas hat sein Hobby zum Beruf gemacht.

          Neben Tischtennis spielen liest er gerne – Politthriller und Krimis mag er, aber seine Lieblingslektüre ist um einiges trockener. „Ich lese am liebsten wissenschaftliche Abhandlungen über die Assetallokation“, sagt er  und nennt im gleichen Atemzug verschiedene Blogs und Internetseiten, die über die neusten Publikationen der verschiedenen internationalen Hochschulen rund um das Thema „Wie baue ich ein Portfolio auf?“ berichten. Das ist übrigens auch ein Grund, warum er die fast einstündige Fahrt mit dem Regionalverkehr jeden Tag ins Büro nicht schlimm findet, sondern beinahe genießt. Das ist für ihn eine zusätzliche Lektürezeit. Kein Wunder, dass er bei schwarzen Schwänen nicht an Schwanensee, Oscar Preisträgerin Natalie Portman als Ballerina oder an dunkel gefiedertes Geflügel im Allgemeinen denkt, sondern an  den Finanzmathematiker und Philosophen Nassim Nicholas Taleb, der den schwarzen Schwan zum Synonym für maximale Verluste in der Finanzwelt gemacht hat. Nicht jeder versteht seine Passion für Assetallokation und Investmentansätze.  Das ist er offenbar gewohnt. „Es macht mir einfach Spaß zu verfolgen, was gute Akademiker dazu sagen und die weltweit besten Assetmanager machen und was man von ihnen lernen kann“, erklärt er.

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