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: Woran erkenne ich nachhaltige Fonds?

  • Aktualisiert am

Bild: Peter Wolff

Das Angebot an nachhaltigen Fonds wächst und wächst – und wird damit immer unübersichtlicher für Kunden. Volker Schilling von der Fondsboutique Greiff capital management gibt wertvolle Hinweise, worauf Anleger bei der Fonds-Auswahl achten sollten.

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          „Das Angebot reicht von ‚light green‘ bis ‚dark green‘ – und dann wird es komplizierter“, erklärt Volker Schilling, Mitglied des Vorstands bei Greiff capital management. Eine Vielzahl von Definitionen und Bezeichnungen macht gerade Einsteigern ins nachhaltige Investieren die Auswahl schwer. Schilling empfiehlt daher, genau hinzuschauen, was sich hinter einem Fonds verbirgt. Fact Sheets zum Fonds mit den wichtigsten Positionen und dem Investmentansatz, Monatsberichte des Fonds oder des Investmenthauses sollten vor der Entscheidung gelesen werden. „Vor allem sollten Anleger darauf achten, wie der Fonds den Begriff Nachhaltigkeit eigentlich definiert.“ Denn da seien die Ansätze sehr unterschiedlich. Manche konzentrieren sich auf den Ausschluss bestimmter Technologien oder Branchen, andere verfolgen einen Best-in-Class-Ansatz. Viele entwickeln zudem eigene Kriterien. „Sie kommen beim Thema Nachhaltigkeit nicht darum herum, genauso sorgfältig zu sein wie Sie es als Investor sonst auch sind. Und: Risiko und Ziele sind hier genauso wichtig wie bei allen anderen Investitionsentscheidungen.“

          Volker Schilling
          Volker Schilling : Bild: Greiff capital management AG

          Klarheit durch EU-Taxonomie?

          Schilling würde es begrüßen, wenn die Fondsbranche zumindest Mindeststandards definieren würde. Die Politik hat seiner Ansicht nach mit der EU-Taxonomie, die Ende 2021 in Kraft tritt, einen wichtigen Schritt gemacht. Dank der Taxonomie, die der Klassifikation dient, sollen Anleger rasch nachhaltige Investments erkennen können. Die Taxonomie orientiert sich dabei an den sechs EU-Umweltzielen wie Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Damit eine wirtschaftliche Tätigkeit als nachhaltig klassifiziert werden kann, muss sie vier Kriterien erfüllen. Dazu gehört zum Beispiel ein substantieller Beitrag zu mindestens einem der sechs Klimaziele. Aber auch die Einhaltung von Arbeitsstandards und Menschenrechten ist eine Voraussetzung für das Prädikat „nachhaltig“.

          Diese Klarheit hat allerdings einen Nachteil: Schon heute gibt es zahlreiche Informationen von Unternehmen über ihre Nachhaltigkeitsbemühungen. Und es gibt auch eine Vielzahl von Spezialisten, die diese Informationen einordnen und zum Beispiel Siegel vergeben. Das eigentliche Problem sei jedoch die mangelhafte Datenqualität, kritisiert Schilling. „Die Angaben der Unternehmen werden nicht hinterfragt, sondern als ‚Wahrheit‘ angesehen.“ Dabei basieren die Daten meist auf groben Schätzungen. Ein Siegel oder ein explizites ESG-Rating gaukle eine Genauigkeit vor, die es gar nicht gebe. Grundsätzlich sei die neue Nachhaltigkeitstransparenz aber hilfreich: „Wenn sichtbar wird, wie der CO₂-Fußabdruck eines Portfolios im Vergleich zum Gesamtmarkt ist, ist die Botschaft für den Anleger deutlich.“

          Wie hält‘s der Assetmanager selbst mit Nachhaltigkeit?

          Bei der Annäherung an nachhaltige Fondsinvestments sieht Volker Schilling zwei grundsätzliche Optionen: Zum einen könne der Anleger ein Indexinvestment auswählen, zum anderen die Verantwortung an einen aktiven Assetmanager delegieren. Der Vorteil der aktiven Option: Der Assetmanager kann stärker eigene Akzente setzen, die gegebenenfalls auch mehr den Präferenzen des Anlegers entsprechen. „Der Markt ist sehr heterogen“, betont Schilling, die Vorstellungen von Nachhaltigkeit können sich deutlich unterscheiden. Häufig werde der Begriff auf Umweltaspekte reduziert. Dabei seien auch andere Aspekte wie Governance sehr relevant. Und: „Anleger sollten auch schauen, wie nachhaltig der Fondsmanager selbst eigentlich ist. Gibt es einen Nachhaltigkeitsbeauftragten? Gibt es eigene Nachhaltigkeitsrichtlinien, regelmäßige Reportings?“ Solche Aktivitäten ließen erkennen, dass der Fondsmanager das Thema ernst nehme und auch eigene Praxiserfahrungen gesammelt habe. „Oft sind eben nicht die großen Berge das Problem, sondern die Maulwurfshügel“, sagt Schilling. „Die meisten erkennen die großen Probleme, erfahrene Nachhaltigkeitsmanager erkennen aber auch problematische Details.“

          Nicht nur Best in Class

          Wie andere Profis auch, empfiehlt auch Schilling, nicht nur auf die „Besten“ zu setzen. „Gehen Sie ruhig zu den schmutzigen Unternehmen! Und üben Sie die Macht des Investors aus, um Dinge zum Besseren zu ändern.“ Veränderungen bei den Unternehmen, die noch nicht so weit seien im Bereich Nachhaltigkeit, könnten am Ende mehr bewirken als marginale Verbesserungen bei den „Besten“. Während der Einzelaktionär da meist wenig ausrichten kann, könne eine große Fondsgesellschaft da ganz anders auf das Management einwirken. „Die können echten Impact haben – wenn sie denn wollen. Darum sollte man bei den Fonds auch schauen, ob schon Änderungen bewirkt wurden.“

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