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: Neue Anlage Perspektiven für Privatinvestoren

Bild: Peter Wolff

Neo-Broker, Robo-Advisory, ETF-Sparpläne – neue, günstige Angebote erleichtern Privatanlegern den Zugang zum Kapitalmarkt. Besonders Aktien haben zuletzt einen Nachfrageschub erhalten. Liegt das jetzt an der „Demokratisierung der Geldanlage“ – also dem einfachen Zugang zum Kapitalmarkt für die breite Bevölkerung –, dem Niedrigzinsumfeld oder noch etwas anderem? Fünf Geldanlageprofis diskutieren über Ursachen, Entwicklungen und mögliche Gefahren der Demokratisierung der Geldanlage.

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          Was für ein Jahr – auch aus Kapitalmarktsicht. Erstaunlich, wie schnell mitten in der Pandemie die Märkte zurückgekommen sind. Offenbar haben viele Anleger den Kursverfall für den Einstieg in den Aktienmarkt genutzt. Ist das der Beginn der Aktienkultur, die in Deutschland schon so lange herbeigesehnt wird?

          Erik Podzuweit: Es ist eine außerordentliche Entwicklung, die wir gerade sehen. Das betrifft ja nicht nur Deutschland - nehmen Sie die USA. 13 Millionen neue Online-Depots sind dort in diesem Jahr eingerichtet worden. Der Anteil der Privatanleger am gesamten Börsenhandel betrug 2020 rund 25 Prozent, üblich sind 10 bis 15 Prozent. Und wer im Frühjahr oder Sommer in den Aktienmarkt eingestiegen ist, wird 2020 eine phänomenale Rendite erzielt haben. Privatinvestoren schlagen sogar Hedgefonds-Profis! Ich glaube, wir sehen die Wiederkehr des Privatinvestors.

          Matthias Altenähr: In diesem Jahr hat sich definitiv etwas massiv verändert. Wir erleben, dass die breite Bevölkerung in den Vermögensaufbau mit Sachwerten investiert. Das begann vor Jahren mit den Immobilien und ist jetzt stark im Aktienbereich angekommen.

          Matthias Krautbauer: Während der Corona-Pandemie ist das Thema förmlich explodiert, weil die Menschen mehr Zeit hatten und oft auch Geld frei verfügbar – Geld und Zeit, die sie sonst beispielsweise in eine Reise und deren entsprechende Planung investiert hätten. Bei genauer Betrachtung zeigt sich allerdings, dass diese Entwicklung sogar schon vor der Corona-Krise begonnen hat. Nehmen Sie nur die massive Berichterstattung über ETFs. Daraus ging auch sehr deutlich hervor, dass es im Niedrigzinsumfeld eine Anlagealternative braucht. Das Sparbuch alleine macht selbst die Deutschen nicht mehr glücklich, da reicht der Blick auf die Zinsen am Jahresende. Der Trend zu Sachwerten vollzieht sich dabei sowohl bei Jüngeren als auch bei Älteren. Mehr und mehr werden hier neue, digitale Möglichkeiten genutzt – wobei auch Ältere hier vielfach aufgeschlossen sind – daneben bleibt der Berater oftmals die zentrale Anlaufstelle.

          Erik Podzuweit: Es muss gar nicht alles neu und der letzte technische Schrei sein. Für viele ist die Hauptsache, dass es einfach und praktisch ist. Der ETF-Sparplan ist das neue Sparbuch.

          Alexander Weis: Technologie trägt zweifelsohne zur Demokratisierung der Geldanlage bei. Kleinanleger erhalten in immer mehr Bereichen Zugänge zu Investmentprodukten und -Strategien, die noch vor wenigen Jahren institutionellen Investoren und anderen Großanlegern vorbehalten waren. Es braucht nicht mehr Millionen für eine qualitativ gute und preisgünstige Vermögensverwaltung, das geht heute mit digitalen Lösungen wie Robo-Advisors auch für Kleinanleger.

          Wenn jetzt die Kurse steigen und steigen – und immer mehr Novizen an den Kapitalmarkt drängen, droht uns dann nicht das große Wehklagen, sollten die Kurse wieder schrumpfen? Denken Sie an die T-Aktie vor 20 Jahren. Da ist viel Anlegervertrauen kaputtgegangen…

          Altenähr: Natürlich wird es auch wieder Rückschläge geben. Aber wir sehen einen anderen Antrieb für die Investments heute: Das sind sehr häufig Menschen, die fürs Alter vorsorgen wollen. Es geht da nicht um den raschen Gewinn, die erfolgreiche Spekulation.

          Weis: Anleger investieren meist auch nicht auf einen Schlag ihr gesamtes Vermögen. Die splitten das, gehen Stück für Stück in den Markt – insbesondere die jungen Anleger nehmen sich notwendigerweise Zeit, weil sie den Großteil ihres Vermögens ja erst noch verdienen müssen.

          Altenähr: Ja, die haben eine bemerkenswerte Gelassenheit, das haben wir auch während der Kurseinbrüche im Frühjahr 2020 gesehen. Und sie haben Berater, die Kurs halten. Unsere Neukunden sind zur Hälfte jünger als 30 Jahre. Die haben einen sehr langen Anlagehorizont und können solche Schwankungen ruhig aussitzen.

          Podzuweit: Das gilt sogar für uns als Neo-Broker. Die Hälfte unserer Kunden nutzt ETF-Sparpläne, die sind entsprechend langfristig orientiert. Ein weiteres Viertel der Kunden ist breit investiert, das heißt, auch ihnen droht kein Debakel, wenn eine einzelne Aktie verliert. Das letzte Viertel sind in der Tat Trader, die gerne auf Einzeltitel wie Tesla, Amazon oder einen Impfstoffentwickler spekulieren. Um die sollte man sich Gedanken machen. Allerdings sind die schon jetzt Schwankungen gewohnt. 3 bis 7 Prozent Kursveränderungen am Tag sind ja typisch.

          Weis: Zocker wird es immer geben. Die Mehrheit der Anleger hat aber verstanden, dass sie mit den „klassischen“ Antworten wie Sparbuch, Festgeld und der traditionellen Lebensversicherung nicht weiterkommen. Auch Immobilien sind nicht mehr so attraktiv wie vor ein paar Jahren, weil die Preise vielerorts massiv gestiegen sind. Darum jetzt Aktien – aber eben nicht als Spekulationsobjekt, sondern für die langfristige Geldanlage.

          Krautbauer: Natürlich folgt noch immer mancher Anleger einem vermeintlich „heißen Tipp“. Die Gefahr von Übertreibungen ist da, aber es ist nicht wie vor 20 Jahren. Die meisten Kunden sind heute besser informiert, was für ein Portfolio wichtig ist. Sie streuen ihre Risiken viel stärker als früher. Das ist dank Technologie und auch dank ETFs so einfach geworden.

          Welche Rolle spielen einzelne Entwicklungen auf Technologie- oder Produktseite?

          Lindner: ETFs werden – auch in den Medien – als faires Instrument wahrgenommen. Denn es macht überhaupt keinen Unterschied, ob man jetzt 1 Million oder 25 Euro investiert in ein ETF. Sie sind transparent, bringen eine Diversifizierung mit, und sie sind sehr günstig. Viele Anleger verbinden sie außerdem mit langfristiger Geldanlage statt schneller Spekulation. Dass ETFs aber so eine Verbreitung gefunden haben, hat auch mit neuer Technologie zu tun. Sie sind in viele Produkte, insbesondere innovative Lösungen, integriert. Neobroker, digitale Vermögensverwaltung und sogar neue Versicherungsprodukte setzen wie selbstverständlich ETFs ein.

          Krautbauer: Technologie sorgt auch für eine Demokratisierung von Informationen. Jeder kann im Internet sofort die Wertentwicklung und Charakteristik unterschiedlicher Angebote vergleichen und sehen, was gut funktioniert. Dabei wird deutlich: Es gibt viele sehr gute aktive Produkte – aber eben auch viele passive Produkte, die nicht weniger erfolgreich sind. Die Zahl der „Selbstentscheider“ steigt. Dennoch wird es weiterhin eine große Zahl von Anlegern geben, die bewusst Begleitung und Unterstützung suchen.

          Weis: Das ist auch gut so. Es ist wie beim Essen: Wir könnten eigentlich auch selbst kochen. Aber im Restaurant schmeckt es eben oft doch besser als selbstgemacht. Und es ist bequem, denn ich spare mir Arbeit. Anleger machen außerdem leicht den Fehler, nur Renditen miteinander zu vergleichen. Sie schauen aber nicht, welche Fehler und damit Verluste oder Opportunitätskosten vermieden wurden.

          Lindner: Ein Berater kann leichter auf Fehler hinweisen. Die Nachfrage nach ehrlicher Information ist groß, das merke ich auch immer wieder im persönlichen Umfeld. Das Gute bei der heutigen Auswahl ist ja, dass jeder (fast) jede Option hat, weil so vieles komfortabel, günstig, schnell möglich geworden ist.

          Bisher haben wir überwiegend über Aktien gesprochen. Aber wenn der Trend zu Sachwerten geht (und Immobilien wegen der hohen Preise an Attraktivität eingebüßt haben), bleiben alternative Anlagen vielen Anlegern immer noch verschlossen. Wann kommt denn die Demokratisierung auch von Anlageklassen wie Private Equity und Venture Capital?

          Podzuweit: Hier liegen die Eintrittsschwellen tatsächlich noch hoch. Wer nicht mindestens 100.000 Euro mitbringt, hat keine Chance. Das liegt aber nicht an den Anbietern. Es könnte längst auch Lösungen für kleinere Anlagesummen geben. Die Grenzen werden durch die Regulatoren so streng gesetzt. Denn bei alternativen Anlagen ist das Kapital häufig für viele Jahre gebunden. Der Gesetzgeber geht dabei von einer einfachen Prämisse aus: Wer 100.000 Euro in eine Anlage investieren kann, verfügt auch über ausreichend Kapital und Anlegerwissen. Ich glaube aber, dass mit den Jahren die Hürden gesenkt werden.

          Die Frage zum Schluss, der Blick nach vorne: Welche Entwicklungen werden die Demokratisierung der Geldanlage weiter vorantreiben?

          Krautbauer: Technologie wird dafür sorgen, dass die Kosten und Mindestanlageschwellen sinken. Das bedeutet aber nicht, dass alles nur noch digital oder vollautomatisch laufen wird. Der Mensch möchte menschliche Beratung, den persönlichen Austausch – daran wird auch die beste Technologie wenig ändern. Aber die Kundenbeziehung wird hybrid, sie verbindet das Beste aus beiden Welten.

          Altenähr: „Immer mehr“ wird es nicht sein. Die Auswahl an Anlagemöglichkeiten ist jetzt schon riesig. Ich zweifle daran, dass noch mehr Produkte im Sinne der Anleger sind. Vielmehr wird die Strukturierung wichtiger werden, die Aggregation für den Überblick. Wir sehen zum Beispiel, wie groß das Interesse an unserer digitalen Plattform ist, die Konten und Verträge unterschiedlicher Anbieter zusammenführt und so Transparenz schafft.

          Podzuweit: Technologie wird den Zugang erleichtern, das glaube ich auch. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es die zentrale Lösung werden wird. Wir haben jetzt schon gesehen, dass eine Universalbank zwar vieles bietet, aber die Fintech-Angreifer in ihrer Nische viel besser sind als das Rundumangebot. Wahrscheinlich sehen wir ein „Unbundling“ – fünf Apps statt einer. Jeweils die App, die am besten zu dem passt, was ich suche. Da ich alle Apps einen Fingerzeig entfernt auf dem Handy habe, ist das auch nicht schlimm für mich, dass die nicht von einem Anbieter sind.

          Weis: Ich möchte an der Stelle noch auf einen ganz anderen Aspekt hinweisen: den Anlegerschutz. Wenn Anleger für sie völlig ungeeignete Produkte kaufen, dann konterkariert das den Gedanken der Demokratisierung. In Deutschland besteht da noch extrem viel Handlungsbedarf, wenn man sich so einige Anlageprodukte genauer anschaut.

          Lindner: Ich kann meinen Vorrednern da nur zustimmen. Eine Ergänzung nur: Noch etwas wird helfen, gerade den Kapitalmarkt nachhaltig attraktiv für „jedermann“ zu halten. Immer mehr Menschen sammeln durch die bisherige Demokratisierung  eigene Anlageerfahrungen, gehen auch mit dem Thema Volatilität entspannter um. Das heißt, wir haben eine belastbare Basis, noch mehr Menschen an Geldanlage heranzuführen.

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