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Artenschutz : Serengeti stirbt nicht

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33 Spitzlippennashörner gibt es im Mara-Gebiet zwischen Tansania und Kenia Bild: picture-alliance / dpa

Jubel bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt: Spitzlippennashorn Sarah hat im Serengeti-Nationalpark in Tansania ein Kalb geboren. Die freudige Nachricht gibt Anlass zur Hoffnung, denn die Wildtierart stand noch vor kurzem vor der Ausrottung.

          Die Geburt eines Wildtieres im knapp 15.000 Quadratkilometer großen Serengeti-Nationalpark, wo an manchen Tagen mehrere zehntausend Gnus geboren werden, ist meist keine E-Mail wert. Doch als unlängst Markus Borner, der Leiter des Afrikaprogramms der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt, eine Mail an seinen Geschäftsführer Christof Schenck sandte, da rief das am Main Begeisterung hervor: Im Serengeti-Nationalpark in Tansania hatte das Spitzlippennashorn Sarah ein Kalb geboren. Die Mutter hatte sich noch am Vortag nichts von dem anstehenden Ereignis anmerken lassen: Die Wildhüter entdeckten das Jungtier vollkommen überraschend im Gefolge seiner Mutter.

          Das Nashornkalb ist für die Mitarbeiter von Tanapa, der tansanischen Nationalparkbehörde, und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF) eine Bestätigung ihrer jahrzehntelangen Naturschutzbemühungen für eine spektakuläre Wildtierart, die noch vor kurzem in ganz Afrika vor der Ausrottung stand. Entwarnung kann im Kampf für das Überleben des Spitzlippennashorns, das auch als Spitzmaulnashorn oder Schwarzes Nashorn bekannt ist, auch jetzt noch nicht gegeben werden.

          Jede neue Geburt eines dieser urweltlich anmutenden Tiere ist ein weiterer Schritt auf dem mühsamen Weg der Rettung und Wiederausbreitung in freier Wildbahn - das gilt für alle drei noch überlebenden Unterarten von Diceros bicornis, das Östliche, das Südwestliche und das Südliche Spitzlippennashorn. Die westliche Unterart, einst in den Savannen Zentralafrikas zu Hause, gilt als ausgerottet, nachdem sich im nördlichen Kamerun ihre letzten Spuren verloren haben. In Afrika gibt es neben dem Blätter und Zweige fressenden Spitzlippennashorn noch das von Gras lebende Breitlippennashorn, Breitmaulnashorn oder Weiße Nashorn in zwei Unterarten; in Asien leben, ebenfalls bedroht, das Indische Panzernashorn, das Javanashorn und das Sumatranashorn.

          1990 gab es in ganz Afrika nur noch 2475 Nashörner

          Mitte des 19. Jahrhundert begann das Abschlachten

          Die Tragödie um die afrikanischen Nashörner begann mit intensiver Bejagung, die einem Abschlachten glich, schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Um 1970 gab es immerhin noch etwa 65.000 Spitzlippennashörner. 1980, als der Bestand zum ersten Mal genau erfasst wurde, waren es trotz Schutzbestimmungen in ihren Heimatländern nur noch 14.785 Tiere. In nur zehn Jahren waren also gut 50.000 der bis zu eineinhalb Tonnen schweren Zweihörner wegen ihres Horns gewildert worden, das zu arabischen Dolchgriffen verarbeitet und pulverisiert als angebliches Heil- und Anregungsmittel in Asien hohe Preise erzielte. Als die ZGF, seit Bernhard und Michael Grzimeks Buch und Film „Serengeti darf nicht sterben“ Ende der fünfziger Jahre in Afrika aktiv, um 1990 gezielt mit dem Nashornschutz in Tansania begann, gab es in ganz Afrika nur mehr 2475 Tiere, davon in Tansania weniger als fünfzig. 1974 lebten allein in der Serengeti noch 700 Spitzlippennashörner. Von den damals rund 100 Tieren des 260 Quadratkilometer großen Ngorongoro-Kraters, heute Teil der an die Serengeti angrenzenden Ngorongoro Conservation Area, waren 1990 zehn übriggeblieben. In der ganzen Serengeti wurde kein einziges Nashorn mehr gesehen.

          Da machte sich einer der letzten Nashornbullen aus dem Ngorongoro-Krater überraschend auf einen 130 Kilometer langen Marsch, der ihn - von Wildhütern in respektvollem Abstand begleitet - nach mehreren Tagen in die westliche Ecke der Serengeti führte. Rajabu, wie er von seinen Beschützern genannt wurde, muss sein Instinkt auf uraltem Wechsel in die Nähe weiblicher Verheißung gelenkt haben. In diesem Gebiet mit Namen Moru inmitten aufragender Gesteinsinseln mit von der Witterung abgeschliffenen Felsen und Bäumen (den für die Serengeti typischen Kopjes), das von Besuchern weitgehend verschont blieb, hatten sich nämlich etwa um dieselbe Zeit zwei Nashornkühe angesiedelt. Sie waren aus Kenia oder aus dem Krater zugewandert - oder sie hatten unentdeckt zwischen den unübersichtlichen Felsformationen überlebt.

          Moru-Nashornschutzgebiet gesperrt für Touristen

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