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Ali gegen Frazier : Es war wie der Tod

  • -Aktualisiert am

Der mörderischste Kampf der Boxgeschichte Bild: AP

Vor 40 Jahren sah die Welt ein episches Duell: Der „Thrilla in Manila“ zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier war der „beste Boxkampf des 20. Jahrhunderts“.

          4 Min.

          Die Sonne brannte über der Bucht. Es war ein drückend heißer Vormittag in Manila. Das träge Südchinesische Meer wehte nicht den Hauch einer kühlenden Brise in die Stadt. Trotz Aircondition glich das mit 28.000 Menschen vollgestopfte Philippine Coliseum an jenem 1. Oktober 1975 einem Treibhaus. Auch Präsident Ferdinand Marcos und seine schöne Frau Imelda schwitzten in ihrer Loge am Ring. In dieser tropischen Hitze, in der schon allein das bloße Herumsitzen zur schweißtreibenden Anstrengung wurde, rafften sich Muhammad Ali und Joe Frazier zum heldenhaftesten und dramatischsten, zum auszehrendsten und brutalsten, ja zum "mörderischsten" (Pulitzer-Preis-Gewinner Jim Murray) Kampf der Boxgeschichte auf.

          Der "Thrilla in Manila" - eine Reimschöpfung Alis - wurde zur "Epischen Schlacht", so die Titelzeile von "Sports Illustrated", zum "besten Boxkampf des 20. Jahrhunderts", wie sich die Box-Bibel "The Ring" anläßlich des Millenniums festlegte, zum aufregendsten Erlebnis in der über vierzigjährigen Laufbahn eines Boxreporters - trotz des "Rumble in the jungle" ein Jahr zuvor in Kinshasa, als Ali im Duell mit George Foreman den WM-Titel zurückeroberte.

          „Der nächste Schlag hätte tödlich sein können“

          Denn an diesem Samstag vor dreißig Jahren lieferten sich zwei moderne Gladiatoren einen Boxkampf wie im Angesicht des Todes. "Es war wie der Tod", murmelte in seiner Kabine ein total erschöpfter, im Gesicht von Blessuren gezeichneter Ali. Der Champion hatte den dennoch siegreichen Kampf durchlitten "wie das, was dem Sterben am nächsten kommt".

          Ali traf seinen Kontrahenten in den ersten Runden nach Belieben

          Joe Frazier durfte zur fünfzehnten und letzten Runde nicht mehr antreten. Sein Trainer und Sekundant Eddie Futch signalisierte dem philippinischen Ringrichter Carlos Padilla trotz der heftigen Proteste seines Schützlings die Aufgabe. "Der nächste Schlag hätte tödlich sein können", begründete der weise Mann seine Entscheidung. Frazier, dessen Augenpartien zu dünnen Sehschlitzen geschwollen waren, konnte das Ende nicht fassen. "Ich habe ihn mit Schlägen getroffen, die eine Stadtmauer zum Einsturz gebracht hätten", staunte er über seinen gehaßten Bezwinger: "Bei Gott, er ist ein großer Champion."

          Es schien, als würde er nun jede Sekunde umfallen

          Auch Ali, der seinen Herausforderer vor dem Kampf noch zutiefst beleidigt hatte mit Schmähungen wie "Gorilla, häßlich, dumm", empfand nur noch Bewunderung: "Ich hole immer das Beste aus den Männern heraus, gegen die ich kämpfe. Aber Joe Frazier hat das Beste aus mir herausgeholt. Er ist ein ganzer Mann. Gott segne ihn."

          Überheblich und flachfüßig hatte Ali das dritte Duell mit dem alten Rivalen eröffnet. Mit 33 Jahren und einem massigeren Körper als früher fand der einst so elegante Faustfechter das Tanzen nur noch für den Ballsaal und nicht mehr für den Boxring geeignet. "Der erste Schlag in einem Boxkampf ist wie der erste Kuß in einer Liebesaffäre", hat Norman Mailer einmal geschrieben. Der erste Treffer kann den weiteren Kampfverlauf bestimmen. Als Frazier in der ersten Runde von einem linken Aufwärtshaken förmlich vom Ringboden hochgehoben wurde und in die Seile taumelte, da wurde klar: Fortan würde er viel von einem energischen und entschlossenen Ali einstecken müssen. "Er wird dich nie mehr Clay nennen", rief in der Ecke Alis Hofnarr Bundini Brown begeistert mit heiserer Stimme. Ali traf Frazier mit langen Geraden nach Belieben. In der dritten Runde wurde der Herausforderer zweimal derart durchgeschüttelt, daß es schien, als würde er nun jede Sekunde umfallen.

          Der Nahkampf war seine Lieblingsposition

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