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: Zurück in die Zukunft

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Die moderne Architektur ist tot. Schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Sogar die genaue Uhrzeit ihres Ablebens ist bekannt, behauptet zumindest Charles Jencks, Autor des Bestsellers "Die Sprache der postmodernen Architektur"...

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          FRANKFURT. Die moderne Architektur ist tot. Schon seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Sogar die genaue Uhrzeit ihres Ablebens ist bekannt, behauptet zumindest Charles Jencks, Autor des Bestsellers "Die Sprache der postmodernen Architektur": Nach Jencks' Meinung trat der Exitus am 15. Juli 1972 um 15.32 Uhr ein. An jenem Tag wurden mehrere Wohnblöcke der von Minoru Yamasaki entworfenen Siedlung Pruitt-Igoe mit Dynamit gesprengt, obwohl das Wohnbauprojekt im amerikanischen St. Louis noch keine 20 Jahre alt und mit mehreren Preisen ausgezeichnet worden war. Doch Totgesagtes lebt bekanntlich länger: Auch wenn Yamasakis Häuser nicht mehr existieren, die Architektur der Moderne stand in den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wieder auf und machte zugleich der Postmoderne den Garaus.

          Die Geburtsstunde des ersten modernen Hauses ist ebenfalls überliefert - auch wenn man sicherlich über Daten streiten kann. Erbaut wurde es 1909 von dem Amerikaner Frank Lloyd Wright. Auftraggeber war der junge Industrielle Frederick Robie, nach dem das in die Architekturgeschichte eingegangene Projekt im Chicagoer Vorort Oak Park auch benannt ist. Ein Merkmal des "Robie House" ist der langgestreckte Aufenthaltsraum, der die Hauptachse des Gebäudes bildet. Statt einzelner abgetrennter Zimmer gibt es ein Raumkontinuum. Wright ging damit auf die geänderten Wohnbedürfnisse des "neuen Menschen" ein. Von einem solchen hatte schon der Österreicher Otto Wagner in seiner Antrittsvorlesung "Moderne Architektur" im Jahr 1895 an der Wiener Akademie gesprochen und davon, daß "die Kunst unserer Zeit moderne, von uns geschaffene Formen bieten" müßte, "die unserem Können, unserem Tun und Lassen entsprechen".

          Modern war damals wie heute der Wunsch der Menschen nach einer freizügigeren Lebenshaltung. Anfang des 20. Jahrhunderts lösten sich die traditionellen sozialen Hierarchien auf, selbst ein großer Haushalt kam mit weniger Personal aus. "Offene Grundrisse" waren gefragt. Daran hat sich auch 100 Jahre später nur wenig geändert. Kein Wunder, daß die architektonischen Leitgedanken von Raumkontinuum und Transparenz, die die Moderne ausgezeichnet hatten, Ende des 20. Jahrhunderts in leicht abgewandelter Form wieder aufgegriffen wurden. Allerdings legten die Planer und Gestalter nun den Akzent auch auf Rahmenbedingungen wie Ort, Klima und Kultur.

          Wie modern die von Jencks zu Grabe getragene Moderne wirklich ist, erkennt man, wenn man aktuelle Studien mit den schriftlich niedergelegten Erkenntnissen von Architekten wie dem Österreicher Adolf Loos, dem Deutschen Mies van der Rohe oder dem Schweizer Charles-Édouard Jeanneret (der später unter dem Namen Le Corbusier berühmt wurde) vergleicht. Damals wie heute war eines der großen Erfordernisse, Häuser in möglichst kurzer Zeit massenhaft zu produzieren. Anlaß dazu gab die allgemeine Wohnungsnot, die nach dem Ersten Weltkrieg herrschte. Mies van der Rohe sprach sich dafür aus, Architektur auf ihre wesentlichen Strukturmerkmale zu reduzieren, und Le Corbusier stellte die Formel auf "Das Haus ist eine Maschine zum Wohnen". Funktionsgerecht und kompakt sollten Häuser nach Ansicht der modernen Planer sein und viel Raum bieten. Dabei kam ihren Ideen eine neue Erfindung zugute: Dank Stahlbetonkonstruktionen konnten die Architekten auf lasttragende Mauern verzichten und nicht nur schneller, sondern auch günstiger bauen.

          Auch heute müßte eigentlich zügig (und meistens auch billig) gebaut werden, denn es herrscht nach wie vor ein Mangel. Zugleich stehen Wohnungen leer, die Bevölkerungszahl in Deutschland sinkt zwar noch nicht; aber es gibt starke Wanderungsbewegungen und ein Phänomen, das von Experten in einem neuen Papier erläutert wird, das den Titel "Junges Wohnen" trägt und von der BHW in Auftrag gegeben wurde. Demnach ist in den vergangenen 20 Jahren die Zahl der allein lebenden jungen Menschen besonders stark gestiegen. Und daran, so die Prognose, wird sich auch in den kommenden zehn bis 15 Jahren nichts ändern. So ist vor allem in Stadtregionen wie München oder Stuttgart mit einem großen Wohnungsmangel zu rechnen, in Teilen des Ruhrgebiets hingegen und ganz allgemein in Städten mit einer geringen wirtschaftlichen Expansion, werden dagegen Leerstände vorausgesagt. Weil junge Familien mit Kindern wegen eines nicht passenden Preis-Leistungs-Verhältnisses ins Umland ziehen, gehen in Metropolen wie Hamburg und Berlin schon heute die Haushaltszahlen zurück.

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