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Zum Tod von Horace Silver : Spiel noch einmal das Lied für deinen Vater

Horace Silver (1928 - 2014) Bild: David Redfern

Mit seinem Blues-Jazz-Funk versetzte er uns in glückseliges Staunen: Jetzt ist der Jazz-Pianist Horace Silver im Alter von 85 Jahren gestorben.

          Ach, man müsste mit der linken Hand auf der Tastatur das Thema spielen können, mitreißend und groovy und doch zu vertrackt, als dass jemand einfach mitklatschen könnte, und mit der rechten müsste man die Blues-Akkorde spielen können, man müsste die eigenen Sätze synkopieren, so dass sie, während sie doch nur eine Schönheit zu beschreiben versuchten, trotzdem funky klängen, also zu schmutzig, zu unrein, als dass sie sich in wohltemperierte Tonleitern und ordentliche und übersichtliche Taktstrukturen einordnen ließen – und vermutlich würde man es trotzdem nicht ganz schaffen, von dem, was den großen Jazz-Pianisten Horace Silver charakterisierte, von seinem Genie, seiner Originalität und vor allem seiner Liebenswürdigkeit, einen sinnlichen Eindruck zu erschaffen.

          Claudius Seidl

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Er, der uns, wenn wir ihn doch nur gefragt hätten, von einer ganz anderen Zeit hätte erzählen können, von den fünfziger und sechziger Jahren des Jazz, in welchen er miterfand und formte, was wir bis heute unter Jazz verstehen, jenen Hard Bop, welchen wir, nach den Experimenten und Exzentriken des Bebop und des Cool Jazz, gewissermaßen als die Klassik des Jazz empfinden, er ist gestorben, am Mittwoch in New Rochelle bei New York. Er ist 85 Jahre alt geworden – und wenn man, weil ja das Gedächtnis des Jazz-Liebhabers eine einzige große Jamsession aller mit allen ist, jetzt wieder „Song for My Father“ auflegt, seinen größten Erfolg (und vielleicht auch seine schönste Komposition), um sich dem Stil und dem Sound von Horace Silver noch einmal auszusetzen: Dann schrumpfen die fünfzig Jahre, die seit der Aufnahme vergangen sind, auf einen Moment des Glücks und des Staunens.

          Autonomie des Soul

          Horace Silver hatte als Tenorsaxophonist angefangen, sich aber bald zum Klavier bekehrt, und es war der Saxophonist Stan Getz, der damals schon sehr gut und sehr cool und noch nicht ganz so weltberühmt wie zehn Jahre später war, der ums Jahr 1950 herum den blutjungen Horace Silver hörte und mochte und nach New York holte, wo Silver einen Vertrag mit der Firma Blue Note bekam. Er gehörte zu den Mitbegründern der Jazz Messengers, die man heute nur noch mit dem Schlagzeuger Art Blakey verbindet, obwohl Silvers Piano genau so stilbildend war. Und als, ums Jahr 1960 herum, die Wege mancher Jazzer sich trennten, weil einige der besten lieber Free Jazz spielen wollten als populäre Musik, da blieb Silver bei denen, die Soul und Rhythmus nicht dem intellektuellen und avantgardistischen Anspruch opfern wollten.

          Silver hat, wenn er über seine Musik sprach, immer so getan, als würde er am liebsten in einer Bar spielen, mit ein paar Basslinien für Schwung sorgen und dann ein paar lyrische Töne anschlagen, für die romantisch Gestimmten im Publikum – aber wer ihn da beim Wort nimmt, überhört, dass Silvers Spiel, seine Harmonien und seine oft extrem reduzierten Improvisationen meistens komplexer waren, als die Selbstdeutungen dieses wunderbaren Pianisten klangen.

          Man macht es sich meistens zu einfach, wenn man die Grundlagen für den Stil eines solchen Musikers in seiner Biographie und Genealogie vermutet – aber wenn einer einen Song für seinen Vater schreibt, dann darf man vielleicht doch auch erwähnen, dass dieser Vater, als er ankam in Amerika, noch Silva hieß, von den portugiesischsprachigen Kapverden stammte. Und dass man diese Herkunft manchmal zu hören scheint, in Silvers Stil, der doch zugleich ganz universal ist. Und absolut zeitgemäß, man muss jetzt sein „Blowin’ the Blues away“ auflegen.

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