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Zum Tod des Bildhauers Franz Bernhard : Der gefesselte Prometheus

  • -Aktualisiert am

Franz Bernhard 1934 - 2013 Bild: Barbara Klemm

Der Bildhauer Franz Berhard stellte seine Skulpturen aus Holz und Eisen als wuchtige Gesten in den Raum. Jetzt ist er im Alter von 97 Jahren gestorben.

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          In der Mythologie ist es Atropos, eine der Töchter der Nacht, die den Lebensfaden abrupt abschneidet. Mit diesem Bild verbinden wir den plötzlichen Tod, wie ihn der Bildhauer Franz Bernhard erlitt. Er starb neunundsiebzigjährig in den frühen Morgenstunden des 29. Mai in seinem Land- und Atelierhaus in Jockgrim in der Pfalz. Eine Woche später wollte er sich aus Anlass einer Ausstellung in der Galerie Ruppert in Landau einem Künstlergespräch stellen.

          Im Rückblick reduziert sich sein Werk auf das, was es charakterisiert und auszeichnet: auf das Material Holz und Eisen in Kombination zueinander und die lapidare, knappe schroffe Zeichenhaftigkeit, mit der Bernhard seine skulpturalen Objekte als wuchtige Gesten in den Raum schrieb. Damit schuf er ein Werk von großer Einprägsamkeit, das seine unverwechselbare Handschrift trägt.

          Bernhards Stahlplastik „Aufsteigender Kopf“ in Mainz
          Bernhards Stahlplastik „Aufsteigender Kopf“ in Mainz : Bild: Kretzer, Michael

          Seine „dynamischen“ „Figuren“, die von ihm als große Liegende, als Stehende, als Sitzende betitelten Skulpturen, bildeten in den siebziger Jahren bis in die Mitte der Achtziger eine auffallende Gegenposition zu Norbert Krickes frei in den Raum greifendem linearem Werk aus lichtreflektierendem Stahl. Was der eine an Materialität hinter sich ließ, um wie ballastlos zum Vogelflug anzusetzen, bürdete sich der andere sichtbar auf. An Franz Bernhards Werk hängt Gewicht. Mit Schwere verbindet sich alles, was er schuf. Selbst die kleinste Skulptur ruft das Bild des gefesselten Prometheus ins Gedächtnis.

          Die korrodierten Eisenteile sind wie Fesseln als Manschetten mit sichtbaren Scharnieren und Nägeln an die Holzblöcke montiert. Entsprechend ist bei aller Dynamik, die das Werk im Einzelnen immer wieder darstellt und benennt, keines frei im Gestus. Diese ganz ins Abstrakte reduzierten „Figuren“ lehnen, stehen und sitzen. Sie bedürfen als stützendes Element sichtbar der Wand und des Bodens, der Teil des skulpturalen Gestus ist. Das gilt auch für die wie ländliche Gerätschaften anmutenden Holz-Eisen-Konstruktionen.

          Franz Bernhard wurde 1934 im böhmischen Neuhäuser, dem heutigen Nové Chalupy, geboren. Nach dem Krieg siedelten die Eltern mit ihm nach Süddeutschland über. Er studierte an der Kunstakademie in Karlsruhe, erhielt mehrere Stipendien und Preise, unter anderem den Villa-Romana- und den Rompreis, den Wilhelm-Lehmbruck-Förderpreis sowie den Lovis-Corinth-Preis. 1977 war er auf der documenta 6 in Kassel vertreten. Die Jahre des Aufbruchs und des Erfolgs brachten jedoch nicht den Durchbruch zur Internationalität. In Deutschland aber setzte er mit mehreren Großplastiken im öffentlichen Raum seine bleibenden skulpturalen Zeichen.

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