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Hinweise im Netz : Ist der Polizisten-Mörder von Iowa ein Rechter?

  • Aktualisiert am

In Haft: Der Verdächtige von Iowa. Bild: AFP

Der Mann, der zwei Polizisten in Iowa umgebracht haben soll, hat sich mit der Konföderierten-Flagge gezeigt. Sie steht für die nostalgische Erinnerung an die Sklaverei.

          Auf den ersten Blick erinnern die hinterlistigen Angriffe in Iowa, bei denen zwei Polizisten am frühen Mittwochmorgen in der Hauptstadt Des Moines in ihren Streifenwagen hinterrücks erschossen wurden, an die Polizistenmorde von Dallas (Texas). Dort erschoss ein schwarzer ehemaliger Soldat im Juli am Rande einer Demonstration gegen Polizeigewalt fünf Polizisten. Der Verdächtige in dem aktuellen Fall ist allerdings ein Weißer. Er konnte gestern verhaftet werden. Und ein genauerer Blick in die Geschichte des Verhafteten deutet darauf hin, dass der 46 Jahre alte Amerikaner aus der rechten Ecke kommt.

          Auf YouTube veröffentlichte er in der Vergangenheit Videos, die  zeigen, wie er aus einem Footballstadion in Urbandale, ein Ort bei Des Moines, geschmissen wurde. Der Grund: Er hatte eine Konföderierten-Flagge geschwenkt. Das Stadion befindet sich an der Kreuzung, an der einer der beiden Polizisten erschossen wurde. Die Flagge der Südstaaten steht vor allem für eins: die nostalgische Erinnerung an Sklaverei und Unterdrückung von Schwarzen.

          Konföderiertenidylle: Der Attentäter von Charleston, Dylann Roof, mit Flagge auf einem Foto, das er selbst ins Internet gestellt hatte.

          Und auch ein Amokläufer hat sich schon mit ihr gezeigt: Im Sommer 2015 hatte ein 21-Jähriger in Charleston bei einer Bibelstunde in der Emanuel African Methodist Episcopal Church das Feuer eröffnet und neun Schwarze ermordet. Bilder, die der Täter vorher selbst ins Netz gestellt hatte, zeigten auch ihn, wie er zunächst eine amerikanische Flagge verbrannte und anschließend die Konföderierten-Flagge mit den gekreuzten Sternenbändern in die Höhe hielt.

          Ein Akt des Widerstands gegen die Bürgerrechtsbewegung

          Die Fahne war zu Beginn des Bürgerkriegs 1861 zunächst die Kriegsflagge der „Army of Northern Virginia“, doch rasch versammelten sich unter dem Banner die gesamten Südstaaten, die an der Sklaverei festhielten. Knapp hundert Jahre nach ihrer Niederlage entschied 1962 der demokratische Gouverneur von South Carolina, Fritz Hollings, die Flagge über der Kuppel des Kapitols wehen zu lassen. Das war ein Akt des Widerstands gegen die Bürgerrechtsbewegung, deren Anführer Martin Luther King auch in Charlestons Emanuel-Kirche auftrat. Immer wieder forderten Afroamerikaner und Verbündete, die Flagge zu entfernen. Doch viele Politiker widersetzten sich dem, da die Flagge die Opfer der Vorväter ehre. Erst nach einem Protestmarsch von Charleston nach Columbia schloss das Parlament 2000 einen Kompromiss: Die Flagge wurde vom Kapitol entfernt, dafür aber auf dem Gelände am Konföderierten-Denkmal gehisst.

          Auch dagegen formierte sich dann Widerstand: Nach dem Angriff von Charleston schrieb Mitt Romney, einst Gegenkandidat von Barack Obama im Präsidentschaftswahlkampf, auf Twitter: „Nehmt die Konföderiertenflagge am Kapitol in South Carolina ab, für viele ist sie ein Symbol rassistischen Hasses. Entfernt sie jetzt, um die Opfer von Charleston zu ehren.“ Präsident Obama stimmte ihm wenig später zu. Im Juni 2015 wurde die Konföderiertenflagge von einer Ehrengarde am Kapitol eingeholt und ins Museum gebracht.

          Der Verdächtige von Iowa kämpfte dagegen dafür, dieses „Symbol rassistischen Hasses“ beim Abspielen der Nationalhymne in dem Footballstadion schwenken zu dürfen. In einem Video unter dem Titel „Civil Rights Violation at Urbandale High School“ ist zehn Sekunden lang ein Foto von ihm und der Flagge auf der Tribüne zu sehen. Außerdem veröffentlichte er ein zehnminütiges Video, das ihn bei der Diskussion mit Polizisten vor dem Stadion zeigt, die ihn offenbar rausgeschmissen haben.

          Es gibt auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes

          Laut der Nachrichtenseite „heavy.com“ bestätigte die veranstaltende Schule den Vorfall vom 14. Oktober. In dem Video beschwert sich der Mann darüber, dass ihm seine Flagge von Afroamerikanern gestohlen worden sei, während die Nationalhymne abgespielt worden sei. Der Polizist erklärt dann, dass es gegen die Regeln der veranstaltenden Schule verstoße, die Flagge zu schwenken. „Sie sind gekommen, nur um die Flagge zu zeigen und zu stören. Sie müssen in dem gegenwärtigen gesellschaftlichen Klima verstehen: Wenn Sie eine Flagge der Konföderierten zeigen, während sie vor mehreren afroamerikanischen Leuten stehen, wird das eine Störung verursachen, ob Sie es beabsichtigen oder nicht.“ Der Mann besteht weiter darauf, dass das sein verfassungsmäßiges Recht sei und er nur friedlich protestieren wollte.

          Laut dem „Des Moines Register“ war es nicht der erste Vorfall, bei dem der Verdächtige mit Schwarzen aneinandergeriet. 2014 wurde demnach gegen ihn ermittelt, weil er einen Afroamerikaner „Nigger“ genannt und ihm gedroht haben soll, ihn umzubringen. Er bekam ein Jahr auf Bewährung.

          Es gibt allerdings auch Hinweise auf eine psychische Erkrankung des Mannes. Seine Tochter postete ein Foto ihres Vater auf Facebook und schrieb dazu: „Er war psychisch sehr krank.“ Auch der „Des Moines Register“ berichtet, dass ein Bewährungshelfer 2015 vermerkt habe, dass der Mann wegen psychischer Probleme in Behandlung sei. Ein Nachbar erzählte der Lokalzeitung, dass der Mann in eine Depression verfallen sei, nachdem sein Vater, ein Vietnam-Veteran, 2010 an Krebs gestorben war.

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